Polizei sorgt für "Blaulichthonig" aus Gießen

Nicht in blauer Uniform, sondern im weißen Imkerschutzanzug: Mitarbeiter des Polizeipräsidums Gießen kümmern sich um drei Bienenstöcke in der Fernistraße. Foto: Friese

Beamte des Polizeipräsidiums Gießen imkern auf dem Gelände in der Gießener Ferniestraße. Drei Bienenstöcke wurden eingerichtet. "Wir wollen einen Beitrag zur...

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GIESSEN. Gießen. 150 000 neue Mitarbeiter hat die Polizei Mittelhessen eingestellt. Anstelle der üblichen blauen Hemden tragen sie schwarz-gelb geringelte Uniformen, die Verständigung untereinander klappt durch eifriges Summen. Die Rede ist natürlich nicht von einer immensen Ausweitung des Polizeipräsidiums in Gießen, vielmehr wurden drei Bienenstöcke auf dem Gelände in der Ferniestraße eingerichtet. Wo früher ein schmaler Grasstreifen unbeachtet den Parkplatz flankierte, schmücken jetzt drei Kästen und eine blumenreiche Wiese den Eingangsbereich an der Schranke. Von dort fliegen die tierischen Mitarbeiter emsig los, sammeln Pollen und Nektar - bis zu drei Kilometer weit, wie Polizeioberkommissar Thilo Strauß verrät. Er hat das Projekt federführend mit Joachim Kuczera und seinem Kollegen Matthias Wirbelauer betreut.

"Wir wollen damit einen Beitrag zum Umweltschutz und der Biodiversität leisten. Es gibt natürlich noch viele weitere gute Gründe, Bienen zu schützen", so Polizeipräsident Bernd Paul bei der Vorstellung der Polizeibienen und führt fort: "Unser Projekt ist nachhaltig und zeigt, dass es auch am Standort unseres Präsidiums eine sehr schöne bienenfreundliche Umgebung gibt. Wir wollen bald die ersten Erträge von unserem Blaulichthonig bekommen und diese dann auch als Präsent bei Veranstaltungen oder Ehrungen herausgeben." Der Honig wird unter dem eingetragenen Markennamen "Blaulichthonig" durch die Imker selbst vermarktet. Ein Teil des Erlöses fließt pro verkauftem Glas in wechselnde, gemeinnützige Naturschutz-, Sozial- oder Präventionsprojekte. "Der erste Blaulichthonig wird in den Sommermonaten erwartet", so Wirbelauer, auch wenn dieses Jahr ein sehr schlechtes Jahr für die wichtigen Insekten ist. "Es war viel zu kalt und zu nass, die Kirsch- und Apfelblüte ist schon durch, erst jetzt können die Bienen richtig sammeln." Was sie auch eifrig tun.

Beim Blick in die Kästen offenbaren sich neben den tausenden geflügelten Mitarbeitern akribische Waben, die mittels körpereigenem Wachs von den Bienen hergestellt werden. Die Brut schlüpft eifrig und in den Waben werden Pollen und Honig eingelagert. Durchschnittlich rechnen die Imker mit 20 bis 30 Kilogramm Honig pro Volk und Ernte. Bei der Vermarktung hat das Polizeipräsidium Mittelhessen (Behördenleitung/Abteilung PÖA) jedoch ein "Vorkaufsrecht", da der Honig auch als Präsent bei Veranstaltungen, wie zum Beispiel Prämierungen, genutzt werden soll. Schon seit 2019 tummeln sich die Bienen im Polizeipräsidium Mittelhessen, zunächst teilweise auf dem Vordach und später auf einer 50 Quadratmeter großen Wiese. Kriminalbeamter Joachim Kuczera hatte im Herbst 2019 die zündende Idee: "Das urban-beekeeping ist bei Städtern voll im Trend. Immer mehr Menschen in Städten halten Bienenvölker und helfen damit der Umwelt. Denn Honigbienen produzieren nicht nur schmackhaften Honig, sie sind auch für andere Nahrungsmittel und für das gesamte Ökosystem von zentraler Bedeutung. Sie legen den Grundstein dafür, dass Obst und Gemüse auf den Tellern landen." Im Frühjahr 2021 zogen die drei Bienenstöcke der Imker dann endgültig in den selbsthergerichteten Bienenstand ein. Ein naturbelassener Staketenzaun grenzt den Bienenstand innerhalb des Geländes ab. Und auch hier wurde eifrig seitens der Mitarbeiter im Präsidium mit angepackt, wie von Polizeipräsident Paul zu erfahren war. Zahlreiche Unterstützer trugen die Grasnarbe ab und setzten bienenfreundliche Pflanzen ein. Sogar ein Bienenbaum, der oft und gerne von Insekten angeflogen wird, hat ein Plätzchen vor dem Polizeigelände gefunden. Noch ist er recht klein, aber in kurzer Zeit wird er sicherlich vor Blüten nur so explodieren. "Die Bienen werden ihn lieben", hat die Mitarbeiterin einer Baumschule aus dem Landkreis Gießen bei dem Kauf der bislang 60 Zentimeter großen jungen Pflanze prophezeit.