Schnitzeljagd durch Gemarkung Lützellinden

Woher stammt die Kartoffel? An Station 3 des Rundkurses galt es, diese Frage zu beantworten. Foto: Jung

Information, Diskussion und Spaß: Die Bürgerinitiative Lützellinden hatte einen Rundkurs durch die Gemarkung rund um das geplante Industrie- und Gewerbegebiet organisiert.

Anzeige

GIESSEN-LÜTZELLINDEN. 100 Punkte heimste Nina Rühl an der Station 3 schon mal ein. Sie war mit ihren Eltern unterwegs auf dem Rundkurs der Schnitzeljagd, zu der die Bürgerinitiative Lützellinden rund um das geplante Industrie- und Gewerbegebiet in der Gemarkung Lützellinden eingeladen hatte. Nina musste dafür die Frage beantworten, welches Tier sich im Puzzle verbarg und woher die Kartoffel kommt. Natürlich war das kein Schaumschläger und die Kartoffel kommt nicht aus Deutschland. Lösung C drückte das Mädchen auf dem Smartphone - sie hatte sich die eigens für diesen Tag entwickelte App heruntergeladen - und entschied sich für den Kartoffelkäfer sowie Südamerika. Das wurde dann mit 100 Punkten belohnt. Auf herkömmliche Weise, mit Stift und Zettel, waren Erhard und Brunhilde Schmidt unterwegs und mussten den Bogen mit 23 Fragen händisch ausfüllen, was ihnen aber nicht besonders schwerfiel. Sie kennen sich aus in der Gemarkung, wussten auch gleich, welche Vorteile ein Ackerboden gegenüber einem versiegelten Boden hat.

43 Markierungen

Drei Kilometer lang war die Strecke, die die Teilnehmer am Informationstag auf den Wegen zurücklegen mussten, um alles zu beantworten. Familien mit Kindern und Einzelpersonen schlenderten bei zunächst bedecktem Himmel durch die Flur. Viel Mühe hatten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative im Vorfeld gegeben. Anschaulich mit 43 Markierungspfählen, an denen gelbe und rote Luftballons und Warnwesten in den gleichen Farben befestigt waren, grenzten sie die beiden möglichen Gewerbeflächen, die für viel Zündstoff in Lützellinden sorgen, ein. Und verschafften zum ersten Mal den Interessierten in dieser Form einen Überblick, wie groß die Fläche der guten Ackerböden ist.

Die gelben Markierungen standen für die Fläche, gegen die sich die Gießener Politik gestellt hat. Das Areal an der L 3054 und der A45, das aktuell im Gespräch ist und gegen das sich der Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung aussprach, war mit roten Markierungen versehen.

Anzeige

Herbert Schnorr, der sich mit seiner Familie auf den Weg machte, staunte über die Größe des fruchtbaren Ackerlandes, das er in diesem Ausmaß nicht vermutet hatte. "Das muss verhindert werden", seine klare Aussage zu dem geplanten Gewerbegebiet, das mit viel Landfraß verbunden wäre. "Hätte ich nicht gedacht", zeigte sich Matthias Wollbrück von der BI vom guten Zuspruch überrascht. Ihn freut, dass überall in Lützellinden immer mehr Solidarität gezeigt wird, beispielsweise durch Plakate.

Mehr Solidarität

Morgens sah es ganz übel aus, viel Regen und grauer Himmel, doch Wollbrück entschied, den Informationstag mit seinen zahlreichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern durchzuziehen. Und der Wille hat sich gelohnt: Viele Menschen kamen auf das Gelände eines ehemaligen Bauernhofes, ein großes Zelt bot Schutz. Dort wurde diskutiert und informiert zum Stand des Verfahrens und der weiteren Vorgehensweise.

Einen besonders schönen Blick bot die Station 8, ein kleines Zelt mit Bank und somit Ruheplatz. Man musste schon genau hinschauen, um die Frage zu beantworten, wie viele Orte und wie viele Burgen zu sehen waren. Verena Kreyling und Tochter Linn hatten Mühe, das alles zu erfassen, das Smartphone erwies sich als guter Helfer. Die Wolkendecke riss auf und später blickte sogar die Sonne dem regen Treiben zu. Rehe hasteten aufgeschreckt von den zahlreichen "Schnitzeljägern" durch die Getreidefelder. Im Ziel erwarteten kleine Präsente die Kinder und Jugendlichen.