Schüler aus Gießen appellieren an Hessisches Kultusministerium

Wie viel Lernstoff ist beim Homeschooling hängengeblieben? Symbolfoto: dpa

Per Video und Brief haben Schüler aus Gießen das Kultusministerium aufgefordert, Schüler und Lehrer in die Planungen fürs nächste Schuljahr einzubeziehen. Es dürfe nicht...

Anzeige

. Giessen (paz). Gießener Schüler haben sich mit einem Appell an das Hessische Kultusministerium gewandt. Sie fordern, Schüler und Lehrer in die Planungen für das nächste Schuljahr einzubeziehen. Die Initiative dazu geht von der Schülervertretung der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) aus, die sich mit dem Stadtschülerrat sowie einigen Stadtschulen zusammengetan hat. "Wir wünschen uns, dass die Planungen nicht so stark über unsere Köpfe hinweg getroffen werden", heißt es in dem offenen Brief, an dessen Formulierung zehn Tage lang gearbeitet worden sei. Und weiter: "Hört die Menschen an, die in der Schule sind, denn sie sind die Schule."

Vertreten würden damit "mehr als 17 000 Gießener Schülerinnen und Schüler, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen haben, wie sie mit dieser Situation umgehen können und dennoch allesamt versuchen, das Beste daraus zu machen", erklärt der stellvertretende Stadtschulsprecher Paul-Henry Bartz. "Wir haben das Gefühl, dass wir nicht dazugehören, sondern bloß verwaltet werden."

Nebenfächer zu vernachlässigen und Fachstunden ohne Fachkraft zu halten, sei kein Konzept, sondern eine Notlösung, die von den Schülern bis zu den Sommerferien in dem Bewusstsein mitgetragen werde, "dass es alle mit einer Situation zu tun haben, die es so zuvor noch nie gegeben hat", ergänzt Stadtschulsprecher Stergios Svolos. "Jetzt aber ist es an der Zeit, für das neue Schuljahr eine Perspektive zu entwickeln, die über die Stellung eines notdürftigen Angebots hinausgehe."

Es brauche Schulkonzepte, doch die Schulleitungen, Lehrer und Schüler würden nicht gefragt, obwohl sie es seien, um die es geht. Zugleich werden viele Fragen aufgeworfen - etwa danach, ob es wirklich sinnvoll sei, an einem Zentralabitur festzuhalten, und ob es Sinn mache, Kinder und Jugendliche möglichst bald wieder zu beschulen. Angezweifelt wird ferner, ob es tatsächlich oberste Priorität haben müsse, dass Schüler innerhalb eines vorgesehenen Zeitraums ihren Abschluss erwerben. "Sollte uns das Ideal des Bildungsauftrags nicht zu etwas mehr Ehrgeiz anstacheln, wirklich alle - jenseits der Voraussetzungen, die sie mitbringen - in ihren Potenzialen möglichst optimal zu fördern?" Nun gelte es, für jede Schule individuell alternative Unterrichtskonzepte zu entwickeln. Denn jede Klasse sei unterschiedlich weit mit dem jeweiligen Lernstoff gekommen, und nicht jeder Schüler habe das Homeschooling gleich gut bewältigt. Darüber hinaus habe jede Lehrkraft in ihrem Fach andere Schwerpunkte gesetzt. "Wir haben Angst, dass in den Abschlussprüfungen Themen behandelt werden, die wegen fehlender Konzepte in der Corona-Krise zu kurz gekommen sind", endet der Brief, der im Internet unter www.wirsindschule.ggosv.de aufgerufen werden kann. Obendrein gibt es dazu noch ein Video, das bei Youtube unter https://youtu.be/wdzSAoHY5Sk zu finden ist.