Schuljahresende bei Muttersprachlichem Unterricht in Gießen

Diese Lehrkräfte wurden geehrt: Biniam Fessehazion, Eden Tesfaghiorghis, Oleksandr Budnik, Ioanna Papaki, Zeynal Sahin, Anna Bouka, Fatina Baalbaki, Olga Royak, Maria Massee, Lemlem Kaleab, Dr. Theodora Dimitroulia-Kohlhaas (v.l.).  Foto:Schäfer

Der Ausländerbeirat Gießen hatte zur Abschlussveranstaltung des Muttersprachlichen Unterrichts eingeladen. Die ehrenamtlichen Lehrkräfte wurden geehrt.

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GIESSEN. Zur Abschlussveranstaltung des Schuljahres 2020/21 hatte die Arbeitsgruppe "Muttersprachlicher Unterricht" des Ausländerbeirates in den Hermann-Levi-Saal eingeladen. Maria Hutsylo, Leiterin der städtischen Geschäftsstelle Ausländerbeirat, hatte diese organisiert. Als langjährige Sprecherin der AG leitete Olga Royak die Feierlichkeiten. Aufgrund der Pandemie-Situation wurde die diesjährige Abschlussveranstaltung anders als früher durchgeführt: Sie fand ohne Kinderauftritte statt und sollte den Charakter eines feierlichen Runden Tisches haben. Royak stellte die einzelnen Lehrkräfte vor. Zum Schluss der Veranstaltung wurden sie für ihre Arbeit geehrt.

Tigrigna heißt die Landessprache in Eritrea. Tigrigna gibt es auch in Gießen als eines von fünf Angeboten für den muttersprachlichen Unterricht. Der wird in der Regel samstags in der Alten Aliceschule angeboten. Hatte Lehrkraft Biniam Kahsu Fessehazion vor der Corona-Pandemie im ersten Schulhalbjahr 2019/20 noch 32 Kinder im Unterricht, so war im zweiten Schulhalbjahr 2020/21 kein einziges eritreisches Kind mehr angemeldet. Bei Arabisch waren es vorher 57 Kinder, nachher nur noch 6; bei Persisch 12/4, bei Griechisch 42/27, bei Ukrainisch 10/8. Von 153 Kindern insgesamt nahmen nur noch 30 Prozent am Unterricht teil, so die Bilanz.

Ehrenamtliche Lehrkräfte

Beschult wurden die Kinder im Distanzunterricht. Gleich sechs Lehrkräfte - Fatina Baalbaki, Rehana Alkhaer, Amani Al Ahmad, Laith Hamzeh, Eman Aziz Hamoudi, Berivan Kousa - unterrichteten in Arabisch, Sedigeh Pazoki in Persisch, Oleksandr Budnik in Ukrainisch, Ioanna Papaki in Griechisch und Fessehazion in Tigrigna. Das Honorar für die ehrenamtlichen Lehrkräfte und die Miete der Schulräume betrugen im Schuljahr 2019/20 jeweils etwa 4000 Euro.

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Mit den Worten "Es ist immer wieder schön, hier zu stehen und auf Deutsch zu kommunizieren", begrüßte Zeynal Sahin als Vorsitzender des Ausländerbeirates die Runde. "Unsere Aufgabe ist es, die Zukunft zu planen für unsere Kinder in einer multikulturellen Stadt." 140 verschiedene Nationen lebten in Gießen, ergänzte Royak.

Zeynal: "Muttersprache ist das wichtigste, um uns richtig ausdrücken zu können." Jeder, der seine Muttersprache gut spreche, könne die deutsche Sprache viel besser erlernen. "Wir Ausländer zahlen hier unsere Steuer, damit dieses Geld nicht nur für den Straßenbau ausgegeben wird, sondern auch für unsere Kinder." Rückblickend gab er sich einerseits zufrieden damit, dass in der Oberstufe Arabisch als zweite Fremdsprache zugelassen worden sei. Andererseits werde noch immer daran gearbeitet, dass dies auch für Griechisch und Türkisch anerkannt werde. "Das ist unser Wunsch und unsere Forderung an die Landesregierung. Dafür brauchen wir Unterstützung."

Wichtig ist Sahin auch eine gute Kommunikation des Ausländerbeirates sowohl mit den Lehrkräften als auch den einzelnen ausländischen Communities der Stadt. Royaks Anliegen ist es insbesondere, dass die Eltern der Schüler motiviert werden, ihre Kinder zum muttersprachlichen Unterricht zu schicken.

Die AG "Muttersprachlicher Unterricht" arbeite intensiv daran, eine gemeinsame Plattform dafür aufzubauen. Auf ihr sollen die Lehrer und die Elternvertretungen aller muttersprachlichen Kurse sowie weitere im Bereich aktiven Akteure in der Stadt zusammengebracht werden.