Stadtwerke Gießen erhöhen Strompreise deutlich

Die Stadtwerke Gießen erhöhen zum 1. Januar 2023 die Preise für die Grundversorgung. Bereits zum 1. April hatte das Unternehmen den Strompreis erhöht.

Die Kosten steigen um fast 53 Prozent: Die Stadtwerke Gießen erhöhen zum 1. Januar den Preis für die Grundversorgung. Es ist der zweite Anstieg innerhalb von zehn Monaten.

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Gießen. Stromkunden der Stadtwerke Gießen (SWG) können sich schon mal auf Post ihres Versorgers einstellen: Das Unternehmen erhöht zum 1. Januar 2023 den Preis für die Grundversorgung. Der Arbeitspreis steigt um 18,18 Cent auf dann 46,67 Cent pro Kilowattstunde. Es ist der zweite Anstieg innerhalb von zehn Monaten. Bereits zum 1. April dieses Jahres hatten die Stadtwerke neue Strompreise festgelegt - damals fiel der Anstieg mit rund acht Prozent allerdings geringer aus. »Uns ist klar, dass auf etliche Kunden harte Zeiten zukommen«, betonte Unternehmenssprecher Ulli Boos beim Pressegespräch. Wer angesichts der steigenden Preise in Zahlungsschwierigkeiten gerät, solle mit seinem Versorger Kontakt aufnehmen.

Der Grundpreis bleibt unverändert. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2200 Kilowattstunden bedeutet das Plus beim Arbeitspreis Mehrkosten von rund 33 Euro pro Monat - ein Anstieg um fast 53 Prozent.

Terminmarkt: Von 20 auf 1000 Euro

Zwar gingen die Preise auf dem Energiemarkt derzeit leicht bergab, »sie sind aber immer noch signifikant über dem Normalzustand«, sagte Jens Schmidt, kaufmännischer Vorstand der SWG. Auf dem Terminmarkt, auf dem Stromlieferungen mit einem mehrjährigen Vorlauf gehandelt werden, habe die Megawattstunde in der Vergangenheit zwischen 20 und 30 Euro gekostet. »Zwischenzeitlich gab es Ausschläge bis auf 1000 Euro pro Megawattstunde.« Auf dem Spotmarkt für den kurzfristigen Handel sehe es nicht besser aus. Insbesondere die deutlichen Preisschwankungen machten langfristige Planungen schwierig.

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Beobachte man den Terminmarkt, sei erst für 2025 ein signifikanter Preisrückgang zu erkennen. Offenbar rechne man an den Märkten damit, dass bis dahin die Energiesituation etwa durch ausreichend Flüssigerdgasterminals gesichert sei. Aber: Die Preise seien dann immer noch zwei- bis dreimal so hoch, wie man es vor der Krise gewohnt gewesen sei. »Die Entwicklung an den Märkten ist verrückt«, Preise wie in den vergangenen Monaten habe man »nie zuvor gesehen«, sagte Schmidt.

Ein weiterer Grund für die nun steigenden Strompreise liege in der üblichen Beschaffungsstrategie der Grundversorger, wie Vertriebsleiter Andreas Fuchs erläuterte: Die SWG decken sich bis zu drei Jahre im Vorfeld mit Strom ein, es werden viele kleinere Einkäufe zu verschiedenen Zeitpunkten getätigt. So erreiche man einen langfristigen Durchschnittskosteneffekt und kaufe nicht einmalig bei sehr niedrigen oder sehr hohen Kosten ein.

Wenn die Marktpreise dauerhaft klettern oder über einen längeren Zeitpunkt hoch bleiben, nehme der Nutzen dieser Strategie jedoch ab - mit Zeitverzug steigen dann die Preise für die Kunden.

Dies wirkt sich auch auf andere Tarife aus: Die Sondertarife (Standardlastprofil) für den Bedarf im Haushalt und Gewerbe steigen zwischen 66 und 68 Prozent an. Noch extremer wird es bei Wärmepumpenstrom (Plus von 92 Prozent) und beim Heizen mit einer Nachtspeicherheizung mit separater Messung (116 Prozent mehr). Hier waren die Tarife zuletzt zum 1. Februar 2020 angepasst worden, weshalb es nun laut Fuchs einen »sehr großen Nachholeffekt« gebe.

Keine Erhöhung bei Gas und Fernwäme

Eine vergleichsweise gute Nachricht gab es beim Pressegespräch aber auch: Die Preise für Gas und Fernwärme bleiben derzeit stabil, hier ist keine Preiserhöhung zum Januar vorgesehen. Seit Einführung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes geben die SWG die CO2-Emissionen zum Jahreswechsel an die Kunden weiter. Da die Bundesregierung die geplante Erhöhung der Emissionskosten jedoch ausgesetzt hat, bleibt die CO2-Umlage - und somit der Preis für die SWG-Kunden - konstant.

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Die Übernahme der Dezember-Abschlagszahlung für Gas und Wärme ist nach der Zustimmung des Bundesrats in dieser Woche beschlossene Sache. Wie das in der Praxis abläuft, steht laut SWG noch nicht fest. Der Strom-Abschlag ist bei den Plänen aus Berlin jedoch nicht enthalten, dieser wird im Dezember wie gewohnt fällig.

Wie sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt, sei schwierig abzusehen und sowohl von der Entwicklung des Krieges in der Ukraine als auch dem Verlauf des Winters abhängig. »Einen milden Winter sollte Deutschland mit dem bereits eingespeicherten Gas und dem, das über neue Kanäle importiert wird, überstehen.« Sollte es für längere Zeit jedoch sehr kalt werden, »dürften die Gaspreise wieder massiv anziehen«, heißt es vonseiten der SWG. Das oberste Gebot laute daher nach wie vor: sparen, sparen, sparen. »Es zählt jede Kilowattstunde« - sowohl für die Versorgungssicherheit, als auch für die Geldbeutel der Kunden und die Umwelt.

Die SWG passen den Abschlag automatisch an, Kunden werden darüber in separaten Schreiben informiert. Wer sich wegen möglicher Zahlungsschwierigkeiten mit den SWG in Verbindung setzen möchte, kann dies tun unter 0800/2302100 oder per E-Mail an info@stadtwerke-giessen.de.

Von Eva Pfeiffer