„The Magic Flute”: Kinohit mit Musik aus Gießen

HANDOUT - 10.11.2022, ---: F. Murray Abraham als Dr. Longbow in einer Szene des Films «The Magic Flute - Das Vermächtnis der Zauberflöte» (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 17.11.2022 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts) Foto: Luis Zeno Kuhn/TOBIS Film/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Der Gießener Komponist Martin Stock hat die Filmmusik zum Kinoabenteuer „The Magic Flute” geschrieben - und das Genie Mozart für sich entdeckt.

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Gießen/München. Das kann auch nicht jeder Musiker von sich behaupten: Der Soundtrack zum gerade in den deutschen Kinos angelaufenen Fantasyabenteuer „The Magic Flute” besteht aus Stücken von exakt zwei Komponisten: dem gebürtigen Salzburger Wolfgang Amadeus Mozart und dem gebürtigen Gießener Martin Stock. Eine Künstler-Begegnung auf Augenhöhe also? „Das kann man so auch wieder nicht sagen”, entgegnet der 61-Jährige lachend. Eine Herausforderung der besonderen Art war es für den in München lebenden Erfolgskomponisten gleichwohl.

Als er das Angebot bekommen hat, an dem von Roland Emmerich mitproduzierten Kinofilm mitzuarbeiten, „dachte ich zunächst: was für ein wunderbares Projekt!”. Doch bald stellte sich noch ein zweites Gefühl beim ehemaligen Liebigschüler ein: das der enormen Verantwortung, die ihm bei seiner Aufgabe zuteil wurde: „Schließlich legst du dich hier ein Stück weit mit Mozart an.” Der von ihm geschriebene Part sollte den Arien der weltweit meistgespielten Oper natürlich gerecht werden. „Ich wollte Mozart damit einen roten Teppich auslegen.”

Und wie war Stocks Verhältnis zu dem Salzburger, bevor er sich für dieses Filmprojekt intensiv mit ihm beschäftigt hat? „Als Kind musste ich viele Sachen von Mozart spielen. Der größte Fan war ich damals nicht”, erinnert er sich. Doch nun hat er beim Neu- und Wiederhören der „Zauberflöte” entdeckt, „wie wunderbar die einzelnen Stücke ineinandergreifen. Man kann da nichts weglassen und nichts hinzufügen - einfach zum Niederknien.”

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Für die Arbeit an „The Magic Flute” hat sich Stock die Oper „immer wieder angehört, auch in unterschiedlichen Aufnahmen”. Dann setzte er sich mit Regisseur Florian Sigl zusammen, um die Konzeption der musikalischen Begleitung zu besprechen. Entstanden ist »eine filmische Verdichtung«, erläutert er. „Was heißt, dass wir musikalisch einiges weglassen mussten.” Schließlich sei es ein mit einer zweiten Erzählebene versehenes Kinoabenteuer und keine Operninszenierung. So wird die Handlung des 1791 in Wien uraufgeführten Werks eingebunden in eine Fantasygeschichte, für deren Vertonung Martin Stock zuständig war. In Mozarts Vorlage hat er dabei nur ein einziges Mal eingegriffen: „Der Gesang der drei Damen ist irrsinnig hoch. Weil der Text aber gut verständlich sein soll, haben wir ihn um eine Oktave nach unten versetzt. Eine kühne Idee, die dann aber bei mir für manche schlaflose Nacht gesorgt hat.”

Überhaupt sei die Komplexität seiner Aufgabe äußerst fordernd gewesen. „Der Rhythmus meiner Beiträge läuft da in die Mozart-Arien hinein. So, dass das Publikum nicht merken soll, wo sich die Nahtstellen befinden.” So ging es für den seit vielen Jahren fürs Kino wie fürs Theater arbeitenden Komponisten zunächst darum, alleine im Studio an den Klangreglern und vor den Monitoren an den Klängen zu arbeiten und neue Motive zu entwerfen. Aber auch manches wieder wegzuschmeißen, wenn es nicht funktioniert - „selbst wenn es einem gefällt”. Es seien viele Stunden, die man dabei alleine verbringe. „Man muss das schon mögen.”

Dem Tonkünstler, der einst bei dem legendären Ennio Morricone hospitiert hat, gefällt diese Arbeit, die er über den Rechner auch in einem Orchesterklang übertragen kann. Die eigenen Stücke dann aber erstmals mit einem echten Ensemble einzuspielen, „das hat dann aber schon nochmal eine ganz andere Energie.” Bei Stock war es das Salzburger Mozarteum-Orchester, ein „wunderbarer Klangkörper”, schwärmt er, mir dem er die Stücke auch für ein das Leinwandabenteuer begleitendes Musikalbum eingespielt hat. Nun hofft er, dass der auf ein internationales Publikum ausgerichtete Fantasy-Film nicht nur ein großes Publikum ins Kino lockt, sondern im besten Fall auch manchen jungen Zuschauer dazu animiert, künftig einmal eine Operninszenierung der »Zauberflöte« anzuschauen.

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Zum Inhalt: Der 17-jährige Tim (Jack Wolfe), Gesangsschüler am legendären Mozart-Internat in den österreichischen Alpen, entdeckt eines Nachts ein jahrhundertealtes geheimes Portal, das ihn in die fantastische Welt von Mozarts »Die Zauberflöte« katapultiert. Als Prinz Tamino begegnet er dort dem gewitzten Vogelfänger Papageno (Iwan Rheon), mit dessen Hilfe er von nun an jede Nacht gefährliche Abenteuer bestehen muss, um die Prinzessin Pamina (Asha Banks) aus den Fängen des Fürsten Sarastro (Morris Robinson) zu befreien.

In dieser stilistisch an die »Harry Potter«-Reihe angelehnte Version von Mozarts „Die Zauberflöte” wird aus dem klassischen Opernstoff ein opulentes Filmabenteuer für alle Generationen. Zu den weiteren Darstellern zählen „Teddy” Teclebrhan und Stefan Konarske, aber auch weltweit gefeierte Opernstars wie Rolando Villazón, Morris Robinson und Sabine Devieilhe. Der Film „The Magic Flute - Das Vermächtnis der Zauberflöte” läuft aktuell im Gießener Kinopolis.

Von Björn Gauges