Ungewollte Zeit für Nachdenken und Besinnung

Abends strahlt das kleine Gotteshaus in Allendorf im Licht der Scheinwerfer, das kirchliche Leben indes ist zum Erliegen gekommen. Foto: Jung

Die Corona-Pandemie hat Konsequenzen für das kirchliche Leben im Ort. Gemeindepfarrer Horst Daniel hat jetzt mit zwei Flugblättern die Lützellindener auf die besondere...

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ALLENDORF/LÜTZELLINDEN. (kg). Die Corona-Pandemie hat Konsequenzen für das kirchliche Leben im Ort. Gemeindepfarrer Horst Daniel hat jetzt mit zwei Flugblättern die Lützellindener auf die besondere Situation hingewiesen. Bis auf Weiteres gibt es in der Kirche oder im Gemeindehaus keine Gottesdienste. Für die kirchlichen Feiern wie Vorstellungsgottesdienst, Konfirmationsgottesdienst und Goldene Konfirmation sowie das Konzert am 3. April werden nach Mitteilung von Daniel zu gegebener Zeit neue Termine festgelegt. Das Gemeindezentrum ist geschlossen, private Feiern gibt es dort nicht.

Über die Internetseite http://luetzellinden.ekir.de und am Schaukasten kann man sich über weitere Planungen und notwendige Vorgehensweisen informieren. Auf Anweisung der Landeskirche sind besonders älteren Menschen Besuche untersagt. Wer sich mit dem Gemeindepfarrer über Sorgen und seelsorgerische Fragen austauschen will, kann ihn unter 06403/7744099 anrufen. An der Initiative „Lützellinden hilft“ beteiligt sich die evangelische Kirchengemeinde auch. Viele Menschen bekommen jetzt ungewollt viel Zeit und Ruhe zum Nachdenken und zur Besinnung. „Das Gebet und die Bibellese sind hilfreiche Lebens- und Krisenbegleiter“, macht Horst Daniel deutlich. In diesen Tagen der notwendigen Isolation sei es besonders hilfreich und wichtig, Gemeinschaft im Glauben zu leben.

Seit Sonntag läuten um 20 Uhr die Glocken der Lützellindener Kirche. Der Pfarrer schlägt vor, zu dieser Zeit eine Kerze als Licht der Hoffnung und der Solidarität sichtbar ans offene Fenster zu stellen. Zum Klang der Glocken könne man zuhause täglich eine Andacht halten und in ökumenischer Gemeinschaft für das Dorf, unser Land und die Welt beten. „Jeder Haushalt für sich“.

Auf der Webseite der Lützellindener Kirche finden sich aktualisierte Hinweise und Texte. Auch Links zu kirchlichen und freikirchlichen Gemeinden in der Region sind dort zu finden. Wer den Link https://www.youtube.com/watch?v=QEaZ_IczX2o&feature=youtu.be öffnet, kann sich täglich einen kurzen Impuls von Pfarrern, Pastoren und Gemeindegliedern aus dem Hüttenberger Raum und Lützellinden anschauen. Weitere Impulse gibt es unter www.coronahilfe-huettenberg.de. Beerdigungsfeiern müssen im Freien stattfinden und nur insgesamt fünf Personen dürfen dabei sein. „Das ist schwer für alle, aber geht leider nicht anders“, verweist Horst Daniel auf die Bestimmungen. Das jetzt gültige Kontaktverbot schränkt die Anzahl bei Beerdigungen als Ausnahme nicht ein. „Da wird man begraben wie ein Hund“, empört sich eine Lützellindenerin am Sonntag im Gespräch beim Spaziergang.

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Im Nachbarort Allendorf/Lahn sind alle kirchlichen Aktivitäten bis zum Ende der Osterferien eingestellt. Pfarrerin Christine Specht schreibt auf Facebook: „Es fällt mir als Pfarrerin schwer, das zu schreiben: Alle Veranstaltungen der evangelischen Kirchengemeinde Allendorf/Lahn, auch die Gottesdienste, fallen erst mal bis nach den Osterferien aus. Das finde ich sehr schade und sehr vernünftig. Wie gut, dass wir alle ein schönes und bequemes Zuhause haben, es genug Möglichkeiten gibt, in Kontakt zu bleiben, ohne dass man das Haus verlassen muss. Lasst uns diese Möglichkeiten nutzen und aufeinander achten“. Auf Anfrage sagte sie, sie gehe davon aus, dass die Konfirmation am zweiten Sonntag im Mai verschoben werden müsse. Mit dem Kleinlindener Pfarrer Ekkehard Landig habe sie vereinbart, zu warten, bis es dazu offizielle Absagen von der Kirchenleitung gibt. Während die Kirchengemeinde Allendorf/Lahn zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zählt, ist Lützellinden zur Rheinischen Landeskirche zugehörig.