Uniklinikum Gießen gewinnt 22 Pflegekräfte von Philippinen

Die Neuzugänge von den Philippinen, darunter auch drei Männer, sollen vor allem im intensivmedizinischen Bereich in der Pflege zum Einsatz kommen.  Foto: Docter

Das UKGM präsentierte 22 neue Gesundheits- und Krankenpfleger von den Philippinen. Alle haben einen Bachelor-Abschluss und wurden im Asklepios-Schulungszentrum auf ihre...

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. GIESSEN. So viel gelacht und gestrahlt wie am Montagmittag wurde im chirurgischen Hörsaal des Gießener Uniklinikums (UKGM) wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Grund für die gute Stimmung sind die 22 neuen philippinischen Pflegekräfte, die demnächst ihren Dienst im Haus aufnehmen werden. Die jungen Leute im Durchschnittsalter zwischen 25 und 35 Jahren, darunter neben 19 Frauen auch drei Männer, haben in ihrer Heimat allesamt ein vierjähriges Studium absolviert und einen Bachelor-Abschluss in Gesundheits- und Krankenpflege erworben. Danach konnten sie im Praktischen Jahr und in Kliniken auf den Philippinen - in manchen Fällen dann auch in Saudi-Arabien und Jemen - bereits reichlich praktische Erfahrungen und Zusatzqualifikationen, unter anderem in Kardiologie, Chirurgie und Neonatologie, sammeln. Am UKGM soll der größte Teil von ihnen auf Intensivstationen für Erwachsene und Neugeborene zum Einsatz kommen.

"Ich las auf Social-Media-Kanälen, dass in Deutschland viele neue Pflegekräfte gebraucht werden", erzählt Jingle Gabis Gabrillo im Gespräch mit dieser Zeitung, wie es zu ihrem Entschluss kam, rund 10 000 Kilometer vom Geburtsland entfernt ihr Glück zu suchen. Die 37-Jährige verfügt wie die übrigen Neuankömmlinge über Deutsch-Kenntnisse auf dem Sprachniveau B2, und die sollen nun in weiteren Kursen noch vertieft werden. Ihre Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, und damit ihren Ehemann und ihre Mutter monatelang nicht sehen zu können, habe natürlich auch finanzielle Gründe: "Die Philippinen sind ein sehr armes Land", erzählt Gabrillo. Im Vergleich zu den Löhnen als Pflegekraft an dortigen Kliniken könne sie in Deutschland "das Acht-, vielleicht sogar Zehnfache" verdienen. Als "Jüngste der Familie" möchte sie sich hier eine neue Zukunft aufbauen, wobei die 37-Jährige um die Unterstützung ihrer Liebsten - "Alle sind stolz auf mich" - weiß. In einem, spätestens eineinhalb Jahren wird sie ihren Ehemann nachholen können.

Dass es jetzt möglich wurde, gleich 22 neue Pflegekräfte auf einmal fürs Gießener Klinikum zu gewinnen und somit dem auch hier herrschenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sei der im Juli erfolgten Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch den Asklepios-Konzern zu verdanken. Das UKGM "profitiert erstmals von dem neu gewonnenen Zugang zu den vielseitigen Ausbildungsprogrammen von Asklepios", heißt es in der Pressemitteilung. Der Konzern unterhält in Darmstadt ein eigenes Schulungszentrum für ausländische Pflegekräfte, wo die Neuankömmlinge bereits seit Juli auf ihre künftigen Aufgaben, inklusive Deutschkursen, vorbereitet wurden. In den kommenden Wochen sollen sie das Uniklinikum "erst einmal kennenlernen und sich in ihren Bereichen einarbeiten", sagte Dr. Christiane Hinck-Kneip bei der Begrüßung im Hörsaal. Laut der kaufmännischen Geschäftsführerin am UKGM-Standort Gießen gebe es "aktuell noch eine ganze Reihe von offenen Stellen". Auf Nachfrage dieser Zeitung ließen Hinck-Kneip und Dr. Christian Höftberger vom Vorstand der Rhön-Klinikum AG wissen, dass noch einmal "etwa die gleiche Menge wie jetzt" an zusätzlichem Pflegepersonal benötigt werde.

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Dessen ungeachtet "freuen wir uns, gleich zu Beginn unserer strategischen Partnerschaft dieses Zeichen setzen zu können", unterstrich Höftberger die Bedeutung der nun 22 hinzugewonnenen Fachkräfte. Die natürlich dieselbe Bezahlung wie hiesige Gesundheits- und Krankenpfleger erhalten würden, bestätigte Hinck-Kneip gegenüber dieser Zeitung.

Asklepios hat nach eigener Darstellung mittlerweile "fast 500 ausländische Pflegekräfte erfolgreich in die Patientenverpflegung in den deutschen Kliniken integriert". Dabei handele es sich vorwiegend um intensivmedizinisch ausgebildetes Personal. Neben Philippinen würden im Darmstädter Schulungszentrum auch Fachkräfte aus Mexiko und den Balkanstaaten weitergebildet, berichtete Astrid Sartorius, Leiterin der Asklepios Auslandsakquise Pflege. Die Bewerberinnen und Bewerber hierfür seien auf den Philippinen durch Social-Media-Kanäle und ortsansässige "Rekrutierer" auf die Arbeitsangebote aus Deutschland aufmerksam gemacht worden, so Sartorius.

"Wir wissen, manche von Ihnen haben auch Angst und sind unsicher, was nun auf Sie zukommt", konnte Manfred Rompf, am UKGM Geschäftsbereichsleiter Personal, gut nachempfinden, wie den Neuzugängen zumute ist. "Wir wollen Sie unterstützen", bot er sogleich Hilfe an. So ist laut UKGM-Pflegedirektor Lothar Zörb "ein regelmäßiger Austausch alle drei bis vier Wochen" geplant, "wir werden Sie engmaschig begleiten". Auch der Betriebsrat sagte in Person des stellvertretenden Vorsitzenden Andreas Schaub seine Unterstützung zu. Hinck-Kneip legte allen 22 Neuankömmlingen ans Herz, "sprechen Sie Deutsch, egal, ob Sie dabei grammatikalische Fehler machen". Und was das Berufliche angeht, wolle man in einigen Wochen schauen, ob der jeweils ausgewählte Klinikbereich "der richtige für Sie ist", bat sie ihre jungen Zuhörer, "Rückmeldung" zu geben, um das für alle Passende zu finden.

Von Frank-O. Docter