Heuchelheim macht bei Sicherheitsinitiative "Kompass" mit

Angst vor Einbrechern dürfte bei Bürgern, die nach ihrem subjektiven Sicherheitsgefühl befragt werden, ganz oben auf der Liste stehen.  Archivfoto: dpa

Die Gemeinde Heuchelheim ist die erste Kommune im Landkreis Gießen, die bei der Sicherheitsinitiative "Kompass" mitmacht. Ziel ist, zusammen mit Bürgern ein...

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HEUCHELHEIM. Die Zahlen der Kriminalitätsstatistik sind das eine, das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger das andere. Untersuchungen und Befragungen zeigen, dass sich weit mehr Menschen von verschiedenen Formen der Kriminalität bedroht sehen, als dies tatsächlich der Fall ist. Da es bei dem Thema auch um die Frage des Vertrauens geht, das die Polizei genießt, hat das Land die Initiative "Kompass" ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für "Kommunalprogramm Sicherheitssiegel". Ziel ist, im Zusammenspiel von Polizei, Kommune, Bürgern, Institutionen, Kirchen oder Schulen ein Präventionskonzept zu entwickeln. Heuchelheim ist die erste Kommune im Landkreis Gießen, die bei "Kompass" mitmacht. Andere Städte und Gemeinden wollen folgen. In Hessen gab es vier Pilotprojekte.

Dass Heuchelheim als erste ausgewählt wurde, hat mitnichten etwas damit zu tun, dass es hier so viele Probleme gibt. Im Gegenteil. "Aufgrund der objektiven Daten handelt es sich um eine sichere Gemeinde", betonte Polizeipräsident Bernd Paul. "Aber man kann ja immer versuchen, etwas besser zu machen." Bürgermeister Lars Burkhard Steinz, selbst ehemaliger Polizist, stimmte zu. Der hohe Stand müsse gewahrt werden.

Hintergrund für "Kompass" sei auch, dass Sicherheit nicht allein Polizeiaufgabe sei, erklärte Paul. Die Bürger wüssten um Probleme, um Stellen, die man in der Dunkelheit mit einem unguten Gefühl begeht. Da könne es schon reichen, an der Beleuchtung zu arbeiten.

"Sicherheitskonferenz"

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Wie "Kompass" in Heuchelheim konkret umgesetzt werden soll, erläuterte der beim Polizeipräsidium Mittelhessen zuständige Berater Jörg Schormann. Vertreter des Präsidiums, der für Heuchelheim zuständigen Polizeistation Gießen-Süd und der Gemeinde bilden eine Arbeitsgruppe. Bis Mitte des Jahres soll eine Befragung der Bürger beginnen - auf Papier, im Internet oder im persönlichen Gespräch. Als nächster Schritt ist eine sogenannte "Sicherheitskonferenz" geplant, zu der Bürger, Vertreter von Vereinen und Institutionen, Kirchengemeinden, Schulen oder Feuerwehren eingeladen werden sollen. Die Ergebnisse aus der Befragung, der "Sicherheitskonferenz" und der objektiven Kriminalitätsanalyse der Polizei werden in der Arbeitsgruppe zusammengetragen, um daraus "passgenau für Heuchelheim" Vorschläge zu erarbeiten. Wann diese Präventionsmaßnahmen vorliegen könnten, vermochte Schormann nicht einzuschätzen. Sie werden auf jeden Fall bei einer weiteren "Sicherheitskonferenz" vorgestellt. Geplant ist, zu einem späteren Zeitpunkt bei einer weiteren Bürgerbefragung zu ermitteln, ob das Präventionskonzept etwa gebracht hat.

Jutta Laucht, die im Polizeipräsidium das Sachgebiet Prävention leitet, sprach von einem "Prozess über mehrere Jahre". Es gehe um eine nachhaltige Aktion, "nicht um ein Strohfeuer, um ein Siegel zu bekommen".

Marc Göbel, Leiter der Polizeidirektion Gießen, betonte, wie wichtig die Wahrnehmung sei, dass beim Thema Sicherheit alle an einem Strang zögen. Es gebe eine Diskrepanz zwischen der objektiven Lage und dem subjektiven Sicherheitsgefühl. "Kompass" biete die Chance, diese Dinge zu verzahnen. Paul betonte die Notwendigkeit des Vertrauens der Bürger in die Leistungsfähigkeit von Polizei und Gemeindeverwaltung.

Häufchen hinterlassen

Nach Darstellung von Bürgermeister Steinz und Ordnungsamtsleiter Michael Landschek halten sich die Probleme in Heuchelheim in Grenzen. Bundesweit war die Gemeinde in den Schlagzeilen, weil ein Mann an diversen Stellen über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren seine Häufchen hinterließ. Die Sache ist ausgestanden. Im Sommer gibt es immer mal wieder Ärger mit Jugendlichen an der Wilhelm-Leuschner-Schule. "Da sind wir mit einer Streife hingefahren und das hat funktioniert", erklärte der Leiter der Polizeistation Gießen-Süd, Matthias Lederer. "Das ist hier eine sehr friedliche Gemeinde."