Umsatz der Schunk Group geht um 11,6 Prozent zurück

Die Unternehmenszentrale der Schunk Group in der Rodheimer Straße in Heuchelheim.  Foto: Schunk Group

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf das Heuchelheimer Unternehmen weniger schlimm aus als befürchtet. Trotzdem ging der Umsatz um 11,6 Prozent zurück.

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HEUCHELHEIM. Die Schunk Group hat sich dank ihrer strategischen Ausrichtung abermals als sehr krisenresistent erwiesen. Angesichts der Corona-Pandemie musste der Technologiekonzern im Geschäftsjahr 2020 jedoch deutliche Umsatzeinbußen verzeichnen. Bei einem Pressetermin zog der Vorsitzende der Unternehmensleitung der Schunk Group, Dr. Arno Roth, Bilanz und blickte optimistisch in die Zukunft.

Auch auf die Schunk Group hatte die weltweite Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie einen massiven Einfluss: Der Umsatz des Technologiekonzerns ging um 11,6 Prozent zurück auf 1,198 Milliarden Euro. "Besonders drastisch war der Einbruch in der Automobilindustrie, unserem wichtigsten Absatzmarkt, hier vor allem der für Schunk wichtige europäische Markt", erläuterte Roth. Ähnlich stark betroffen war der für Schunk ebenfalls wichtige Bahnmarkt.

"2020 war ein herausforderndes Geschäftsjahr. Wir waren jedoch auf ein Krisenszenario vorbereitet und konnten daher früh und entschlossen Gegenmaßnahmen umsetzen. So waren wir in der Lage, die Auswirkungen der Krise abzumildern", erklärte Roth. Schunk erzielte daher ein vergleichsweise gutes Ergebnis und steigerte dadurch seine Eigenkapitalquote weiter auf nun 68,6 Prozent. Dies ermöglichte auch eine Corona-Sonderzahlung an die weltweit rund 9000 Beschäftigten, die darüber hinaus in diesem Jahr eine Gewinnbeteiligung für 2020 erhalten werden.

"Unser strategisch diversifiziertes Geschäft hat uns ohne Zweifel in der Krise geholfen", betonte Roth. Mit zehn Business Units ist der Technologiekonzern in zum Teil sehr unterschiedlichen Branchen und Märkten aktiv. "Diese Ausrichtung hat sich bereits in der Finanzkrise 2009 als sehr stabil erwiesen und sich auch jetzt - verbunden mit der hohen finanziellen Stabilität der Schunk Group - abermals bewährt."

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Breites Portfolio

Im Portfolio von Schunk sind Schleifringe für die Stromübertragung in einer Windkraftanlage ebenso enthalten wie Vakuumbeschichtungsanlagen für die Herstellung von hochwertigen Brillengläsern. "Der Kern unseres Geschäfts ist zum einen unser Know-how bei Hightech-Werkstoffen wie Kohlenstoff, technischer Keramik und Sintermetall und zum anderen unsere hohe Kompetenz im Maschinenbau bei den Themen Umweltsimulation, Klimatechnik, Ultraschallschweißen und Optikmaschinen", erläuterte der Vorsitzende der Unternehmensleitung. Zwar sei der Automobilmarkt mit rund 40 Prozent des Umsatzes sehr wichtig für Schunk. "Wir sind aber nicht von ihm abhängig, sondern in vielen Märkten tätig, die jeweils eigene Zyklen haben."

Auch in der Krise habe die Schunk Group ihr hohes Investitionsniveau nahezu unverändert beibehalten: 97,1 Millionen Euro wurden 2020 ausgegeben. Zu den großen Projekten gehörte der Neubau von zwei Innovationszentren an den Standorten Heuchelheim und Reiskirchen, die im Herbst dieses Jahres eröffnet werden und zusammen ein Investitionsvolumen von fast 30 Millionen Euro umfassen. Außerdem baute und bezog das Unternehmen im vergangenen Jahr einen neuen Standort in der Nähe von Salzburg. Auch für dieses Jahr sind hohe Investitionen eingeplant. Dazu zählen unter anderem die forcierte Automation in der Produktion sowie grundsätzlich die Standardisierung und Optimierung der Unternehmensprozesse, die im auf mehrere Jahre angelegten Projekt OneERP+ umgesetzt werden.

"Die Pandemie wird uns noch das ganze Jahr 2021 und vermutlich darüber hinaus beschäftigten. Die Unsicherheit in unseren Geschäftsfeldern bleibt hoch. Aber wir wollen und werden uns davon nicht bremsen lassen", sagte Roth. Bislang habe die Schunk Group weltweit Corona-Infektionsketten im Betrieb erfolgreich vermeiden können und den Beschäftigten, wo immer es ging, mobiles Arbeiten ermöglicht. "Im Zuge der Pandemie hat die Digitalisierung einen enormen Schub bekommen", so Roth weiter. "Das gilt nicht nur für unsere internen Prozesse und die Art, wie wir digital zusammenarbeiten, sondern auch und gerade mit Blick auf unsere Kunden." So habe Schunk früh eine digitale Vertriebs- und Marketinginitiative gestartet, mit virtuellen Tech Days für ausgewählte Kunden, Webinaren und dem verstärkten Einsatz von Social-Media-Kanälen. "Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und das wollen wir fortführen."

Ein Viertel mehr Aufträge

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Bereits im ersten Quartal 2021 lasse sich erkennen, dass sich das Unternehmen auf einem sehr guten Weg befinde. "Wir haben aktuell ein Viertel mehr Aufträge als zum gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr." Roth sieht daher eine solide Basis für Wachstum gegeben, ist sich aber auch bewusst, dass es in diesem Jahr Höhen uns Tiefen geben wird. "Lieferengpässe, fehlende Transportkapazitäten und anziehende Rohmaterialpreise spielen dabei eine entscheidende Rolle."

Als Technologieunternehmen setze die Schunk Group weiterhin auf Innovationen und führt daher die Initiative "Success by Innovation" fort. Teil der Initiative ist ein Förderfonds von zehn Millionen Euro zur Förderung von Horizont-3-Innovationen. "Wir wollen neuartige Lösungen entwickeln, bestehende Technologien ersetzen und neue Märkte erschließen", betonte Roth. "Deshalb investieren wir ganz bewusst in Ideen abseits unseres Tagesgeschäfts, damit wir auch in zehn Jahren neue, starke Umsatzbringer im Portfolio haben."

Ein Beispiel für den Innovationsgeist der Entwickler von Schunk und Beleg für ihre hohe Werkstoffkompetenz sei Durafox. Dieser neue keramische Faserverbundwerkstoff verfügt über beeindruckende Eigenschaften und hält extreme Belastungen aus, wo andere Werkstoffe früh an ihre Grenzen kommen. So seien Bauteile aus Durafox beständig gegen Thermoschock und zeigten kein sprödes Verhalten. Daher seien sie beispielsweise sehr gut für Anwendungen als Produktionshilfsmittel oder als Anlagenkomponenten beim Schmelzen von Aluminium geeignet.

Besonders erfeulich sei, dass die Schunk Group trotz der Pandemie seine Mitarbeiter am Gewinn in Form von Prämienauszahlungen beteiligen konnte. Aufgrund der anfänglichen Bedenken wurden diese zwar erst zum Ende der zweiten Jahreshälfte ausgeschüttet, jedoch war man froh, die Mitarbeiter am Gewinn teilhaben lassen zu können. Roth ist zuversichtlich, dass dies auch 2021 möglich sein wird.