Schmuckstück fürs Bellersheimer Dorfjubiläum

Das restaurierte Alte Rathaus in Bellersheim. Foto: Ziechaus

Die Gemeinde Bellersheim wird 2019 ihr 1250-jähriges Jubiläum feiern. Die Markgenossenschaft feiert 600-jähriges Bestehen, das geht aus dem Märkerbuch aus dem Jahr 1419 hervor.

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BELLERSHEIM. Ein Jubiläum im Jubiläum kann die Markgenossenschaft Bellersheim im nächsten Jahr feiern. Die Gemeinde Bellersheim wird 2019 ihr 1250-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest feiern. Sicherlich halb so alt ist die Markgenossenschaft, belegt in einem Fragment ihres Märkerbuches aus dem Jahr 1419. Dies sei die bisher älteste bekannte Erwähnung der gemeinsamen Bewirtschaftung von Feld- und Waldflächen in der Markung von Bellersheim, verweist Markmeisterin Sylvia Ruppel auf zahlreiche, teilweise vollständig erhaltene Markbücher und Rechnungen seit dem 15. Jahrhundert im Archiv von Schloss Braunfels.

In dieser "Gesellschaft alten Rechts" erhielten ortsansässige Personen Anteile an Wald für Verdienste bei der Versorgung der damals herrschenden Fürsten und des Klosters Arnsburg. Die Organisation der Markgenossenschaft mit unveräußerlichem gemeinschaftlichem Eigentum lehne sich an Gewohnheitsrecht der Germanen an, bestätigte der Lauterbacher Historiker Dr. H. Koch bereits 1969 in der Festschrift zum 1200-jährigen Bestehen von Bellersheim. Damit sei sicher, dass die Markgenossenschaft schon seit dem frühen Mittelalter bestehe. Ihre bis heute gültige Verfassung sehe keine realen Eigentumstitel an Boden oder Wald der derzeit 46 Personen, der beiden Kirchen im Ort und in Münzenberg sowie der Stadt Hungen vor. Die Märker verfügen nur über Anteile an gemeinschaftlich zu nutzendem Wald. Über seine Bewirtschaftung entscheiden sie beim "Märkergeding", das seit 1482 jährlich am 22. Februar im alten Rathaus mitten in Bellersheim zusammenkommt.

"Egal, was kommt, am 'Pitterschdoag', dem Petrustag, treffen sich die Märker zur Jahresversammlung" in ihrem Rathaus, betont Sylvia Ruppel, die dabei seit 2001 als Nachfolgerin ihres Vaters Walter Müller den Vorsitz führt. Diskussionen und Entscheidungen seien in den Märkerbüchern protokolliert, erklärte Schriftführer Gerhard Scheld, der am Ende der Versammlung seine Aufzeichnungen den Märkern zur Bestätigung vorlesen muss.

Das 1651 errichtete Alte Rathaus gehöre der Mark und wurde in den vergangenen Jahren mit viel Eigenleistung und von örtlichen Handwerkern saniert. Als schmückender Beitrag zum Dorfjubiläum sollen noch die geschnitzten Eckornamente fachgerecht restauriert und die alten Schmiedeeisen vor den Fenstern im Erdgeschoss angebracht werden. Nach der Restaurierung steht das Kulturdenkmal den Einwohnern wieder zur Verfügung für Feste, Versammlungen oder Ausstellungen von Bildern aus der benachbarten Künstlerschule.

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"Gemeinnutz vor Eigennutz" sei für die Markgenossenschaft seit jeher Grundsatz und Verpflichtung zugleich. So wurden schon früh ein Schulsaal gebaut, das Spritzenhaus und eine Lehrerwohnung; Holz wurde geliefert für den Glockenstuhl der Kirche, für Brücken und Stege sowie Brennholz für die Schule. Heute gibt es geführte Waldrundgänge im Mischwald mit reichhaltigen Wild- und Vogelbeständen, wo Untersuchungen der Uni Gießen kürzlich 15 von 19 heimischen Arten an Fledermäusen nachgewiesen haben. Die fast 200 Hektar umfassende Waldfläche wird in Eigenleistung und gegen Bezahlung in enger Absprache mit dem Revierförster Rainer Alberding vom Forstamt Wettenberg nachhaltig bewirtschaftet.