37-Jähriger wegen Drogenhandel zu 14 Monaten Haft verurteilt

Wegen Drogenhandels verurteilte das Landgericht Gießen einen 37-Jährigen zu 14 Monaten Haft. Archivfoto: Friese

Heuchelheimer wurde wegen seiner Drogengeschäfte zu 14 Monate Haft verurteilt. 37-Jähriger sitzt bereits Haftstrafe wegen Anstiftung zum Raubüberfall ab.

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HEUCHELHEIM/GIESSEN. Als "überschüssig geständig" bezeichnete Staatsanwalt Rouven Spieler den Angeklagten während seines Plädoyers vor der Zweiten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts. Man müsse ehrlicherweise zugestehen, dass "wir hier eigentlich die 450 Gramm behandelt hätten, die in der Wohnung gefunden wurden, wäre der Angeklagte nicht so geständig gewesen uns von etwa 1,6 Kilo Cannabis zu berichten, die er konsumierte, veräußerte und bunkerte." Zudem habe er seine Hintermänner benannt, was sehr selten vorkomme. Auch Richter Jost Holtzmann erkannte bei seinem Urteilsspruch die überwiegend mildernden Umstände an und verurteilte den 37-Jährigen, der zuletzt in Heuchelheim lebte, zu 14 Monaten Haft.

Da der Angeklagte seit Januar 2017 bereits eine Strafe von vier Jahren und zehn Monaten wegen Anstiftung zum Raub im September 2017 im Gefängnis absitzt, ergibt sich eine Gesamtstrafe von sechs Jahren. Die Anschuldigung, der in Bottrop geborene Mann habe Cannabis auch an Minderjährige verkauft, erhärte sich während des zweitägigen Prozesses indes nicht. Spieler dazu: "Die Aussagen der beiden Zeugen und deren Eltern waren so unsicher, dass wir eher davon ausgehen, dass beide bereits 18 waren." Auch Holtzmann stimmte dieser Aussage zu und folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Stark süchtig

Weil der griechische Staatsbürger während seiner etwa dreimonatigen Veräußerung von Cannabis stark süchtig war - er konsumiert nach eigenen Aussagen rund zweieinhalb bis drei Gramm täglich - wird er den Großteil seiner ausstehenden Haft nun in einer Entziehungsanstalt absitzen. "Das Gericht sieht die Gefahr, dass Sie, sollten Sie untherapiert zurück in die Freiheit kommen, direkt wieder mit dem Konsum anfangen werden." Da das Arbeitslosengeld aber nicht lange genügen würde, um seine Sucht zu finanzieren, ist es laut Holtzmann wahrscheinlich, dass er langfristig wieder mit dem Handel anfangen würde. "Wie Sie das nutzen, ist Ihre Entscheidung. Arbeiten Sie an sich und machen sie was draus", gab der Richter dem Verurteilten mit auf den Weg.

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Der 37-Jährige begrüßte die Entscheidung. Er wolle nie wieder etwas mit Drogen zu tun haben, wolle in Zukunft auch besser aufpassen, wen er in sein Leben lasse. Schließlich habe er im August 2016 nur mit dem Verkauf begonnen, weil er ein besseres Leben für sich und seine damalige Verlobte und heutige Ex-Partnerin erhoffte. "Ich bekam keinen Job, wollte mich selbstständig machen und da boten mir meine Nachbarn an, dass ich für sie Cannabis verkaufe." Nach der Haft, das betont er, könne er sich vorstellen, ein neues Leben in Griechenland aufzubauen. Da sei sein Leben auch sicher. Denn derzeit habe er Angst. Der Grund: Seine ehemaligen Auftraggeber würden ihn bedrohen, weil er sie bei der Polizei angeschwärzt habe. Sie sollen es auch gewesen sein, die den Raub damals beauftragt haben. "Ich sitze für etwas im Gefängnis, was ich nicht getan habe. Und nun werde ich für etwas verurteilt, wozu sie mich gebracht haben." Die Familie setzte ihn psychisch so unter Druck, dass er während der Haft nicht nur selbstverletztendes Verhalten gezeigt, sondern auch einen Suizidversuch hinter sich habe. Er wünsche sich deshalb eine Verlegung in eine Anstalt in Nordrhein-Westfalen, weil er da zumindest noch einen Bruder hätte, der ihn besuchen würde. "Mein Mandant hatte in den über zwei Jahren, in denen er bereits in Haft sitzt, zwei Besuche gehabt. Er vereinsamt und das ist nicht förderlich für seine Gesundheit", betonte sein Rechtsanwalt Bernd Weiß.

Drohungen aufgezeichnet

Das Berufungsverfahren wegen des angestifteten Raubes werde in naher Zukunft verhandelt. Beweismaterial, etwa zwei jeweils rund einstündige Tonaufnahmen, die unter anderem beweisen sollen, wie dem 37-Jährigen seitens der Familie gedroht werde, sollen dann gehört werden. Auch die beiden Heranwachsenden, die diesen Raub ausgeführt haben sollen, werden alsbald angeklagt, wie Staatsanwalt Spieler bestätigt.