75. Vogelbörse in Lollar : Interview mit Jürgen Puschmannn

Der Mainzlarer Unternehmer Jürgen Puschmann hat mit anderen Züchtern dafür gesorgt, dass Lollar einmal im Jahr zu Hessens größter Börse für Vogelzüchter wird.

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LOLLAR/ STAUFENBERG. Lollar/StaufenbergJürgen Puschmanns Augen leuchten, wenn er von seiner Leidenschaft erzählt. Liebevoll legt er dabei drei Nestlinge in seine Handfläche. Ganz frisch geschlüpft hat er ihnen eine kuschelige Behausung neben den anderen Volieren angebracht. Dort ist es warm und weich. Der Mainzlarer Unternehmer hat mit anderen Züchtern dafür gesorgt, dass Lollar einmal im Jahr zu Hessens größter Börse für Vogelzüchter wird. Das Stelldichein für Einkäufer, aber auch Bewunderer findet am Sonntag, 2. Februar, von 7 bis 12 Uhr im Lollarer Bürgerhaus statt. Zum 75. Mal laden die Vogelfreunde ein, ein Grund Jürgen Puschmann zu seinem Hobby zu befragen.

Puschmann ist seit über 30 Jahre Vorsitzender der Vogelfreunde Lollar und Umgebung und über 40 Jahre im Verein. Zusammen mit zwei anderen startete er die oberhessischen Vogelbörsen in Lollar. Dem Landesverband Hessen seiner Zuchtfreunde steht der Mainzlarer seit drei Jahren als Vorsitzender vor.

Man kann sagen, Sie haben sich der Vogelzucht verschrieben!?

Als Kind wollte ich schon immer Vögel halten. Es war 1969. Nach meinem Schüleraufenthalt in St. Peter-Ording und kurz nach der Mondlandung, daran kann ich mich noch gut erinnern, habe ich mir meine ersten Vögel gekauft. Zwei Männchen stellte sich heraus. 1970 gab es in Lollar eine Verbandsschau, die ich besuchte. Ein Jahr später bin ich in den Verein "Vogelfreunde Lollar und Umgebung" eingetreten, und bereits 1972 habe ich dann Kanarien ausgestellt.

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Bedarf es dabei besonderer Kenntnisse, und was muss man beachten?

Ehe man sich Vögel anschaffen oder züchten möchte, sollte man sich umfassend in Fachbüchern und heute natürlich im Internet über die Bedürfnisse und Haltungsanforderungen informieren. Man braucht dann Platz in einem gesonderten Raum, der auch zu heizen ist, oder einen Garten, um eine oder mehrere Volieren zu bauen.

Sie züchten selbst Vögel und sind dabei schon mehrfach ausgezeichnet worden?

Mein allererster Preis, den ich bekam, war eine Bronzemedaille vom oberhessischen Kanarienverband für einen Kapuzenzeisigmischling. Das war 1974 in Friedberg. Viele Preise sind inzwischen noch dazugekommen. Heute werden keine Mischlinge in unserem Verein und Landesverband mehr ausgestellt. Durch unsere gewissenhafte Zucht von exotischen und einheimischen Vögeln müssen keine mehr aus der Natur entnommen werden. Es sind alles Nachzuchten.

Wie steht es bei Ihnen im Verein mit Nachwuchs? Viele Vereine haben damit ein Problem.

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Wir haben das Glück, dass wir zwei jüngere Mitglieder im Vorstand haben, die ziehen hoffentlich zusätzlichen "Nachwuchs" an. Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Vogelzuchtvereinen, die damit zu kämpfen haben, Nachwuchs zu bekommen.

Ist Ihnen schon mal ein Vogel ausgebüxt ?

Ja, da erinnere ich mich an einen Montagmorgen nach einer Vogelbörse. Hier rief der Pächter des Bürgerhauses an und sagte: "In meiner Küche fliegt ein Vogel herum, kommen sie doch bitte schnell vorbei." Als ich eintraf, sah ich den kleinen Ausreißer. Es war eine Binsenamadine, die da herumflog. Wir machten das Licht aus und so konnte ich ohne Probleme den Vogel fangen, da dieser dann ruhig sitzen blieb. Wie der kleine Exote in die Küche gekommen ist, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Sie können heute für sich in Anspruch nehmen, ob ihrer zahlreichen Auszeichnungen bei der Vogelzucht, einer der erfolgreichsten Züchter auf Landesebene in Hessen zu sein. Insbesondere in der Sparte Großsittiche und Papageien, das hat sich wohl herumgesprochen?

Ja, die Sendung "Maintower" wird über mich berichten.

Dabei haben sich die Fernsehleute besonders für die Kleinen gerade vor fünf Tagen geschlüpften Vögel interessiert. So etwas sieht man ja auch nicht oft. Die kleinen Pfirsichköpfchen sind noch nackt. Es wird vier bis fünf Wochen dauern, bis sie ihr Gefieder bekommen. Vor einer Woche war auch ein HR 4- Radioreporter da und hatte mit mir ein Interview über die Vogelzucht geführt. Dabei hatte er Bilder von den frischgeschlüpften Vögeln seinen Kollegen vom Fernsehen gesendet. Zwei Stunden später war schon eine Mail da, mit der Bitte, auch vorbeikommen zu dürfen.

Sie haben hier auf Ihrem Anwesen ja auch ideale Bedingungen für die Vogelzucht. Wie groß ist Ihre Anlage?

In einer rund 100 Quadratmeter große Halle leben zurzeit hundert Vögel. Eine Außenanlage gibt es ebenfalls. Im Innern lebt eine bunte Welt mit Wellensittichen, verschiedene Großsittiche, Papageien und Pfirsichköpfchen. Es ist ein lustiges Gezwitscher und dazwischen pfeifen fünf Graupapageien. Papageien pfeifen nicht nur, sie sprechen auch und können meisterhaft Stimmen nachahmen. Dabei erinnere ich mich an "Cäsar", so hatten wir ihn genannt, der 35 Jahre bei uns gelebt hat. Er war ein Meister in Stimmenimitation. Eines Morgens um sechs Uhr rief mich meine Frau - ich dachte, wenigstens sie sei es, aber es war "Cäsar", der ihre Stimme täuschend ähnlich nachgemacht hatte.