Als Kita -Träger gefragt

(red). „Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen hatten im vergangenen Jahr unter der Corona-Pandemie ganz besonders zu leiden“, betonte Aufsichtsratsvorsitzende...

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KREIS GIESSEN. (red). „Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen hatten im vergangenen Jahr unter der Corona-Pandemie ganz besonders zu leiden“, betonte Aufsichtsratsvorsitzende Maren Müller-Erichsen laut einer Pressemitteilung bei der Mitgliederversammlung des Vereins Lebenshilfe Gießen. Besonders zu Beginn der Pandemie seien sie regelmäßig schlicht vergessen worden von Politik und Behörden. Immer wieder mussten Organisationen wie die Lebenshilfe an diese Zielgruppe und ihre Bedürfnisse erinnern.

Dirk Oßwald, seit 2017 hauptamtlicher Vorstand der Lebenshilfe Gießen, stellte seinen Tätigkeitsbericht vor. Die Lebenshilfe sei auch im Corona-Jahr weiter gewachsen. Ende 2020 waren im gesamten Unternehmensverbund – dem Verein und den neun Tochtergesellschaften – 2326 Personen beschäftigt. „Das sind 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr, was deutlich macht, dass unsere Arbeit zwischen Marburg und Bad Nauheim mit dem Schwerpunkt in Stadt und Landkreis Gießen weiter hochgeschätzt und stark nachgefragt wird“, betonte Oßwald. Zu dieser Zahl gehören auch 823 Menschen mit Handicap, die von der Lebenshilfe in Werkstätten und dem Berufsbildungsbereich begleitet werden sowie 52 rein ehrenamtlich tätige Personen.

Vorstand und Aufsichtsrat ließen keinen Zweifel daran, dass der Wachstumskurs gerade in der Hochphase der Pandemie für die Beschäftigten besonders belastend war: „Ohne den hohen Einsatz hätten wir die Krisenzeit nicht bewältigt“, erklärte Müller-Erichsen.

Viele Bauvorhaben wurden realisiert, beispielsweise die Wohnstätten Staufenberg, Watzenborn und Linden energetisch und barrierefrei saniert und mit Aufzügen ausgestattet. Auch in der Limeswerkstatt als ältestem Werkstatt-Standort investierte man in Brandschutz, einen neuen Eingangsbereich und in neue Sanitäranlagen. Die größten Investitionen gingen in den Neubau einer Wohnstätte für Autisten in der Rödgener Straße in Gießen und einer Wohnstätte in Langgöns (Bezug Herbst 2022), berichtete Oßwald, der die Lebenshilfe zusammen mit den Geschäftsführerinnen Ursel Seifert und Linda Hauk führt.

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Das stärkste Wachstum aller Lebenshilfe-Bereiche verzeichneten 2020/21 die Kindertagesstätten. „Seit 2020 haben wir die Anzahl der Kitas in Stadt und Kreis von elf auf 13 erhöht. In unseren Kitas gibt es mittlerweile 45 Gruppen mit über 900 Plätzen und fast 200 pädagogischen Fachkräften“, berichtete Oßwald den Mitgliedern.

Mitten im Pandemie-Jahr eröffnete die Bauernhof-Kita in Buseck mit einem ganz besonderen pädagogischen Konzept. Anfang 2021 folgte das Kinder- und Familienzentrum „Sophie Scholl“ auf dem Gelände des Alten Flughafens in Gießen. Im selben Gebäude befinden sich die zweite inklusive Wohngemeinschaft sowie das hessenweite Pilotprojekt „Begleitete Elternschaft“.

Neben Berichten gab es auch Einblicke in neue Projekte. So hielten Stefan Lind und Petra Wagner von der Familienberatungsstelle der Lebenshilfe einen Vortrag über das Projekt „Behandlung im Voraus planen“. Ziel des Angebots ist es, frühzeitig über Leben, Tod und Sterben nachzudenken und gemeinsam mit den Klienten zu überlegen, wie sie im medizinischen Notfall behandelt werden möchten.

Darüber hinaus spiele die inklusive gesundheitliche Vorsorge für Personal und Werkstatt-Mitarbeiter eine große Rolle: „Für die Gesundheit unserer Beschäftigten ist es eminent wichtig, dass wir ihre physische und psychische Situation im Blick haben und laufend verbessern. Deswegen haben wir das inklusive Gesundheitsmanagement geschaffen“, erläuterte Oßwald.

In den kommenden Jahren will sich die Lebenshilfe verstärkt um die Mitgliederbetreuung kümmern. So soll der Service für die aktuell rund 600 Mitglieder ausgebaut und verbessert werden.