Am Anfang war die Frau

Eine stimmgewaltige Mischung: das Quartett "Belle Melange" - hier zu drei Vierteln - in Lich.  Foto: Schultz

Musik, Comedy und Kabarett: das Quartett "Belle Melange" bei den 18. Licher Kulturtagen in der Privatbrauerei Lich.

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. LICH. Einen köstlichen Abend bereitete das Quartett "Belle Melange" den Zuschauern im Dachgarten der Licher Privatbrauerei am Dienstagabend. Ihr Programm "Cherchez la femme", eine witzige Mischung aus Show, erstklassiger Musik, Kabarett und Comedy einschließlich authentischer hessischer Mundartakzente zündete zuverlässig und versetzte die Besucher mehr als einmal in große Heiterkeit.

Seit ihrem Auftritt im Pianohaus Wetzlar vor zwei Jahren sind die vier Powerfrauen in der Region keine Unbekannten mehr. Sängerin Theresa Heinze, ausgebildete Musicaldarstellerin und ausgewiesenes Multitalent, leitet zudem in der Region drei Chöre, unter anderem den Gesangverein 1862 in Kirch-Göns. Begleitet wird sie von Vitalina Pucci (Klavier), Polina Blüthgen (Flöte) und Nadja Schneider (Cello). Das eher kleine Publikum im ausverkauften Dachgarten der Brauerei wickelten sie mit zum Teil raffinierten Mitteln um den Finger.

Dazu trägt zunächst Heinzes enorme Präsenz bei. Die beweist sie sogleich, wenn sie mit augenzwinkernder Feierlichkeit deklamiert, wie Gott den ersten Menschen schuf, "vor langer, langer Zeit, hier in Lich, und nannte es Frau und sah, dass es gut war". Der Mann sei später nur "okay" geraten. Man werde heute Abend "staunen, was man alles über Männer wissen muss". Heinze singt mit viel Gefühl und in exzellenter Qualität. Dann trägt sie Georg Kreislers "Herrliches Weib" vor und lässt ihrer komödiantischen Begabung vollen Lauf, in Dialekt. Das Publikum kichert fröhlich.

Ein weiterer Aspekt der Show sind die eingestreuten situationskomischen Elemente. Ein Glanzlicht ist Heinzes Version des Gloria-Gaynor-Hits "I will survive" (Heinze: "Isch geh da dorsch"). Der Clou ist ihre hessische Fassung ("Das Spanisch Mitteldeutschlands"), bei der sie eisernen Durchhaltewillen demonstriert ("So lang des Herzsche mir noch bubbert"). In eingefügten Instrumentalpassagen sind dann die Fähigkeiten der Kolleginnen zu bestaunen, die mit großer Lust und jeder Menge Witz musizieren. Das kann schon mal ins Alberne rutschen, ebenso leicht aber auch ins berührend Emotionale.

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Daneben gibt es noch Rap und eine Ode an die Liebe auf die Melodie von Bizets Oper "Carmen": ein Haupttreffer mit authentischem Operntremolo. Auch im Dialog treffen die vier Frauen ins Schwarze, wenn sie etwa den grassierenden Veganismus-Wahn genüsslich durch den Kakao ziehen - köstlich. Noch ein Glanzlicht ist der Titel "Black Coffee", von Ella Fitzgerald zum Hit gemacht. Hier erklingt er teilweise mit einer sämigen Übermaniriertheit, mit der Bassquerflöte zudem interessant instrumentiert.

"Belle Melange" sind sich auch für fröhlichen Klamauk nicht zu schade ("Unterm Dutzend Wodka geb ich keine Ruhe") und schieben mit dem ewigen Nervtöter "Kalinka" das gesamte Publikum versiert an, alles klatscht. Gute Laune ist eben auch Handarbeit. Originell umgetextet hat Heinze den Hit "Männer" von Herbert Grönemeyer zu - na, klar - "Frauen". Das "Hessische Fazit" rundet den Abend schließlich stimmig ab.

Dieser Auftritt zeigt: "Belle Melange sind immer für einen witzigen, musikalisch hochwertigen Abend gut. Leider wird Cellistin Schneider Mitte des Jahres aus dem Quartett ausscheiden. "Aber wir machen weiter", versichert Heinze am Ende. Rauschender Beifall.

Am 28. Juni gibt es im Kino Traumstern ein Zusatzkonzert, in dem die Gruppe letztmalig in dieser Besetzung auftritt.