Auftakt der Licher "SommerMusikWelten"

Von null auf hundert: Sängerin Yvonne Mwale im Traumstern.  Foto: Schultz

Yvonne Mwale aus Sambia eröffnet die vierteilige Weltmusikreihe mit einem mitreißenden Stil-Cocktail im Traumstern.

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. LICH. Von null auf hundert in Nullkommanichts schoss das Tempo am Mittwoch im ausverkauften Kino Traumstern bei der Eröffnung der vierteiligen Reihe "SommerMusikWelten". Die sambische Musikerin Yvonne Mwale und ihre exzellente Band servierten einen Cocktail aus unterschiedlichsten Stilen und Klängen. Sie ließen Pop, Jazz, Funk und Ethno zu einem explosiven Gemisch zusammenströmen, bei dem man vor Vergnügen einfach alles rundherum vergaß: großartig.

Peter Damm für den Veranstalter "KünstLich" begrüßte traditionell die Besucher zum ersten Konzert der "SommerMusikWelten" 2020. "Ich freue mich sehr, dass Sie alle sich getraut haben, hierher zu kommen. Es ist das erste Konzert in einem geschlossenen Raum seit einem halben Jahr, das wir uns wieder anzubieten trauen", berichtete er. Es ist die 14. Auflage des kleinen Weltmusikfestivals, "doch vor wenigen Wochen haben wir noch nicht gewusst, ob wir es überhaupt durchführen können. Dass es geglückt ist, verdanken wir in allererster Linie der großzügigen Förderung durch den Mittelhessischen Kultursommer", bedankte sich Damm.

Die in Deutschland lebende Mwale stellte an diesem Abend ihr aktuelles Album "Free Soul" vor, spielte aber auch Titel von ihren anderen vier CDs. Vor allem hatte sie ihre Band dabei: Nico Hering (Keyboard), Tilmann Höhn (Gitarre), Andreas Neubauer (Schlagzeug) und Matthias Deisenroth (Bass). Das Quartett sorgte vom ersten Moment an für eine exzellente musikalische Grundlage, federnd im Rhythmus und druckvoll im Groove. Die Musiker vibrierten förmlich vor Spielfreude und Energie.

Tanzbare Synthese

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Mwales Anliegen ist "Kommunikation mit Menschen, von Seele zu Seele", und daran lässt sie von Beginn an keinen Zweifel. Schon der Opener "Wela Soti" zieht mit rockigem Jazz die Zuhörer mit, schön funky, das geht direkt ins Blut. Im zweiten Titel "Akumba" arbeitet sich die Band in einen komplexen Rhythmus ein, solche umfangreicheren Dramaturgien sind auch später noch zu hören. Schon jetzt zeigt sich ein wesentliches Element dieser Musik: die Integration verschiedenster Stile. Mwale wechselt zwischen afrikanischen Elementen, Soulphrasen und einfach schönem Gesang mühelos hin und her; als zusätzliche Würze fügt sie ein paar afrikanische Triller ein, die ungetrübte gute Laune signalisieren. Auf diese Weise ist die Musik für europäische Ohren mühelos verständlich, denn das Resultat ist eine immer tanzbare Synthese. Mwale selbst verkörpert das einleuchtend. Wie eine wildgewordene Rakete zischt sie hin und her über die Bühne, nutzt den Raum und verbindet in ihrer Choreografie unterschiedlichste Gesten und Stile, darunter auch zahlreiche afrikanische Tanzelemente, die einen authentisch exotischen Charme verströmen. Sie selbst verbindet Gesang und Körperaktion zu einem verblüffend glaubwürdigen Geschehen. Dabei bleibt sie in ständigem Kontakt mit ihren Musikern.

Yvonne Mwale, auch sie kommt aus einer Zwangspause, musste diverse Konzerte absagen, und zeigt in Lich unverhüllt ihre Freude am Musikmachen. Ihre Band ist dabei zu jeder Variante und nicht zuletzt zu jedem Tempo bereit. Besondere Abwechslung bietet Schlagzeuger Neubauer, der mit wenigen Zutaten auch ethnische Elemente einfließen lässt und durch Musikalität und Einfallsreichtum glänzt.

Abwechslung bieten aber auch die Kompositionen, die häufig überraschende stilistische Wechselwirkungen enthalten. Mwale redet oft mit dem Publikum, erklärt kurz, ihr Deutsch ist nicht so fließend, worum es geht. In einer gefühlvollen Ballade "um Oma und Opa", nimmt sie das Tempo heraus und lässt die Musik zum Abschluss schön verwehen. Die Windchimes tönen leise, fast andächtig.

Einen anderen Titel kündigt sie einfach als "Dance Song" an. Immer wieder ergeben sich Augenblicke, in denen sich Mwale einfach der Energie des Tanzes überlässt, richtige kleine Derwischmomente sind darunter. Im Gesang beweist sie eine Variabilität, die gelegentlich an Nina Hagen erinnert, Mwale ist eine wahre Weltmusikerin.

Obwohl an diesem Abend nicht getanzt werden darf, finden die Besucher mannigfaltige Wege, die von der Bühne aufgenommene Energie herauszulassen. Nach einer Weile sitzt kaum noch jemand still im Sessel, die Menschen bewegen sich, die Füße zucken - man muss einfach mit, und der Schlussbeifall fällt kraftvoll und ausdauernd aus. Yvonne Mwale und die Band sind am Ende ebenfalls bester Stimmung und bewilligen zwei Zugaben, schließlich unterhält sie sich am Ausgang noch ein bisschen mit den Besuchern - ein sehr schöner Abend.

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Die Reihe "SommerMusikWelten" wird heute Abend um 19.30 Uhr mit der Sängerin Kadri Voorand aus Estland im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge fortgesetzt. Der Eintritt kostet 16 (14) Euro.