Ein zauberhaftes Wintermärchen - Krippenweg in Ober-Bessingen...

Über 100 Krippen gibt es in dem kleinen Wäldchen nahe Ober-Bessingen zu entdecken.

Kleine Engel schaukeln in den Bäumen, überall blinken Weihnachtssterne und aus dem Unterholz luken geschnitzte Figuren hervor. Wohin das Auge schaut - für die Besucher des...

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OBER-BESSINGEN. Wer dem Weihnachtsstress entfliehen möchte und einfach mal für ein, zwei Stunden Ruhe und Besinnlichkeit sucht, der sollte sich auf den Weg nach Ober-Bessingen machen. Dort erwartet den Besucher ein zauberhaftes Wintermärchen. Kleine Engel schaukeln in den Bäumen, überall blinken Weihnachtssterne und aus dem Unterholz luken geschnitzte Figuren hervor. Wohin das Auge schaut - für die Besucher des Krippenweges in Ober-Bessingen gibt es in dem nahe gelegenen Wäldchen viel zu entdecken. Innehalten, wirken lassen und die weihnachtliche Stimmung genießen.

Etwa 800 Meter lang ist der Weg. Er beginnt an der alten Eiche mitten im Ortskern des 600-Seelen-Dorfes. Alle paar Meter steht eine selbst gebastelte Krippe, über 100 insgesamt. Jede besticht durch ihre Liebe zum Detail, sieht anders aus - traditionell, modern, eine sogar im Playmobil-Design. Die älteste thront ziemlich am Anfang des Weges auf einem alten Holzschlitten. Eine Familie aus Lich spendete sie, erzählt Ottmar Römer.

Er ist Mitglied der "Eichbaumgruppe", einem Zusammenschluss von über 20 Einwohnern, deren Ziel es ist, das Miteinander im Dorf zu stärken. Am Beispiel des Krippenweges zeigt sich, das dies gelingt. Denn um ihn zum Leben zu erwecken, braucht es viele fleißige Hände. Zusammen mit Gerhard Schäfer ist Römer fast das ganze Jahr auf der Suche nach geeigneten Material und Figuren. Fündig werden sie meist im Wald oder auch auf Flohmärkten.

Mitte Oktober beginnt die Hauptarbeit. Dann wird alles in dem kleinen Wäldchen aufgebaut, die Beleuchtung angebracht und der Weg gereinigt. Jeder packt mit an, damit pünktlich zum ersten Advent wieder Tausende Besucher das Licher Weihnachtswunder bestaunen können. Seit acht Jahren erfreut sich der Krippenweg wachsender Beliebtheit bei Jung und Alt.

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Die Idee dazu entstand eher zufällig auf einem Fest für die Kinder. Jedes Jahr zum ersten Advent dürfen sich die Kinder auf den Besuch des Nikolaus freuen. Für die Kleinen ist das immer ein großes Event, nicht nur wegen des Geschenks, das sie bekommen. Irgendwann kam die Idee, das Ganze etwas auszudehnen. Der Krippenweg ward geboren.

Besonderer Höhepunkt für die Kinder ist eine fast lebensgroße Krippe mit ausgestopften Tieren. Eine Waldkapelle lädt zum Verweilen ein. Probleme mit mutwilliger Zerstörung oder gar Diebstahl - schließlich steht alles über Wochen draußen - habe es bisher aber noch nie gegeben, erzählt Ottmar Römer. Witterungsbedingt gebe es halt immer ein paar kleine Blessuren, aber die sind meist schnell repariert. Ab Mitte Januar kommen die Krippen in einen Schuppen, wo sie bis zum nächsten Weihnachtsfest in aller Stille "übersommern".

Der Ursprung der Weihnachtskrippe geht ins 13. Jahrhundert zurück. Der Heilige Franz von Assisi hatte die Idee, in der Vorweihnachtszeit ein neues Bethlehem zu errichten. So stellte er am 24. Dezember 1223 in Greccio anstelle einer Predigt das Weihnachtsgeschehen mit Menschen und lebenden Tieren nach. Damit wollte er den Gläubigen das Evangelium näher bringen. Die ganze Geschichte gibt es dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Krippenweg zu lesen. Aufgeschrieben hat sie eine Familie aus Stadtallendorf, und dazu auch gleich noch eine selbst gebastelte Krippe mitgeliefert. Seit dem 19. Jahrhundert zählen die Krippen zum festen Bestandteil häuslicher Weihnachtsfeiern.

Der Krippenweg in Ober-Bessingen ist täglich bis zum 12. Januar von morgens bis abends geöffnet. Der Weg ist gut begehbar und für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer geeignet. An den Wochenenden trifft man sich zudem an einer kleinen Hütte an der alten Eiche zu heißem Glühwein und nettem Plausch. Eintritt verlangen die Ober-Bessinger nicht, aber eine kleine Spende ist gern gesehen. Der Erlös kommt einer sozialen Einrichtung zugute. So wurden unter anderem beispielsweise der Kinderhospizdienst Gießen mit 5500 Euro oder der Verein "Palliativ Pro" sowie die Palliativstation der Asklepios-Klinik in Lich mit 3000 Euro unterstützt.

Fotos: Jachmann

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Von Ines Jachmann