Girls Parade im Rahmen der 23. Mädchenaktionstage

Was Jungs können, können Mädchen genau so gut - da waren sich die rund 70 Teilnehmerinnen der "Girls Parade" im Rahmen der Mädchenaktionstage einig.  Foto: Meina

"Verschafft euch Gehör!" riet Barbara Kröger, Lichs Erste Stadträtin, den rund 70 Teilnehmerinnen, die im Rahmen der Mädchenaktionstage für mehr Gleichheit demonstrierten....

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. Kreis Gießen (jem). Ihre Forderungen waren am Donnerstagnachmittag kaum zu überhören: Mit Lautsprechern, Rasseln, Klappern und ausgestattet mit jeder Menge Protestplakaten setzten sich die rund 70 Mädchen zwischen 11 und 19 Jahren bei ihrer "Girls Parade" für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Der Demonstrationszug war der abschließende Höhepunkt der zweitägigen Mädchenaktionstage 2020, die von verschiedenen Kooperationspartnern, wie dem Landkreis und der Awo, gestaltet wurde - Corona-bedingt kürzer als in den Jahren zuvor und mit einem besonderen Hygienekonzept.

"Ich will später nicht schlechter bezahlt werden, nur weil ich eine Frau bin", erklärte die 13-jährige Lilly aus Großen-Linden ihre Teilnahme. Dass Jungs nicht dabei sein dürfen, fand sie gut. "Im Unterricht sind einige Jungs immer sehr laut und dominant, obwohl es meist die Mädchen sind, die sich melden und die richtigen Antworten haben. Hier haben nur wir das Sagen." Auch Nicole Roth, Sprecherin des Facharbeitskreises Mädchenarbeit im Landkreis Gießen, nannte das als einen der Gründe, warum die diesjährige 23. Auflage genau so wichtig ist wie die ersten Mädchenaktionstage. "Wir wollen das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen stärken, aber auch ihr Interesse an Dingen schaffen, die vielleicht als unweiblich gelten, wie Technik oder Naturwissenschaften." Sie sollen sich selbst mehr zutrauen.

Gemeinsam stark

Denn obwohl Mädchen mittlerweile häufiger Abitur machen, seltener ohne Schulabschluss bleiben und auch an der Universität die Überzahl bilden, wählen Frauen immer noch häufiger die Berufe, die nicht gut bezahlt werden. Wichtig sei es deswegen, sie mehr für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern. Dass bei den Workshops innerhalb der zwei Tage aber neben Werken und Skaten auch "typisch" weibliche Kurse angeboten wurden, wie Yoga oder Textilien neu gestalten, erklärte Roth so: "Wir wollen zeigen, dass es absolut ok ist, die typischen Mädchensachen zu machen, aber es ist genauso ok, die untypischen Mädchendinge auszuprobieren." Und eben das, ohne sich zurücknehmen zu müssen, wie es in der Schule vielleicht manchmal der Fall ist - vor Angst, ausgelacht zu werden.

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Neben der Bedeutung des Tages und den Spaß an den Workshops waren sich aber auch alle Mädchen einig: Gerade der Zusammenhalt untereinander ist wichtig, wie etwa die elfjährige Emily aus Laubach erklärte. "Wir haben gelernt, dass es gemeinsam einfacher geht, dass keine anders ist, egal wie sie sich benimmt oder aussieht."

Das fanden auch Neli (13) aus Buseck und Theresa (14) aus Laubach, die sich im vergangenen Jahr bei den Mädchenaktionstagen kennengelernt haben und seither Freundinnen sind. "Wir wollten auf jeden Fall wieder mit machen, weil wir die Sache einfach unterstützen und auf unser Anliegen aufmerksam machen wollen. Außerdem lernt man hier eine Menge neuer und toller Mädchen kennen."

Und obwohl die Aktionstage ganz den Mädchen gehören, durfte zumindest ein Mann kurz sprechen: Der Licher Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD), der die Mädchen vor dem Rathaus empfang und ihre Botschaft mitnehmen wolle. Zwar seien Frauen in der Politik noch deutlich unterpräsentiert, doch man sei auf einem guten Weg, sagte er und verwies auf das Licher Parlament, in dem etwa 36 Prozent der Mitglieder weiblich sind - wohlwissend, dass da auch noch deutlich mehr gehe. Zudem habe man mit Barbara Kröger (CDU) immerhin eine Frau als Erste Stadträtin, die damit die Geschicke in Lich mitbestimme. Und die hatte vor allem einen Tipp an die Mädchen: "Verschafft euch Gehör!"