Jetzt bleiben auch die Kinoleinwände schwarz

Die Kinositze bleiben ab heute leer.  Foto: dpa

Hoffen auf staatliche Hilfe und ein treues Publikum: Edgar Langer, Geschäftsführer des Licher Traumstern, über die Folgen des Corona-Virus.

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. lich. "Parasite", "Intrige" und "Die perfekte Kandidatin": Das sind die letzten drei Spielfilme, die das Licher Traumstern gestern im Programm hatte. Heute jedoch bleibt die Leinwand des renommierten Programmkinos schwarz - denn die Lichtspielhäuser im ganzen Land sind ebenso wie Theater, Museen und andere kulturelle Veranstaltungsorte ab sofort auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Edgar Langer, der das Traumstern zusammen mit Hans Gsänger leitet, zeigt sich gegenüber dem Anzeiger nicht überrascht, dass die Schließung von den Behörden angeordnet wurde. Er ist sogar froh, dass nun eine einheitliche Regelung gelte, die alle Unsicherheiten beseitigt. Denn einerseits sei angesichts der Ängste vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zuletzt kaum mehr zahlende Kundschaft in die Gießener Straße gekommen. "Einstellige Zahlen" verzeichnete Langer am Montag. Andererseits könne der heutige Mittwoch nun als Stichtag herangezogen werden, wenn es denn künftig um die Auszahlung staatlicher Hilfen gehe. "Wenn es so wie bisher weiter gelaufen wäre, würde die Hilfe vielleicht erst ab einem späteren Termin ausgezahlt", sagt er. Auch wenn sich längst kein Mensch mehr einen Kinofilm ansehen würde. Und das könne ein kleines Haus wie das Licher Kino in arge Bedrängnis bringen.

Noch weiß der Traumstern-Betreiber aber nicht, welche Möglichkeiten staatlicher Unterstützung es gibt, wer dafür zuständig ist oder wann damit zu rechnen ist. "Wir sammeln gerade alle möglichen Informationen, etwa über die Verbände, die in engem Kontakt mit den Filmverleihern stehen", erzählt er. "Jetzt müssen wir erst einmal abwarten". Mit Ergebnissen sei für das Kino vorläufig nicht zu rechnen.

Klar ist allerdings jetzt schon: Bundesstarts der für die kommenden Wochen angekündigten Filme wurden verschoben, die Programmplanung für den April ist dem Traumstern derzeit unmöglich. Auch über einen eventuellen Wiedereröffnungstermin kann Langer nur vage spekulieren. Während etwa das Gießener Stadttheater seine (vorläufige geplante) Wiedereröffnung für den 19. April angekündigt hat, gibt es für die Kinobetreiber keinen entsprechenden Stichtag. Wichtig ist für ihn nun zunächst einmal, dass "die sechs, sieben geringfügig Beschäftigten nicht in Not geraten". Gibt es für sie bald Kurzarbeitergeld oder Ausgleichszahlungen? Langer weiß es nicht. Doch eins betont er nachdrücklich: "Ohne Hilfe wird es nicht gehen." Andernfalls drohe der Konkurs.

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Immerhin: Mit einem Pfund kann das Traumstern punkten - seinem treuen Publikum. "Da habe ich überhaupt keine Bedenken", sagt der Kinobetreiber voller Überzeugung. In Gesprächen mit den Gästen, in E-Mails und von Werbekunden sei ihm gleichermaßen versichert worden, dass man das Haus auf jeden Fall weiter unterstützen werde. "Wir brauchen jetzt erstmal alle ein paar Tage", sagt Edgar Langer. "Und dann schauen wir, ob die Fallzahlen der Viruserkrankungen zurückgehen, oder ob das alles noch verrückter wird."

Von Björn Gauges