Kreishandwerksmeister Becker: "2G oder 3G" nicht bei Betrieben...

Walter Kwartnik (l.) ist nun Ehrenkreishandwerksmeister. Sein Nachfolger im Amt des Kreishandwerksmeisters, Kay-Achim Becker, übergab die Urkunde.  Foto: Ewert

Die Folgen der Corona-Pandemie waren Thema bei der Obermeisterversammlung in Großen-Buseck. Walter Kwartnik wurde zum Ehrenkreishandwerksmeister ernannt.

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KREIS GIESSEN. Walter Kwartnik ist bei der Obermeisterversammlung einstimmig der Ehrentitel eines Ehrenkreirshandwerksmeisters verliehen worden. Sein Nachfolger Kay-Achim Becker wies auf die großen Verdienste hin, die sich der inzwischen 70 Jahre alte Bäcker- und Konditormeister um das Handwerk auf den Ebenen Innung, Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer durch ein nimmermüdes Engagement erworben habe. Für diesen ehrenamtlichen Einsatz, der in den 80er Jahren begann, wurde Kwartnik vor drei Monaten mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Unter anderem war er 20 Jahre lang Obermeister der Bäckerinnung Gießen sowie parallel sechs Jahre lang stellvertretender sowie dann ab 2006 Kreishandwerksmeister Gießen. Er gehörte der Vollversammlung, dem Vorstand und dem Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer Wiesbaden, dem Vorstand des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerks Hessen und der Tarifkommission des Verbandes an. Kwartnik dankte für die Ehrung und seinen vielen Mitstreitern auf diesem langen Weg, ohne die er seine Arbeit nicht in dieser Weise hätte leisten können.

Im Kulturzentrum Großen-Buseck kamen die Obermeister oder deren Stellvertreter der 21 in der Kreishandwerkerschaft (KH) Gießen zusammengeschlossenen Handwerksinnungen zusammen. Drei Berichte müsste er eigentlich abgeben, stellte Kreishandwerksmeister Becker fest, denn Corona habe sich unterschiedlich auf die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks ausgewirkt. Während in den Bau- und Ausbaugewerken volle Auftragsbücher die Regel seien und der Nahrungsmittelbereich sich auf das Vorkrisen-Niveau hochgearbeitet habe, bereite der Dienstleistungsbereich - besonders beispielsweise das Friseurhandwerk - nach wie vor Sorgen.

Laut Becker sind die Risiken, die infolge der Pandemie entstanden sind, "nun doch auch stark im Handwerk angekommen". Das dokumentiere nicht zuletzt der Rückgang des Gesamtumsatzes um acht Prozent. Inzwischen gebe es ansteigende Zahlen, wenn auch "auf niedrigem Niveau".

Dennoch steige bei den Unternehmen und damit auch im Handwerk die Unsicherheit, wie mit den Vorgaben der Politik zur Eindämmung der Pandemie umgegangen werden soll. Klare Regeln und Leitplanken sind laut Becker unerlässlich, sodass die Umsetzung der Anforderungen in Sachen "2G oder 3G" nicht auf die Betriebe "abgeladen" werde. Die Unternehmen stünden vor erheblichen Problemen. Geimpft oder nicht geimpft? 2G oder 3G? Es entstehe der Eindruck, als ob ohne klare Regeln die Politik der Wirtschaft eine "Impfpflicht durch die Hintertür" auferlege. Das aber könnten die Unternehmen nicht leisten.

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Zumal sich das Handwerk mit dem herrschenden Mangel an Fachkräften und an beruflichem Nachwuchs seinem größten, wichtigsten und drängendsten Problem gegenübersehe. Dieses Feld müsse intensiv und mit neuen Ideen beackert werden. Zumal im Handwerk ausgebildete Fachkräfte nicht nur von der Industrie, sondern auch von Kommunen oder anderen Verwaltungen abgeworben würden. Becker kündigte an, dass die KH diese Problematik in der Bürgermeisterdienstversammlung ansprechen werde. Vorab richtete der Kreishandwerksmeister den Appell an die Kommunen, ihrerseits auszubilden, um damit die Abwerbung überflüssig zu machen.

"Wir haben alle Hände voll zu tun, allein: Es fehlen uns die Hände", begründete Becker fast schon lyrisch die Notwendigkeit, speziell auch nach den Rückschritten infolge der Corona-Krise nun verstärkt die Berufsorientierung und Berufsbild-Entwicklung an den Schulen zu forcieren. Dafür soll es ein noch aufzubauendes Netzwerk geben, an dem auch die Arbeitsagentur und das Schulamt beteiligt sind. Als "absolutes Zukunftsprojekt" bezeichnete es Kay-Achim Becker, das Image des Handwerks zum Positiven hin zu verändern. "Das ist allerdings kein Sprint, sondern ein Langlauf", weiß Becker.