Kropbach soll umgeleitet werden

Der Kropbach wird für ein Regenrückhaltebecken verlegt. Dabei soll das Gewässer renaturiert werden, das heißt, die Begradigung aus den 1960er Jahren verschwindet und das natürliche Bett wird wiederhergestellt. Foto: Jahn

Die Firma Schunk baut derzeit in Heuchelheim zwei weitere Betreibshallen. Zusätzlich wollen sie ein Regenrückhaltebecken bauen, wie sie im Parlament erklärten.

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HEUCHELHEIM. Regenrückhaltebecken scheinen voll im Trend zu liegen. Nicht nur die Gemeinde Wettenberg versucht derzeit, Flächen zu erwerben, um solche in Krofdorf-Gleiberg und Wißmar zu installieren, auch in Heuchelheim ist eine entsprechende Maßnahme aktuell angedacht. Kein Wunder, zeigte doch das Starkregenereignis Ende Mai des vergangenen Jahres, wie wichtig der Hochwasserschutz ist.

Doch in Heuchelheim ist es nicht die Gemeinde, sondern die Firma Schunk, die einen solchen Bau auf ihrem Gelände errichten will, um Überschwemmungen abzuwenden. Die Planungen sind auch bereits um einiges fortgeschrittener als in der Nachbarkommune. "Seit 100 Jahren ist Schunk in Heuchelheim und wir wachsen und wachsen. Derzeit bauen wir zwei neue Hallen auf unserem Gelände. Gleich dahinter befindet sich der Kropbach. Nun wollen wir dort ein Regenrückhaltebecken bauen und den Bach verlegen", erklärte Martin Hed-rich, Projektmanager bei Schunk, am Dienstagabend bei der Gemeindevertretersitzung.

Das Becken solle verhindern, dass bei Starkregen die Wassermassen auf einmal in das Kanalnetz beziehungsweise in den nahegelegenen Bach fließen. Es ist, so Hedrich, "ein Puffer", der nach und nach das Wasser ablassen soll.

Umzäunung

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Rund 915 000 Liter Wasser könne mit dem Regenrückhaltebecken eingestaut werden. Der Damm soll etwa einen Meter hoch werden. Ob es eine Umzäunung geben wird, wisse man indes noch nicht. "Einerseits wollen wir die Gegend dort sehr naturbelassen haben. Andererseits sehen wir durchaus die Gefahr, dass, wenn das Wasser dort gesammelt wird, auch Kinder und Jugendliche zu dem Becken kommen und es als Naturbad verwenden. Deswegen werden wir wohl um den Bau eines Zaunes nicht herumkommen", schildert der Projektmanager weiter.

Für den Bau des Beckens werde man mit dem Wettenberger Ingenieurbüro Zick-Hessler zusammenarbeiten. Sie werden auch verantwortlich für die Umlegung des Kropbaches sein, wie Helge Hessler den Parlamentariern erklärte. "Wir wollen nicht nur ein naturnahes Becken, sondern auch die Renaturierung des Baches erreichen. Der Bachlauf soll zukünftig nicht mehr den begradigten Verlauf aus den 1960er Jahren haben, sondern es soll eine Schleife um das Becken führen." Für Fußgänger solle es zudem weiterhin möglich sein, ihren Weg in die Natur zu finden, in dem ein Trampelpfad am Bach entlang angelegt werden soll.

Gegen das Vorhaben an sich hatte niemand etwas aus der Gemeindevertretung, dass man aber "so vor vollendete Tatsachen gestellt wird", irritierte dann doch vor allem die Vertreter der SPD und Grünen.

Denn die Heuchelheimer Politiker hatten nur noch zu bestimmen, ob zwei Flächen getauscht werden, damit das Regenrückhaltebecken auf Schunks Eigentum gebaut wird und der Bach auf einer gemeindeeigenen Fläche verläuft. Heißt: Schunk gibt über 4000 Quadratmeter an die Gemeinde ab und bekommt selbst rund 1120 Quadratmeter. Mit dem Baubeginn der Hallen wären aber "Fakten geschaffen", denen man jetzt schlicht zustimmen muss, äußerte etwa Volker Kübler (Grüne) seinen Unmut. Er habe nichts gegen das Projekt, hätte sich aber eine andere Reihenfolge gewünscht. Bürgermeister Lars Burkhard Steinz erklärte das Vorgehen mit dem Zeitplan: "Schunk musste über Jahre die Fläche mühsam ankaufen, hätten sie auch noch mit dem Bau der Hallen warten müssen, hätte sie das um Jahre nach hinten geworfen." Schunk mache bereits mehr, als sie eigentlich müssten, betonte Steinz. Dem Flächentausch wurde im Parlament einstimmig zugestimmt.