Licher Radler dürfen bei Rot abbiegen

In Lich können Radfahrer dank des neuen Schildes auch bei roter Ampel abbiegen.  Foto: ADFC

In Lich dürfen Fahrradfahrer dank eines neuen Schildes auch bei roter Ampel abbiegen. Die Stadt ist damit Vorreiterin im Gießener Land.

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LICH. Wer per Fahrrad aus der Kolnhäuser Straße in die Licher Altstadt abbiegen möchte, muss an der roten Ampel nicht mehr auf Grün warten. Durch ein neues Schild wird das Rechtsabbiegen bei Rot für den Radverkehr erlaubt. Darauf hat der Kreisverband im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in einer Pressemitteilung hingewiesen.

Die Straßenverkehrsbehörde setze damit eine Neuerung um, die im April in die Straßenverkehrsordnung (StVO) aufgenommen wurde. Seitdem könne das ursprünglich aus der DDR übernommene Grünpfeil-Schild allein für den Radverkehr beschildert werden. Die Neuerung sei eine von vielen Maßnahmen von Bund und Ländern, um das Radfahren in Deutschland zu fördern und die Klimaschutzziele auch im Verkehr zu erreichen.

Seit Jahren gebe es das Rechtsabbiegen bei roter Ampel für Radfahrende in Frankreich, der Schweiz und einigen Bundesstaaten der USA. Dort habe es sich bewährt, denn im Gegensatz zum Grünpfeil-Schild für Autofahrer gebe es beim Grünpfeil nur für Radfahrer keine besonderen Gefährdungen und Behinderungen für Fußgänger.

Völlig freie Fahrt bedeute das Schild allerdings nicht: Die StVO schreibe vor, dass vor dem Abbiegen gestoppt werden und dass allen anderen Verkehrsteilnehmern - also insbesondere Autofahrern und querenden Fußgängern - Vorfahrt gewährt werden müsse. "Man muss sich also ein Stopp-Schild und einen Zebrastreifen an der Stelle vorstellen, damit man sich beim Abbiegen richtig verhält", so Jan Fleischhauer vom Kreisvorstand des ADFC.

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Die neue Regelung sei auf eine Anregung aus der Licher Bürgerschaft eingeführt worden und habe bei der jüngsten Verkehrsschau auf ungeteilte Zustimmung bei den Straßenverkehrsbehörden von Stadt und Landkreis sowie bei Hessen Mobil, Polizei, ADFC und ADAC gestoßen. Der ADFC hätte sich gewünscht, dass in Deutschland wie in anderen Ländern keine Pflicht zum Stoppen mit dem Schild verbunden ist. Damit habe man sich beim Bundesverkehrsministerium aber bisher nicht durchsetzen können, sodass derzeit ein Bußgeld von 35 Euro droht, wenn die Räder nicht kurz zum Stehen kommen, bevor nach rechts abgebogen wird.

Der ADFC appelliert daher an alle Radfahrenden, die Stopp-Regel auch dann einzuhalten, wenn keine Fußgänger queren und kein Auto von links kommt. "Aus Respekt vor den Fußgängern bitten wir außerdem darum, dass der Gehweg neben der Ampel von Radfahrern über zehn Jahren nicht befahren wird", so der ADFC, denn die neue Regel sei auch getroffen worden, um illegales Umfahren von Ampeln über Gehwege zu reduzieren und so die Sicherheit für alle, die zu Fuß gehen, zu erhöhen. Immerhin hatten Bund und Länder die Bußgelder für das verbotene Fahren auf Gehwegen im April bereits auf 55 bis 100 Euro erhöht. Nur wegen eines Formfehlers gelten derzeit noch die alten Bußgelder zwischen zehn und 25 Euro.

Der ADFC begrüßt die neue Grünpfeil-Regelung und dankt den Behörden, dass sie hier schnell und unkompliziert die Neuerung eingeführt haben. Die Ampel in Lich sei die erste im Landkreis, wo der Grünpfeil für Radfahrer eingeführt wurde. Nicht jede Ampel eigne sich für das Schild, so dürfe es beispielsweise nicht verwendet werden, wenn für den entgegenkommenden Linksabbieger ein leuchtender grüner Pfeil in der Ampel gezeigt wird oder es nach rechts weisende, leuchtende Pfeile in der Ampel gibt.

Gerade in der Stadt Gießen gibt es aber nach Ansicht des ADFC viele Ampeln, wo die Grünpfeil-Regelung für den Radverkehr eingeführt werden kann. Ein entsprechender Antrag sei auf Antrag der Koalitionsfraktionen auch einstimmig für 19 Ampeln beschlossen worden. Die Umsetzung steht aber noch aus, sodass die Stadt Lich wohl noch einige Zeit fahrradfreundliche Vorreiterin im Gießener Land bleiben werde.