Sie brachte viele Stars nach Garbenteich

Sternstunde mit Violine: Konstantin Wecker in ungewohnter Rolle, hier im Jahr 2013 bei einem Auftritt in der Sport- und Kulturhalle Garbenteich. Susann Balser-Hahn und "Kultur in Mittelhessen" machten es möglich.  Fotos: Kultur in Mittelhessen

Susann Balser-Hahn hat mit ihrem Label "Kultur in Mittelhessen" viele Stars nach Pohlheim geholt - nach 25 Jahren löst sie nun ihre PR-Agentur endgültig auf.

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GIESSEN/POHLHEIM. Der letzte Schritt zur Auflösung ihrer PR-Agentur "Im Dialog" sowie des Konzertbüros "Kultur in Mittelhessen" wird für Susann Balser-Hahn das Abschalten ihrer Internet-Domaine" www.imDialog-Pr.de zum Jahresende sein. Gut 25 Jahre lang managte sie Unternehmen, soziale Einrichtungen und Künstler. Besonders als Veranstalterin der Konzertreihe "Kultur in Mittelhessen" hat sie sich in Pohlheim und weit darüber hinaus einen Namen gemacht. Die Auftritte von Konstantin Wecker und Wolfgang Niedecken in der Sport- und Kulturhalle Garbenteich sind für viele Musikfreunde unvergessen. Der Anzeiger sprach mit Susann Balser-Hahn über ihre nun endende Arbeit.

Sternstunde mit Violine: Konstantin Wecker in ungewohnter Rolle, hier im Jahr 2013 bei einem Auftritt in der Sport- und Kulturhalle Garbenteich. Susann Balser-Hahn und "Kultur in Mittelhessen" machten es möglich.  Fotos: Kultur in Mittelhessen
Hat viel erreicht: Susann Balser-Hahn.

Wann haben Sie Ihre Agentur gegründet und was waren Ihre Schwerpunkte?

Ich habe mich 1996 selbstständig gemacht und das Label "Im Dialog" gegründet. Anfangs habe ich Pressearbeit für Industrieunternehmen gemacht. Die Wünsche meiner Kunden für andere Bereiche haben mich in weitere Bereiche gebracht.

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So kamen also die Verbindungen zu Kulturveranstaltern und Künstlern zustande?

Genau, durch meine Netzwerkaktivitäten kam das Organisieren von Veranstaltungen hinzu. Bei allem war viel Herzblut im Spiel und sehr gutes Miteinander. So habe ich auch einen Kundenwunsch erfüllt und seine Weihnachtsfeier mit Star-Koch in unserem Wohnzimmer durchgeführt. Ach ja, hier hatten wir auch kleine, feine Wohnzimmer-Konzerte. Wenn ich das jetzt so erzähle, wird mir klar, wie vielseitig diese rund 25 Jahre waren.

Und wie genau kam es dann zur Gründung von "Kultur in Mittelhessen"?

Das ist sozusagen aus einer Wein-Laune heraus entstanden. Wir hatten schon länger guten Kontakt zu regionalen Künstlern, unter anderem zu den "Drei Stimmen". Als wir sie in Kubach (Weilburg) in der Kristallhöhle erlebt hatten, waren unsere Nachbarn, mein Mann und ich uns einig: Wenn die bei uns in der Sport- und Kulturhalle in Pohlheim auftreten, muss Sängerin Ingi Fett nicht so frieren. Noch im After-Show-Bereich haben wir das Event bei uns mit dem Trio abgestimmt. Einige Monate später fand ein ausverkauftes "Festival der Sinne" in Garbenteich statt. Das Ganze für einen guten Zweck. Wir konnten den Verein "Die kleinen Lauscher" zur Unterstützung von gehörlosen Kindern mit einer vierstelligen Summe beglücken. Wir haben weiterhin viele Projekte unterstützt und dabei Aufgaben delegiert: Fördervereinen als Mitveranstalter haben wir das Catering für die Besucher angeboten und ihnen den Gewinn überlassen. Etwa an die Diakonie bei Eckhardt von Hirschhausen, Schulen bei den Musicals vom Theater Traumstern oder dem Hallenbad bei Sissi Perlinger.

Wie ging es weiter?

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Der Startschuss für das Label "Kultur in Mittelhessen" war das erste Konzert von Konstantin Wecker. Wir künftigen Organisatoren, außer mir noch mein Mann und unsere Nachbarn, überlegten, wen wir gerne mal sehen möchten. Nur was uns gefiel, wollten wir nach Mittelhessen holen. Der enorme Einsatz - Zeit, finanzielles Risiko, Arbeit - wurde durch einen neuen Blick auf Künstler und den Genuss ihrer Auftritte belohnt. Mein Mann ist ausdauernd und hat die Künstleragenturen überzeugt. Um Konstantin Wecker das erste Mal zu holen, musste er vollsten Einsatz zeigen. Ab dann konnten wir mit immer mehr Referenzen aufwarten und überzeugen, dass wir ein seriöser Veranstalter sind. Nicht nur die Künstler sind gern gekommen, auch das Publikum. Ein Frankfurter meinte, dass die Alte Oper zwar mehr ausstrahle als die Garbenteicher Sport- und Kulturhalle, aber man hier viel näher am Künstler sei. Er fühlte sich sehr wohl und kam öfters.

Wie haben Sie es geschafft, so große Events zu veranstalten? Immerhin 700 Menschen passen noch bei Bestuhlung in die Sport- und Kulturhalle Garbenteich.

Alle Helfer kamen aus der Familie, dem Freundeskreis oder den begünstigten Vereinen. Wir haben sie motiviert und dann standen sie am Veranstaltungsabend auf der Matte. Organisation, Struktur und die gesamte Büroarbeit habe ich mir mit meiner Nachbarin geteilt. Vor allem haben mich auch unsere beiden Söhne und meine Mutter immer unterstützt, sonst hätte das alles ja gar nicht funktioniert. Sie haben das Telefon bedient, Bestellungen angenommen und auch beim Aufbau oder Catering geholfen. Es waren aufregende Jahre, die mich sehr geprägt haben. Mir wurde immer mehr klar, dass es gilt: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Kommunikation ist mein Steckenpferd und damit hat die gelernte Industrie-Kauffrau für sich und ihre Kunden immer Erfolg gehabt.

Seit 2016 gibt es keine Konzerte mehr. Warum haben Sie ihre "Karriere" als Konzertveranstalterin beendet?

Als einer meiner Kunden meine freiberufliche Dienstleistung in der Agentur in einen festen Arbeitsvertrag wandeln wollte, habe ich mich zunächst geziert. Wo geht da meine Freiheit hin, fragte ich mich? Aber der Familienrat hat mir mehr Sicherheit empfohlen. Seit einigen Jahren arbeite ich nun in Vollzeit bei der Wohnbau GmbH in Gießen. Meine Power wird dort gebraucht. Und wie bekannt, kann man nicht gut auf mehreren Festen gleichzeitig tanzen.

Wie sehen Sie heute den Abschied von "Kultur in Mittelhessen"?

Aus vielerlei Gründen war das die richtige Entscheidung. Damals merkten wir, dass viele Künstler neue Agenturen hatten, die lieber nur ganz große Hallen bespielen wollten und mehr Profit aus ihren Künstlern holen wollten. Das war nicht unsere Liga und erst recht nicht unser Ansinnen. Immer haben wir über Vernetzung Win-win-Situationen erreichen können, das heißt, auch die Gäste waren immer ganz nah dran, wurden persönlich betreut und schätzten unsere überschaubaren Veranstaltungen. Außerdem spürte ich Energiemangel, es gab mehr familiäre Verpflichtungen: Zeit zum Aufhören. Das tat weh, war aber genau der richtige Schritt und der richtige Zeitpunkt.

Das letzte Konzert von KiM war sicher noch einmal gut besucht?

Ein wundervolles Konzert im Advent 2016 von Pe Werner und Peter Grabinger in der Pankratius-Kirche rundete alles ab. Wir feierten danach in meinen Geburtstag rein, der 54. war das. 2017 wollten wir kürzertreten, haben dann aber einfach alles gestoppt. So lange ist das schon her? Es klingt immer noch nach...

Wie fühlt sich das alles im Rückblick an?

Die Abschiedsphase ist vorbei. Man kann eine Agentur ja auch langsam auslaufen lassen. Das habe ich getan und mit dem Abschalten der Domaine wird nun der letzte Schritt gemacht. Es fühlt sich gut an, das selbst und bewusst zu tun. Spätestens in diesem Jahr mit all seinen Überraschungen ist mir sehr deutlich geworden, wie gut meine Entscheidung und das Angebot für eine angestellte Tätigkeit für mich war. Ich habe einen sicheren Job, kann und darf arbeiten wie immer und fühle mich sehr wohl. Ich fürchte, Corona hätte auch mein unternehmerisches Genick gebrochen. Ein kleines Abschiedsgeschenk an meinen Bekannten und Interessierte ist der Adventskalender. Täglich gibt es per E-Mail eine kulturelle Kostprobe, Anfragen unter sbh@imdialog-pr.de

Von Ulla Hahn-Grimm