Urkomische Inszenierung "Doctor und Apotheker" der...

Das K.A.P.-Opernensemble in Aktion. Foto: Rieger

Der Theater- und Kunstverein K.A.P. Dornholzhausen feiert in diesem Jahr unter dem Motto "Am Kap der Kultur" sein 30-jähriges Bestehen und führt eine vergessene Oper auf.

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DORNHOLZHAUSEN. Es ist nur ein kleines Dörfchen, aber kulturell ist in Dornholzhausen immer viel los. Dafür sorgen zahlreiche Ortsvereine. Einer davon ist der Theater- und Kunstverein K.A.P. Dornholzhausen, der in diesem Jahr unter dem Motto "Am Kap der Kultur" sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Nach der Auftaktveranstaltung des Jubiläumsreigens Anfang Februar, einer sehr gut besuchten Lesung mit Dr. Siegfried Grosse, brachte nun das kleine, engagierte Opernensemble des K.A.P. den nächsten Höhepunkt zur Aufführung. Es präsentierte eine musikalische Rarität und das gleich zweimal am vergangenen Wochenende. Die komische Oper "Doctor und Apotheker" von Carl Ditters von Dittersdorf aus dem Jahre 1786 sorgte am Samstagabend und am Sonntagnachmittag für eine voll besetzte Dornholzhäuser Kirche. Den Akteuren war der große Zuspruch bei dieser außergewöhnlichen und mit viel Vergnügen dargebotenen Inszenierung Lob und echter Ansporn. Bereits im Sommer 2016 hatte das Ensemble um den Vorsitzenden Jörg Müller mit der Premiere des Stücks für humorvolle Unterhaltung gesorgt. Nun waren neue Szenen hinzugekommen, mehr als 90 Minuten wurde das Publikum mit Arien- und Ensemblestücken in szenischer Darstellung unterhalten.

Einführende Worte sprach Renate Gath. Sie hatte seinerzeit die Idee zur Aufführung, führte Regie, sang eine Hauptrolle und moderierte auch die einzelnen Szenen. "Die komische Oper 'Doctor und Apotheker' wurde im gleichen Jahr uraufgeführt wie Mozarts 'Hochzeit des Figaro'", so die Regisseurin. Der Komponist sei damals viel berühmter gewesen als Mozart. Das Stück sei eine Satire auf das Kleinbürgertum, verarbeite das "Romeo- und Julia"-Motiv und den immer aktuellen Generationenkonflikt. Bereits damals bevorzugten es die Nachkömmlinge, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nichts von den Eltern vorschreiben zu lassen. Darin hat sich sicherlich bis heute nicht viel verändert. Auf jeden Fall hatte Carl Ditters von Dittersdorf mit dieser Oper einen enormen Erfolg . Sie wurde bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts an vielen Opernhäusern gespielt, geriet dann aber in Vergessenheit. "Nun hat K.A.P. das Stück wieder aus der Versenkung geholt", freute sich die Initiatorin. Im Wesentlichen geht es in dieser Oper um die Rivalität zwischen Arzt und Apotheker des Dorfes, die sich beide für Koryphäen ihres Faches halten, dabei aber schlimme Kurpfuscher sind. Zu allem Unglück sind auch noch die Kinder der beiden ineinander verliebt. Das führt zu vielen amourösen Verwicklungen, Maskeraden und Tumulten. Am Schluss geht jedoch alles gut aus, die Mädchen dürfen ihre Liebsten heiraten und im Finale werden alle miteinander versöhnt.

Alle Akteure auf der Bühne waren Amateure, die durch ihren ansprechenden Gesang, der oft mehrstimmig vorgetragen wurde, und ihre sichtlich spürbare Spielfreude beeindruckten. Tückisch für die Sänger waren die zahlreichen Wiederholungen in den Liedern, die immer variiert werden mussten. Auch traten einige Protagonisten in mehreren Rollen auf. Höhepunkte waren beispielsweise die "Ballade vom tapferen Ritter", herrlich komisch vorgetragen von Anne von Kenne und Renate Gath, Jörg Müller als betrunkener invalider Hauptmann mit dem Solo "Der Wein ist ein Specificum", der gesangliche Streit zwischen Apotheker Stössel und seiner Angetrauten Claudia um die Aussteuer der Tochter und der Zwist zwischen Rosalie, deren Freundin Leonore und ihrer Mutter, die Rosalie immer wieder singend auffordert: "Halt's Maul". Da gab es üppigen Szenenapplaus. Das Publikum war sehr angetan und spendete großen Beifall.

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Die Mitglieder des K.A.P.-Opernensembles haben "mehr oder weniger" Gesangsunterricht und singen seit mehreren Jahren zusammen, bevorzugt Opern. Seit 2014 befasste sich die Gruppe mit "Doctor und Apotheker", aus dem sie 2015 ein halbstündiges Programm zum Festwochenende der 1200-Jahr-Feier in Dornholzhausen zusammengestellt hatte. 2016 trat das Ensemble dann erstmals ins Rampenlicht einer größeren Öffentlichkeit. Begleitet wurden die Sänger von Rosi Klix am Klavier. Es sangen Anne von Kenne (1. Sopran), Renate Gath (2. Sopran), Beatrix Wesner (Alt), Andreas Groth (Tenor), Jörg Müller (Bariton), Helmut Wagner (Bass), und Peter Dank (Bass).

Waltraud Kraffert war für die Kostüme und die szenische Beratung zuständig. Bei freiem Eintritt wurde um Spenden für den Erhalt der historischen Kirche in Dornholzhausen und für das Kinder- und Jugendtelefon Gießen gebeten. Renate Gath dankte ausdrücklich Pfarrer Reiner Wagner, der dem Ensemble die Kirche zur Verfügung gestellt hatte.