Wenn der Rollmops sauer ist

Kinderkonzert von Oliver Steller mit Liedern und Gedichten, mit Fragen und Witzen im Traumstern in Lich.

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. LICH. Ein gern gesehener Gast schaute mal wieder im Kino Traumstern vorbei. Rezitator, Musiker und nicht zuletzt Entertainer Oliver Steller gab eins seiner beliebten Kinderkonzerte. Wer das noch nie gehört hatte, der konnte was erleben. Und alle anderen natürlich auch. Nicht nur war der Gast in Topform, auch die kleinen Zuhörer und -schauer ließen sich nicht lumpen und machten kräftig mit: ein Riesenspaß für alle.

Steller spielte ein Programm, das sich im Wesentlichen auf einer seiner zahlreichen CDs mit Gedichten für Kinder findet. Er reist viel durchs Land und spielt oft in Schulen. Sein Repertoire ist abwechslungsreich, dazu gehören neben den heiteren wie ernsten Versen auch zahlreiche Lieder mit gewitzten Texten, etwa von James Krüss.

Mehrere Dinge fallen im Traumstern sofort auf: Steller ist richtig gut gelaunt, und er kann prima mit Kindern umgehen. Zudem fehlt in den vorgetragenen Texten und auch in Stellers Moderation jede begriffliche oder gar sprachliche Verplattung. Vielmehr fügt er zahlreiche mimische und darstellerische Aspekte ein und lässt bei den Rezitationen genau die gleiche liebevolle Sorgfalt walten wie in seinen Programmen für Erwachsene. Sein Kinderkonzert ist schließlich auch genauso schön. Hinzu kommt seine enorme Begabung im Vertonen von Lyrik. So geht die Zeit seines Auftritts wie im Flug vorbei, während sich die kleinen Gäste und ihre Begleiter amüsieren. Das Ganze hat eine angenehme Leichtigkeit und stellt Frohsinn in seiner reinsten Form dar. Steller nimmt intensiven Kontakt mit den Kindern auf, bezieht sie locker in seinen Moderationen mit ein, stellt Fragen und reagiert auf Zurufe - überhaupt ist er ganz im Hier und Jetzt.

In einer der Zugaben singt der gebürtige Bonner später das Lied vom Opa, der eine schwierige Beziehung zur Oma hat und daher heute nicht in den Zoo darf. Dabei ist der Alltag bei den Großeltern eigentlich ganz entspannt: "Oma brät den toten Fisch, Opa pupst am Mittagstisch", singt Steller. Das hatten sich die kleinen Zuhörer eigens gewünscht - und sie singen den Song textsicher mit. Stellers Vorschlag, "ob jemand ein ganzes Gedicht auswendig kann und Lust hat, es mit mir hier vorzutragen", wird allerdings nur fast gefolgt.

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Spät im Konzert fragt der 52-Jährige, ob jemand weiß, was ein Rollmops ist. Ein Fisch also. "Und wie schmeckt er?" Salzig, heißt es dann, "sauer" und einmal auch "eklig". "Und auf wen ist er sauer?" "Auf Mama und Papa", schallt es aus dem Parkett, gefolgt von glucksendem Gelächter. "Der Rollmops ist ein armes Tier, gewickelt in ein Stück Papier," singt Steller zu einer leicht bluesigen Begleitung. Er hat auch noch ein paar knackige Rock'n'Roll-Titel im Programm, die ihm und seinem Publikum viel Spaß machen. Und der Rollmops? "Er hat nicht viel vom Leben mehr und fürchtet sich vor dem Verzehr", lautet das Fazit. "Sein Glück war nicht von Dauer, und deshalb ist er sauer!", singen die Kinder laut und fröhlich mit. "Dankeschön und Tschüss bis zum nächsten Mal" verabschiedet sich der Musiker von seinen jungen Fans.

Im Gespräch erklärt er anschließend, dass "in normalen Zeiten die Kinderprogramme fast die Hälfte seiner Konzerte ausmachen. "Ich mache dafür gar keine Werbung, denn es gibt eine ungeheure Nachfrage, besonders in Schulen. Da sind manchmal 200 oder 300 Kinder zusammen, die sind dann vorbereitet, das ist gut." Und es gäbe auch viele Kinder, die ganze Gedichte vortragen können und das auch gern möchten. Einmal habe ein Kind den gesamten "Handschuh" von Schiller vortragen können, rund fünf Minuten lang. "Ein anderes Mädchen hatte Heinrich Heines Klassiker ,Die Loreley'" im Kopf.

Oliver Stellers Kinderprogramme sind nie ohne ein bisschen Ernst: "Manchmal ist ein Klassiker drin, heute die Ballade von Felix Fliegenbeil", erklärt er. Der geniale, vom großen Kinderbuchautor Michael Ende erdachte Drahtseiltänzer kann schließlich ganz ohne Seil in der Luft tanzen und wird vom Wind fortgeweht. Als Steller die melancholische Geschichte erzählt, ist kein Mucks im Saal zu hören. So gespannt hören die Kinder zu; sie sind in guten Händen bei Oliver Steller. Im November besucht er wieder die Erwachsenen.