Orangerie für Lang-Göns

Das Gelände um das ehemalige Feuerwehrhaus in Lang-Göns soll zu einem attraktiven Begegnungszentrum umgestaltet werden. Foto: Rieger

Im Rahmen der modernen Dorferneuerung mit Bürgerbeteiligung wurde im Kernort der Gemeinde Langgöns der Startschuss für eine Reihe von Ortsteilbegehungen gegeben.

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LANGGÖNS. Eine Orangerie als neue Nutzung der ehemaligen Fahrzeughalle des Feuerwehrgerätehauses im Kernort Lang-Göns war nur einer von vielen kreativen Vorschlägen, die an diesem Nachmittag gemacht wurden: Um die 30 Personen aus Lokalpolitik, interessierter Bürgerschaft und der Steuerungsgruppe "Team 360°" nahmen am ersten öffentlichen Ortsrundgang im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms, das den sperrigen Namen "Integriertes kommunales Entwicklungskonzept" (Ikek) trägt, teil. Hier wird Bürgerbeteiligung großgeschrieben. Die gemeinsamen Rundgänge sollen die bisherigen Informationen vertiefen, weitere Potenziale und Handlungsbedarf identifizieren und die Teilnehmer miteinander ins Gespräch über den Ortsteil bringen. Den Auftakt machte der Kernort Lang-Göns.

Das Gelände rund um die ehemaligen Fahrzeughalle des Feuerwehrgerätehauses soll ein zentraler, attraktiv gestalteter Treffpunkt für die ganze Bevölkerung werden. Ein solcher Platz fehlt bislang in der Kerngemeinde. Bürgermeister Marius Reusch informierte, dass es Pläne gebe, das alte Feuerwehrhaus ganz oder teilweise abzureißen. Seit Jahren gibt es bereits eine Arbeitsgruppe um die neue Ortsvorsteherin Denise Boller (CDU), die sich damit beschäftigt und vorgeschlagen hat, hier ein Sport- und Kulturzentrum zu entwickeln, inklusive einem "Grünen Klassenzimmer" in Kooperation mit der Grundschule. Dann müsste der umgebende Straßenbereich für den Durchgangsverkehr gesperrt und die Bushaltestelle in die Jahnstraße verlegt werden, informierte der Bürgermeister.

Diplom-Ingenieur Rainer Tropp von der Planungsgruppe griff die Ideen der AG auf. Würde man den Platz zusammen mit Schule, Kita, dem Sport- und Spielplatz weiterentwickeln, könnte hier "eine hochqualitative Ecke" entstehen. Um den Bereich attraktiver zu gestalten, schlug Tropp vor, den aktuell verrohrt unter dem Platz verlaufenden Bach wieder oberflächlich anzulegen.

Die Fahrzeughalle würde er als überdachten Treffpunkt erhalten wollen und sprach in diesem Zusammenhang von einer "Orangerie", ursprünglich ein historischer Garten für Zitruspflanzen, in Lang-Göns. Für solche Konzepte gibt es Förderungen, erklärte Dr. Florian Warburg von der Abteilung ländlicher Raum, die das Ikek begleitet. Die frühere Ortsvorsteherin Astrid Müller (FW) unterstrich, dass Lang-Göns einen Gemeinschaftsplatz brauche. Das Areal um das ehemalige Feuerwehrhaus profitiere von der Nähe zur Seniorenwerkstatt, Schule, Kita und Sportplatz. Einen "festen Unterstand" aus der Werkzeughalle zu machen, würde sie begrüßen. Auch Ortsbeiratsmitglied Sebastian Fuchs (FW) befürwortete die Planungen: Es gebe im Ort keinen Platz, an dem sich ohne großen Aufwand Veranstaltungen abhalten ließen. Beispielsweise würden die Vorbereitungen für den Dorfgemeinschaftstag mit der Verlegung von Anschlüssen und Stromleitungen jedes Mal mehrere Tage brauchen. Wären solche Anschlüsse auf dem Gelände bereits vorhanden, würde dies viel Zeit einsparen.

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Auf dem Festplatz erläuterte Marius Reusch, dass hier fehlende Flächen für die Jugend hergerichtet werden könnten, beispielsweise in Form eines Multifunktionssportplatzes. Gespräche mit der Jugendpflege laufen bereits. Das Team 360° möchte Jugendliche in Form eines Workshops einbinden.

Letzter Standort war der Bahnhof. Hier waren sich alle Anwesenden einig, dass der Platz viel Potenzial hat und man den Einzelhandel vor Ort erhalten möchte. Planer Tropp kann sich hier Flächen für Außengastronomie vorstellen. Im Bahnhofsgebäude selbst seien Studenten-Apartments denkbar, schließlich betrage die Fahrzeit nach Gießen nur zehn Minuten. Studentenstandorte an Bahnhöfen seien inzwischen üblich. Bürgermeister a. D. Horst Röhrig (SPD) erinnerte an die Nutzungsstudien, die THM-Studenten vor einigen Jahren vorstellten.

Bürgermeister Marius Reusch sieht den Bahnhof auch als "Anlaufpunkt" für Radfahrer. Ihm ist es ein Anliegen, im Bahnhof Coworking-Spaces (Gemeinschaftsbüros) mit attraktiver technischer Ausstattung einzurichten. Annette Mulitze (Grüne) sieht die Aufgabe der Ikek-Steuerungsgruppe darin, jetzt inhaltlich konkret zu werden und festzulegen, auf welche Nutzungen die Gemeinde hinarbeiten möchte.

Wer im Rahmen des Ikek im Kernort übrigens plante, sein Fachwerkhaus mithilfe von Fördergeldern zu sanieren, hat leider Pech. Der Bürgermeister stellte klar, dass Lang-Göns mit 6588 Einwohnern aus den Förderkriterien für private Sanierungen falle, aber Projekte umgesetzt werden können, die der Lebensqualität vor Ort und damit allen Bürgern zugutekommen.

Beim Rundgang dabei waren auch Dr. Andrea Soboth und André Haußmann vom "Team 360°".

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Weitere öffentliche Ortsrundgänge sind für den 1. Juni um 16 Uhr in Niederkleen und um 18.30 Uhr in Oberkleen sowie für den 8. Juni um 16 Uhr in Cleeberg und um 18.30 Uhr in Espa geplant. Anmeldungen per E-Mail über dorfentwicklung@langgoens.de.