Protestaktion: Branntweinweg für den Autoverkehr legalisieren

Zahlreiche Cleeberger hatten sich am Sportlerheim in Espa zu einer Protestaktion versammelt. Foto: Rieger

Die Cleeberger wollen, dass der Branntweinweg - wie versprochen - für den Autoverkehr legalisiert wird. Er ist für viele die Hauptschlagader ins Rhein-Main-Gebiet.

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CLEEBERG/ ESPA. CLEEBERG/ESPA (ikr). "Cleeberg protestiert dagegen, dass der Branntweinweg nicht wie versprochen für den Autoverkehr legalisiert werden soll." Dieser Satz steht am Anfang einer Presseerklärung des Ortsbeirats Cleeberg. Sie wurde im Rahmen einer Protestaktion, die von einer "Gruppe engagierter Cleeberger" organisiert worden war, wie es Ex-Ortsvorsteher Thorsten Jung formulierte, verteilt.

Vor dem Sportlerheim des SV Blau-Weiß Espa hatten sich knapp 50 Cleeberger jeden Alters versammelt, um zu protestieren. Ortsbeiratsmitglied Nils Klingelhöfer (CDU) und Thorsten Jung sprachen in Vertretung von Ortsvorsteherin Heidi Tonhäuser (SPD) zu den Versammelten.

Ein Zeichen setzen

"Wir möchten mit unserer Demonstration ein Zeichen setzen, dass wir uns einsetzen und uns der Weg am Herzen liegt", sagte Klingelhöfer. Die engagierten Cleeberger befürchten, dass in der Langgönser Parlamentssitzung am 1. Juli ein Antrag der Koalition von CDU und Grünen dazu führen könnte, dass der Weg doch nicht - wie seit langem geplant - durchgehend für den Pendlerverkehr legalisiert wird. Stattdessen beantragen CDU und Grüne nun, den Branntweinweg im Abschnitt der Straße nach Cleeberg bis zur Kreuzung Seegrundweg, das ist hinter dem Sportlerheim, als Ortsverbindungsweg umzuwidmen und damit für den Pkw-Verkehr zu legalisieren. Das restliche Stück des Wegs mit einer Länge von rund 140 Metern bis zur Landesstraße nach Butzbach soll, so wie der bereits sanierte Abschnitt des Branntweinwegs, instandgesetzt werden. Dieser Straßenbereich soll dann offiziell nur für Besucher der Sportanlage Espa und für Radfahrer eingerichtet werden. Eine durchgängige Legalisierung des Weges wäre damit kein Thema mehr.

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Hintergrund dieses Antrags ist, dass Hessen Mobil die Legalisierung nur dann erlaubt, wenn an der Einmündung zur Landstraße ein sogenannter "Knoten" mit Abbiegespuren in alle Richtungen und einer Radwegüberquerung für rund 850 000 Euro errichtet wird. Dies hatte Bürgermeister Marius Reusch (CDU) in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses berichtet. "Dies ist natürlich völlig überdimensioniert und nicht realisierbar", sind sich die Mitglieder des Ortsbeirats Cleeberg einig.

In der Ausschusssitzung war deshalb beschlossen worden, dass ein Erörterungstermin mit Hessen Mobil, an dem die Ortsvorsteher aus Cleeberg und Espa zusammen mit dem Bürgermeister teilnehmen sollten, zu vereinbaren wäre. Dabei sollte versucht werden, die Behörde zu überzeugen, dass verschiedene Komponenten der Planung wie die Kreuzung des Radweges und überflüssige Abbiegespuren entfallen und damit die Kosten gesenkt werden könnten.

"Diese Beschlussempfehlung wurde nun offensichtlich von der Koalition ignoriert, denn diese reichte diesen Antrag ein, der die zugesagte Legalisierung des Pendlerverkehrs entlang des Sportlerheims ausschließt", heißt es in der Erklärung des Ortsbeirats. Das würde bedeuten, dass für Pendler am Sportlerheim Schluss sei. "Auch wenn der Bürgermeister versichert, dass er den Restabschnitt nicht kontrollieren lässt, befinden sich alle, die dort auf die L 3053 fahren, im Unrecht. Das kann nicht akzeptiert werden", betont der Ortsbeirat.

Aus diesem Grund fordern die Cleeberger den Gemeindevorstand auf, alles dafür zu tun, dass die Legalisierung des Autoverkehrs auf dieser inoffiziellen Umgehungsstraße von Espa realisiert werden kann. "Der Gemeindevorstand soll sein Versprechen einhalten und Beschlüsse umsetzen und nicht scheibchenweise Zugeständnisse machen und sie später wieder einkassieren. Die Bürger müssen sich auch darauf verlassen können, dass vorher geprüft wurde, ob das Versprochene auch umsetzbar ist", heißt es in der Erklärung. Das Thema ist seit 2009 in den gemeindlichen Gremien präsent und wurde zeitweise höchst kontrovers diskutiert.

Präsenz zeigen

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"Die Straße ist die Hauptschlagader Cleebergs ins Rhein-Main-Gebiet. Laut unserer Zählung von vor einigen Jahren fahren rund 700 bis 800 Autos täglich hier entlang. Wir haben jetzt eine Minimallösung. Damit können wir leben, aber ich glaube nicht, dass das die Lösung ist", betonte Thorsten Jung. Es könne nicht sein, dass das Thema jetzt mit dem Koalitionsantrag beendet werde. "Wir wollen keinen Ärger, wir wollen das im Gutmütigen regeln und wollen Lösungen haben", sagte er.

"Jetzt sind wir schon so weit, dass wir bis zur Landstraße rüberspucken können und jetzt klemmt's und das alles soll umsonst sein?", brachte ein Bürger sein Unverständnis zum Ausdruck. "Ein Sperrschild aufzustellen und dann nicht zu kontrollieren ist auch keine Lösung", meinte ein anderer. Thorsten Jung fragte: "Es soll nicht kontrolliert werden, aber wenn ein Unfall passiert, was ist dann?"

Der Cleeberger forderte alle Anwesenden auf, sich anzumelden und am Donnerstagabend in die Parlamentssitzung zu kommen und dort "viel Präsenz zu zeigen".