Mehr Fördermittel für Marktplatzumgestaltung in Laubach

Der Laubacher Marktplatz soll umgestaltet werden. Archivfoto: Irek

Auf satte 90 Prozent an Fördermitteln für die Marktplatzumgestaltung kann Laubach jetzt hoffen.

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LAUBACH. (ww). Etliche Wirrungen hat es in den vergangenen Monaten um die angestrebte Umgestaltung des Marktplatzes in Laubach gegeben. Die große Linde komme doch weg, hieß es zunächst, obwohl 2018 bereits beschlossen worden war: der prägende Baum am zentralen Platz in der Kernstadt bleibt. Andere kritisierten, dass die Anlieger, Anwohner wie Gewerbetreibende, nicht genügend beteiligt würden.

Vollends verwirrt war die Öffentlichkeit, als Bürgermeister Peter Klug im Hauptausschuss am 20. Oktober empfahl, bereits Fördermittel für ein Grundkonzept zu beantragen, das bis dato weder den Politikern offiziell noch der Öffentlichkeit bekannt war. Erst am 28. Oktober wurde die Planung im Mitteilungsorgan der Kommune vorgestellt und erst jetzt erfuhren die Stadtverordneten offiziell davon. Planer Karl-Dieter Schnarr aus Schwalmstadt war zur Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag in die Sport- und Kulturhalle gekommen, um seine Vision vorzustellen.

SPD, Freie Bürgerliste Laubach (FBLL) und Grüne sowie Bürger für Laubach (BfL) hatten Bedenken, dass die Förderbehörde den Grundplan nicht akzeptieren würde und zurückgebe. Darüber müsse noch öffentlich und unter Bürgerbeteiligung gefeilt werden. Dagegen hielt CDU-Fraktionschef Björn Erik Ruppel, der die bewegten Gemüter am Donnerstagabend zuletzt wieder einfing. Der Christdemokrat leitet den Arbeitskreis Innenstadtentwicklung im Rahmen des integrierten kommunalen Entwicklungsprogramms (Ikek). Es ist vergleichbar dem früheren Dorferneuerungsprogramm des Landes, angereichert um moderne Bürgerbeteiligungselemente. Die öffentliche Hand wie auch Privatleute können dort Projekte anmelden. Es läuft über einen Zehnjahreszeitraum.

Der Arbeitskreis um Ruppel, in dem auch Bürger mitmachen, wollte sich im Oktober mit dem aktuellen Grundkonzept wie auch einem jetzt vorliegenden Verkehrsgutachten in zwei Terminen beschäftigen. Da Ruppel erkrankt war, fielen die Treffen flach und niemand wusste genau Bescheid.

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Kurzfristig habe das Land aufgrund der Pandemie erklärt, die Förderquoten im Programm zu erhöhen, sagte jetzt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Dafür müsse aber bis Ende November ein Projektantrag gestellt sein, so die Aussage der zuständigen Fachfrau vom Amt für den ländlichen Raum, erklärte der Arbeitskreis-Chef den Stadtverordneten. Immerhin werde die Quote von 75 auf 90 Prozent der förderfähigen Kosten von rund 905 000 Euro erhöht. Die Kritiker im Stadtparlament meinten jedoch, dass das Geld nicht gezahlt werde beziehungsweise Fördermittel verfallen können, wenn nur ein Grundkonzept vorgestellt wird.

Baumexperten gefragt

Dirk Oßwald, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, hatte daher noch eine weitere Idee zur Befriedung parat. Der Antrag solle zurückgezogen werden, wenn sich herausstelle, dass er so nicht förderfähig sei. Michael Köhler von den Grünen setzte zudem durch, dass Baumexperten die Planung im Hinblick auf eine mögliche Schädigung der Linde bei späteren Pflaster- und Mauerarbeiten begleiten sollen. Letztlich wurde die Verwaltung ermächtigt, den Förderantrag zu stellen.

Köhler machte noch einmal deutlich, dass es zu bestimmten Uhrzeiten einfach zu laut auf dem Platz sei, wenn sich der Verkehr hier durchquäle. Die Erholungsfunktion müsse dort wieder hergestellt werden. Auf dem Marktplatz findet zwar kein Markt statt, doch Bank, Bäcker, Friseur und Geschenkeladen, Bistro und anderes sind dort vorhanden.

Als Kernziele wurde 2018 der Erhalt der Linde, ein autofreier Marktplatz, die Durchfahrtsmöglichkeit vom Storchshof und zur Grünemannsgasse, eine attraktivere Gestaltung des Areals um den Engelsbrunnen, die Neugestaltung des Areals um die Pumpstation, die Schaffung einer Sichtlinie vom Engelsbrunnen zum Schloss und die barrierefreie Gestaltung sowie die Entfernung sämtlicher anderer Bäume und Beete festgelegt.

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Der Platz soll von der Linde ausgehend kreisförmig gepflastert werden, so sieht es das Grundkonzept Schnarrs vor. Parkplätze sind nur noch längs der Straße Marktplatz links und rechts an Gebäudefronten ab der Unteren Langgasse bis in Höhe Kirchenplatzeinfahrt eingezeichnet. Die Linde kann weiter umfahren werden. Die Rundum-Bank am Fuß und die bisherige Aufmauerung werden entfernt. Die alte Mauer auf der Westseite verschwindet. Es soll eine neue Mauer geben, die mit Natursteinen belegt wird. Basaltpflaster wird den Platz prägen. Betonpflaster soll dazwischen konzentrisch in 1,50 Meter Breite eingebaut werden, um die Barrierfreiheit zu gewährleisten.

Dirk-Michael Hofmann (FBLL) meinte bereits: „Betonpflaster ist ein Fremdkörper und passt nicht auf den Marktplatz.“ Der Planer betonte allerdings auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben sei und die Denkmalbehörde den Plan nicht beanstandet habe. Es gebe kleinteiliges Pflaster, was zum Basalt passe. Hintergrund seiner Planung sei der Gedanke, das Menschen mit Rollatoren einfach über den Platz zu den Geschäften, aber auch zur Linde gelangen sollten. Daher seien 1,50 Meter Streifen Betonpflasterung eingeplant worden. Auch vor den Geschäften werde es diese geben.

Wie das Wurzelwerk der Linde gestaltet sei, werde man sehen, wenn es vorsichtig ausgegraben worden sei. Man könne ohne Weiteres zwischen den Wurzeln Podeste für eine Mauer einbauen.