Meinung

Kommentar zur Wahl in Hünfelden: Keine Überraschung

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Redaktion
Petra Hackert kommentiert die Bürgermeisterwahl in Hünfelden.

Silvia Scheu-Menzer ist als Hünfeldener Bürgermeisterin wiedergewählt. Mit Spannung hat die 62-Jährige auf die Wahlbeteiligung geblickt.

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VON PETRA HACKERT

Keine Überraschung: Silvia Scheu-Menzer ist als Hünfeldener Bürgermeisterin wiedergewählt. Mit Spannung blickte sie allerdings auf die Wahlbeteiligung. Im Frühjahr war sie da noch recht cool, wie ihr Brecher Amtskollege Frank Groos berichtete. Da hatte sie ihn noch beruhigt, denn auch er hatte als einziger Kandidat in seiner Gemeinde Wahlkampf betrieben - um die Leute zu animieren, zur Wahl zu gehen. In Brechen waren es im Juni am Ende 37,5 Prozent, in Hünfelden gestern mit 33,9 Prozent noch weniger.

Die Nervosität wächst, wenn es um die eigene Wahl geht, auch bei nur einer Kandidatin. Das Recht zur Wahl zu gehen, ist leider nicht überall auf der Welt frei verbrieft. Und: Wahlbeteiligung in einer Demokratie hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Wer etwas ändern will, kann selbst antreten. Wer mit dem Bisherigen zufrieden ist, sollte ebenfalls Stellung beziehen. Und dass es in Hünfelden keinen Gegenkandidaten gegeben hat, lag sicher auch daran, dass sich wenige Chancen ausrechneten, eine solche Wahl zu gewinnen.

Silvia Scheu-Menzer ist gut vernetzt. Ihre Arbeitsweise setzt auf Arbeitskreise - und den Versuch, möglichst viele Menschen mit ins Boot zu nehmen, wenn es darum geht, etwas umzusetzen. Das hat in Notlagen geklappt, wie 2015, als es darum ging, auf einen Schlag sehr viele Geflüchtete aufzunehmen. Das funktioniert jetzt wieder, wenn es um Menschen aus der Ukraine geht - und anderen Ländern, man denke nur an den Iran. Es funktioniert aber auch im Regelfall, zum Beispiel, wenn es gilt, Dorfentwicklung zu betreiben. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass das Land Hessen Hünfelden im vergangenen Jahr mit allen Ortsteilen als Förderschwerpunkt „Dorferneuerung“ anerkannt hat. So etwas kommt nicht von ungefähr, und es schafft vielfältige Möglichkeiten, Weichen zu stellen. Das möchte die 62-Jährige weiterhin tun.

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Sie ist Herausforderungen nie aus dem Weg gegangen. Auch wenn der Architektin zu Anfang sicher vieles fremd war, was die Abläufe in einer Verwaltung angeht. In zwölf Jahren konnten sich beide Seiten anpassen. Politisch funktioniert es in Hünfelden, weil sich die Fraktionen gegenseitig ernst nehmen - und konstruktiv arbeiten. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn - bei allen politischen Gegensätzen - das Ziel klar ist, das Beste für die Kommune zu wollen, dann funktionieren Debatten und Auseinandersetzungen. Diesen Respekt hat es stets gegeben. Das tut den Fraktionen gut, dem Bürgermeister-Amt und der Person, die es ausübt.

Für die nächsten sechs Jahre hat sich die Bürgermeisterin (mittlerweile eine von zweien im Kreis Limburg-Weilburg) noch einiges vorgenommen und das auch angekündigt. Die Hünfeldener werden es sehen, und sich - so wie man sie kennt - mit einbringen. Dann funktioniert es auch weiterhin in der Gemeinde.