Wanderer kosten Schmuggelware

Wandern entlang der Grenzen von Weilmünster: Über 50 Teilnehmer sind auf eine historische Reise gegangen.  Foto: Henche

Ein 6,5 Kilometer langes Teilstück der Gemarkungsgrenzen haben 50 Teilnehmer einer Grenzwanderung erkundet, die Christian Horn zur Ersterwähnung Weilmünsters vor 800 Jahren...

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WEILMÜNSTER. Ein 6,5 Kilometer langes Teilstück der Gemarkungsgrenzen haben 50 Teilnehmer einer Grenzwanderung erkundet, die Christian Horn zur Ersterwähnung Weilmünsters vor 800 Jahren organisiert hat.

Trockenes Wetter und ein leichter, herbstlicher Frühnebel mit der Aussicht auf Sonnenschein hatten die Schar der Wanderer zum Ausgangspunkt der vierstündigen Tour, die Feldscheune zwischen Rohnstadt und Langenbach, gelockt.

Dort warteten an einem Pavillon bereits erste Informationen in Form von verschiedenen groß;formatigen Karten, die die historischen Grenzverläufe der Gemarkung zeigten. Die gesamte Grenze von Weilmünster zu Fuß; zu erkunden erfordere eine Mehr-Tages-Tour, verwies Christian Horn auf die Gesamtlänge von 34 Kilometern.

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Daher sei diese Wanderung als Auftakt zu verstehen, kündigte er an, in den kommenden fünf Jahren weitere Touren anbieten zu wollen, um Weilmünster entlang der Grenzen einmal zu umrunden.

Jede Etappe böte viele interessante Geschichten rund um die Grenzen zu Wied-Runkel, Nassau-Usingen und Solms-Braunfels, erklärte Horn, der auch Obmann für historische Grenzsteine ist. Zu seiner Freude hatte sich Gerd Mathes, der Vorsitzende des Vereins zur Pflege historischer Grenzmale Hessen, bereit erklärt, die Grenzwanderung mitzugestalten. Gemeinsam bot das Duo, das sich hervorragend ergänzte, den Teilnehmern eine gleichermaß;en fachkundige wie unterhaltsame Tour durch die Wälder Weilmünsters.

Mathes, ein absoluter Kenner der Heimatgeschichte, wusste die Wanderer mit Fakten und Anekdoten in seinen Bann zu ziehen. Ob die Holzwirtschaft vor 150 Jahren, die Arbeit eines Köhlers, die Eisenverhüttung oder der Schieferabbau – immer wieder legte die Gruppe einen Zwischenstopp ein, um den Geschichten von Mathes zu lauschen.

Um den genauen Grenzverlauf zu erkunden, mussten die Teilnehmer hin und wieder auch die befestigten Wege verlassen, um zu den Grenzsteinen zu gelangen, die heute mitten im Wald zu finden sind. 160 Gemarkungsgrenzpunkte sind es entlang der Grenze zu Rohnstadt, 80 an der nach Aulenhausen. Einige der alten Grenzsteine waren noch zu sehen.

Da aber längst nicht mehr alle existieren, hatte Horn an deren ursprünglicher Stelle Pfähle in den Boden geschlagen oder auf Asphalt die Position mit Sprühfarbe markiert. An einer der Grenzpunkte mitten im Wald wartete auf die Wanderer eine Überraschung.

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Früher sei an den Grenzen geschmuggelt worden, verriet Matthes, dass vor allem Salz begehrte Schmuggelware gewesen sei, natürlich aber auch Alkohol. "Hier ist ja noch altes Schmuggelgut", rief Horn und holte hinter einem Baumstamm zwei in braunes Packpapier eingewickelte Flaschen Schnaps hervor.

Der Elferrat sorgt für Tische, Bänke und einen kleinen Imbiss

"Zufällig" hatte er kleine Schnapsgläser dabei, damit die Grenzgänger "vergessene" Schmuggelware umgehend probieren konnten.

Nach dem Verlassen des Waldes führte der Weg weiter über die alte Trasse der Weiltalbahn, über die Mathes ebenfalls viel zu berichten wusste. Die Wanderschar überquerte die Landstraß;e und erreichte nach einem kurzen Anstieg den idyllisch gelegenen "Schäfer-Weiher". Dort hatten die fleiß;igen Helfer vom Elferrat des TuS 03 Weilmünster bereits Tische und Bänke aufgebaut und zur Stärkung einen Imbiss vorbereitet.

Nach einer Pause führte der zweite und kürzere Teil der Grenzwanderung vorbei am Sonnenhof bis zum Dreimärker. Der Grenzstein, an dem sich die Grenzen von Weilmünster, Aulenhausen und Ernsthausen treffen, existiere aber leider nicht mehr, erklärte Horn.

An diesem Punkt endete für die Teilnehmer nach mehr als vier Stunden eine informative Tour. Auf die Fortsetzung im nächsten Jahr dürfen sie gespannt sein.