IHK-Blitzumfrage zeigt düsteres Bild für Unternehmen im...

Symbolfoto: Uwe Zucchi/dpa

Acht Prozent der heimischen Unternehmen fürchten eine Insolvenz. Das zeigt die aktuelle Umfrage der IHK zur wirtschaftlichen Situation.

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LIMBURG-WEILBURG. Nahezu die Hälfte der heimischen Unternehmen hat derzeit mit geringerer Nachfrage zu kämpfen. Das geht aus einer aktuellen deutschlandweiten IHK-Blitzumfrage hervor, an der sich auch 384 Unternehmen aller Branchen aus der Region Limburg-Weilburg beteiligt haben.

Eine Ursache der geringen Nachfrage seien gekürzte Investitionsbudgets - aber es würden auch neue Corona-Beschränkungen die Nachfrage in vielen Branchen drücken. Die Folge: Für das Jahr 2020 erwarten inzwischen mehr als 60 Prozent der heimischen Unternehmen einen Umsatzrückgang.

Der Teil-Lockdown seit Anfang November treffe drei Branchen besonders hart: Für 84 Prozent der heimischen Unternehmen aus dem Gastgewerbe, 69 Prozent der Reisewirtschaft und 67 Prozent der Kultur- und Kreativwirtschaft stehen die Geschäfte ganz oder in Teilen still.

Nachfrage- und Umsatzrückgänge machten sich darüber hinaus in der ganzen Breite der Wirtschaft bemerkbar. In der Industrie beklagen 64 Prozent der Unternehmen eine geringere Nachfrage, im Einzelhandel sind es 61 Prozent, in der Gesundheitswirtschaft 52 Prozent, bei den sonstigen Dienstleistern sogar 68 Prozent, laut der IHK-Umfrage. Auch im Großhandel und im Transportbereich beklage fast jedes zweite Unternehmen eine geringere Nachfrage.

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Die Situation seit November drücke die Umsatzerwartungen für das Jahr insgesamt: 78 Prozent der Industriebetriebe erwarten einen Rückgang, im Einzelhandel sind es 57 Prozent. Im Bereich der Reisewirtschaft, dem Gastgewerbe und der Kultur- und Kreativwirtschaft sind fast alle Unternehmen betroffen. In den drei zuletzt genannten Bereichen erwarte man zu einem ganz großen Teil sogar Umsatzrückgänge von über 50 Prozent.

Neben den Nachfrageausfällen zählen stornierte Aufträge, Mitarbeiterausfälle und logistische Engpässe bei Zulieferprodukten derzeit zu den häufigsten Auswirkungen der Corona-Krise. Als Reaktion auf die Pandemie müssten viele Betriebe (44 Prozent) geplante Investitionen verschieben oder komplett streichen. 41 Prozent würden sich gezwungen sehen, Kosten zu senken, 15 Prozent bauen Personal ab. Gleichzeitig ist die Krise Anlass für viele Unternehmen, stärker auf die Digitalisierung zu setzen (29 Prozent) sowie ihre Online-Präsenz und Online-Kundenbindung auszubauen (ebenfalls 29 Prozent). Ein Fünftel der befragten Betriebe stellt ganze Geschäftsmodelle um.

Staatliche Hilfen helfen nur bedingt weiter

Wirft man einen Blick auf einzelne Branchen, zeigt sich, dass gerade in der Industrie Investitionen entweder aufgeschoben oder gestrichen werden und Rationalisierung dominiert. Im Einzelhandel liegt der Fokus bei der Hälfte der Unternehmen auf dem Ausbau der Online-Aktivitäten. Die stärksten Abstriche bei ihren Investitions- und Personalplänen nehmen die Betriebe der Verkehrswirtschaft, der Reisewirtschaft und des Gastgewerbes vor.

Die Auswirkungen der Pandemie zeichnen sich auch in den Bilanzen ab. Rund 35 Prozent der Umfrageteilnehmer berichten von einem Rückgang ihres Eigenkapitals. Trotz staatlicher Hilfen kämpfen etliche Betriebe mit Liquiditätsproblemen (24 Prozent) oder beklagen zunehmende Forderungsausfälle (acht Prozent).

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Insgesamt sehen sich rund acht Prozent der Betriebe in Konsequenz von einer Insolvenz bedroht. Von den Unternehmen, die eine Insolvenz befürchten, rechnen etwa 40 Prozent damit, den Geschäftsbetrieb nur noch maximal drei Monate aufrechterhalten zu können. Mehr als jedes zweite Unternehmen der Reisewirtschaft sieht sich von einer Insolvenz bedroht, im Gastgewerbe ist es jedes vierte Unternehmen, im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft etwa jedes fünfte Unternehmen.