Meinung

Kommentar zum Bericht über den Missbrauch: Beschämend

R
Redaktion
Redakteur Rolf Goeckel kommentiert die Ergebnisse des Berichts über die sexuelle Belästigung eines ehemaligen Bezirkdekans.

Redakteur Rolf Goeckel kommentiert die Ergebnisse des Berichts über die sexuelle Belästigung eines ehemaligen Bezirkdekans.

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Vertuschen und Verschweigen, Schutz für Täter und Kirche, aber nicht für das Opfer - die Untersuchungskommission für den Fall des Pfarrers Winfried Roth enthüllt erschreckende Zustände innerhalb des Bistums Limburg. Zehn Jahre hat es gedauert, bis sich das Bistum dazu durchringen konnte, das Verhalten ihres Geistlichen auch nur zu missbilligen.

Und die 2016 gezogenen Konsequenzen waren bestenfalls lauwarm: 1000 Euro als „tätige Reue“ und eine „Ermahnung“, Frauen gegenüber Distanz zu wahren wurden dem Pfarrer auferlegt. Es kam aber noch schlimmer: Gerade einmal vier Jahre später wird der Täter sogar belohnt, indem ihn der Bischof zum Bezirksdekan befördert. Und das, nachdem Bätzing dem Geistlichen nur Monate zuvor einen Tadel erteilt hat. Ja geht es noch zynischer? Für die betroffene Frau muss der Umgang mit ihrem einstigen Belästiger wie Hohn vorgekommen sein. Zu einem Zeitpunkt, an dem die katholische Kirche vor dem Hintergrund unzähliger Missbrauchsfälle eigentlich sensibilisiert für den Umgang mit diesem Thema sein sollte. Doch offenbar fällt es auch im Bistum Limburg, das sich sonst gerne liberal gibt, schwer, sich von alten Verhaltensmustern zu lösen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen die Forderung der Untersuchungskommission beherzigen und in Zukunft Nulltoleranz gegenüber übergriffigen Geistlichen walten lassen. Es kann und darf nicht sein, dass die Opfer - wie im vorliegenden Fall - in die Rolle von Störenfrieden gedrängt werden, die vermeintlich das der Kirche beschmutzen.

Das ist beschämend! Das Beispiel des Erzbistums Köln sollte den Verantwortlichen in Limburg als abschreckende Mahnung dienen. In Köln läuft seit Monaten eine „Abstimmung“ über das Verhalten eines offenbar uneinsichtigen Kardinals Wölki. Tausende Gläubige haben ihrer Kirche bereits den Rücken gekehrt. Soweit wie in Köln ist es in Limburg nicht. Und immerhin gibt das reuige Verhalten von Bischof Bätzing unmittelbar nach Bekanntwerden des Belästigungsvorwürfe Anlass zur Hoffnung auf die Lernfähigkeit zumindest eines Teils der katholischen Kirche. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Lerneffekt eines Tages auch ohne den Druck der Öffentlichkeit sichtbar würde.