Lastwagenvorfall in Limburg war kein Terroranschlag

aus Amokfahrt in Limburg

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Der Lkw-Vorfall von Limburg war laut Polizei kein Terrorakt. Archivfoto: dpa

Im Rahmen der Limburger Stadtverordnetenversammlung gab Polizeipräsident Stefan Müller bekannt, dass keine Terrorismusabteilung mehr in die Ermittlungen zu diesem Fall...

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LIMBURG. Der Lkw-Vorfall am 7. Oktober auf der Limburger Schiede war das beherrschende Thema der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Limburg am Montagabend. Stefan Müller, Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Westhessen und Kriminaldirektor Frank Göbel, Leiter der Polizeidirektion Limburg-Weilburg, nahmen ausführlich zu den Ereignissen Stellung. Ihre wichtigste Nachricht an diesem Abend: Es war kein Terroranschlag. Der 32-jährige Syrer, der mit dem gekaperten Lkw auf mehrere Fahrzeuge aufgefahren war, habe aus persönlichen Motiven gehandelt, so die derzeitigen Erkenntnisse der Ermittler.

Göbel fasste den Tattag noch einmal zusammen: Um 17.15 Uhr sei an jenem Montag die Meldung eines Verkehrsunfalles bei der Polizei eingegangen. Sieben Minuten später seien die Beamten vor Ort gewesen.

Wegen des Ausmaßes des Unfalles seien über die Limburger Einsatzkräfte hinaus auch Kollegen aus Diez sowie der Bundespolizei gerufen worden, außerdem Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Rettungsdienste. Insgesamt waren laut Göbel etwa 150 Kräfte im Einsatz, darunter 13 Beamte der Bundespolizei.

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Der mutmaßliche Täter habe unmittelbar nach der Tat festgenommen werden können. Alle Verletzten, neben dem mutmaßlichen Täter hatten acht weitere Menschen Verletzungen erlitten, konnten laut dem Leiter der Polizeidirektion recht bald nach dem Vorfall wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Ein Detail des Abends konnte bislang nicht geklärt werden: Dem eigentlichen Fahrer des Lkw sei es, nachdem er von dem 32-Jährigen überwältigt worden war, noch gelungen, den Zündschlüssel abzuziehen. Warum der Syrer den Lkw dennoch in Gang setzen konnte, sei weiterhin unklar.

Polizeipräsident Müller betonte, man habe den Vorfall sehr ernst genommen. So sei dieser auch zunächst als möglicher terroristischer Anschlag eingestuft worden. Die Ermittlungen hätten aber ergeben, dass der mutmaßliche Täter keine Verbindung in die islamistische Szene habe, es habe sich vielmehr um einen Einzeltäter mit persönlichen Motiven gehandelt.

Der Vorgang sei deshalb wieder an die Limburger Polizei und die Limburger Staatsanwaltschaft zurückverwiesen worden. Müller betonte ausdrücklich, dass damit keine Terrorismusabteilung mehr in den Fall involviert sei. Entgegen anderer Behauptungen habe es in diesem Fall keine Nachrichtensperre gegeben. Wichtig sei aber bei derartigen Ermittlungen, dass die Meldungen sich rein auf Fakten beschränken. "Die Polizei darf nicht spekulieren", sagte er. So sei dieser Fall sehr schnell mit den Vorfällen von Berlin oder Nizza assoziiert worden, wofür es keine Grundlage gegeben habe. Auch zum Schutz der Beamten und, um etwaige Netzwerke beziehungsweise Hintermänner nicht zu warnen, dürften zu einem frühen Zeitpunkt nicht immer gleich alle Informationen an die Öffentlichkeit geben werden.

Der Präsient zog am Montagabend das Resümee, dass der Rettungseinsatz vorzüglich funktioniert habe. "Der Täter kommt nicht aus Limburg und hat auch in Limburg vorher keine Straftat begangen. Wir hatten aber Glück, dass niemand zu Tode gekommen ist," so Müller. Eine derartige Tat könne jede deutsche Stadt treffen. Er habe großes Verständnis für die Betroffenheit und die Angst in der Bevölkerung. "Wir müssen dem Rechnung tragen. Daher ist es wichtig, dass die Polizei im öffentlichen Raum wahrgenommen wird", schloss Müller seine Ausführungen.

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Mit Blick auf das Oktoberfest sagte Göbel, dass sich die Gefährdungslage durch den Lkw-Vorfall nicht verändert habe, allerdings könne man nicht ausschließen, dass eine solche Tat ein Impuls für Trittbrettfahrer sein könne. "Polizei und auch das Ordnungsamt werden beim Oktoberfest verstärkte Präsenz zeigen und wir werden Lkw-Sperren aufbauen", kündigte er an. Sowohl Limburgs Bürgermeister Marius Hahn (SPD) als auch Stadtverordnetenvorsteher Stefan Muth (CDU) dankten, auch im Namen der Limburger Bürger, allen Einsatzkräften und den Bürgern für geleistete Erste Hilfe. Muth bezeichnete die Arbeit der Polizei als besonnen und Hahn sagte: "Das war vorbildlich".

Von Andreas E. Müller