Leben im Heim: Wenn uns Corona nicht loslässt

Für die Mitarbeiter (und auch für Besucher) gilt in Seniorenheimen seit 1. Oktober eine FFP 2-Maskenpflicht. Und auch Tests sind Pflicht.       Symbolfoto: Bernd Weißbrod/dpa

Draußen das normale Leben, drinnen Corona-Regeln: Die FFP-2-Maske ist in Pflegeheimen für Mitarbeiter wieder Vorschrift. Wie lebt es sich damit? Ein Blick nach Limburg-Weilburg.

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LIMBURG-WEILBURG. Die Mitarbeiter tragen Masken und werden regelmäßig getestet, Besucher dürfen nur rein, wenn sie einen negativen Schnelltest vorzeigen, die FFP-2-Maske ist ebenfalls Pflicht. Und trotzdem sind gleich fünf Bewohner im Senioren-Zentrum Lahnblick in Villmar an Corona erkrankt. Zum Glück nicht schwer: "Alle haben kaum Symptome", sagt Isabell Kunkler, die Pflegedienstleiterin des Senioren-Zentrums. Aber sie müssen isoliert werden.

Zwei Mitarbeiter sind ebenfalls infiziert und in Quarantäne; die Infektionswege nachzuvollziehen ist schwierig. "Wir können uns den Ausbruch nicht erklären", sagt Isabell Kunkler. Zumal im Haus seit Monaten strengere Regeln gelten als vorgeschrieben. Auch im Sommer, als die Landesverordnung noch auf die Eigenverantwortung der Menschen setzte, galt im Haus Lahnblick Test- und FFP-2-Maskenpflicht, immer und überall. "Wir haben die Regeln nie gelockert", sagt Isabell Kunkler.

"Die weitgehenden Einschränkungen für Pflegeheime sind nur schwer nachvollziehbar, wenn ansonsten alles offen ist."

Othmar Hicking, Leiter Abteilung Seniorendienste beim Caritasverband für den Bezirk Limburg

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Seit 1. Oktober ist die FFP-2-Maske für Mitarbeiter und Besucher wieder ganz offiziell und in allen Pflegeeinrichtungen Pflicht. "Über die Notwendigkeit und Angemessenheit dieser vom Bundesgesetzgeber abgeordneten Pflicht darf man getrost streiten", sagt Othmar Hicking, der Leiter der Abteilung Seniorendienste beim Caritasverband für den Bezirk Limburg. Sechs Senioreneinrichtungen betreibt die Caritas im Landkreis, insgesamt 280 Plätze für stationäre Pflege. Und im Moment habe sie keinen Corona-Ausbruch zu verzeichnen, der letzte sei schon Monate her, sagt Othmar Hicking. "Damit sind wir ganz glücklich und zufrieden."

Aber natürlich seien immer mal einzelne Mitarbeiter in Quarantäne, sagt Othmar Hicking. Weil sie nach ihrer Arbeit längst wieder am ganz normalen Leben teilnehmen. "Die weitgehenden Einschränkungen für Pflegeheime sind nur schwer nachvollziehbar, wenn ansonsten alles offen ist." Aber selbstverständlich werden die Vorschriften umgesetzt. "Wir müssen die Versorgungssicherheit gewährleisten."

Eigenverantwortung nehmen nicht alle ernst

Trotzdem hofft Othmar Hicking noch, dass die Landesregierung Vorschriften erlässt, die von den Bundesvorschriften abweichen, trotzdem sei er sehr froh darüber, dass die zuständige Heimaufsicht, also das Regierungspräsidium Gießen, am 29. September entschieden habe, dass die FFP-2-Maskenpflicht nur gilt für "Personen, die tätig werden", also für die Mitarbeitenden, und für Besucher. Für die Bewohner nicht.

In den Zimmern und den Gemeinschaftsräumen, also den "Räumen für die individuelle Lebensentfaltung", seien die Bewohner von der Maskenpflicht ausgenommen, heißt es in dem Schreiben. Und natürlich müssen Kinder und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine FFP-2-Maske tragen können, auch keine aufsetzen. Aber einen Test müssen auch sie vorzeigen.

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Das gilt auch im Awo-Sozialzentrum Hadamar. Allerdings gilt dort nach wie vor: Der Test ist zwar Vorschrift, wird aber nicht mehr kontrolliert, jedenfalls nicht seriell. "Wir setzen seit Juni auf die Eigenverantwortung der Menschen", sagt Iris Bausch-Berg, die Leiterin des Awo-Sozialzentrums. Deshalb sind die Besuchszeiten nicht mehr eingeschränkt, deshalb gibt es keinen offiziellen Desinfektionsdienst und keine Einlasskontrolle. Aber seit August wird wieder kontrolliert, zumindest stichprobenartig. Das müsse sein, sagt Iris Bausch-Berg. "Wir haben die Erfahrung machen müssen, dass viele Menschen keine Verantwortung übernehmen."

Wer ohne Test erwischt wird, wird angezeigt und ins Testzentrum geschickt oder an die Teststation am Haus. Dort, wo sich die Mitarbeiter jeden Tag zu Dienstbeginn testen müssen, wo auch die Bewohner einmal in der Woche getestet werden.

Zurzeit sei das Seniorenzentrum coronafrei, sagt Iris Bausch-Berg. "Auch durch die ersten beiden Jahre sind wir sauber durchgekommen." Nur die Omikron-Variante hat die Einrichtung nicht verschont. "Wir hatten einige leichte Fälle." Aber es seien zwei Bewohner an den Folgen der Infektion verstorben. Die ersten fünf Tage hätten sie kaum Symptome gehabt, aber dann seien die Sauerstoffwerte rapide abgefallen. Aber auch diese beiden Todesfälle hätten bei einigen Menschen nichts bewirkt, immer noch versuchten einige Besucher, sich ohne Test ins Haus zu schleichen.

Acht infizierte Bewohner in Limburg-Diez

Vielen Menschen sei offenbar nicht bewusst, was passieren kann. "Vermutlich erst, wenn sie betroffen sind."

Was das bedeuten kann, erfahren gerade die Klienten der Lebenshilfe Limburg-Diez. In einem Wohnhaus in Limburg gibt es gleich acht infizierte Bewohner. Alle sind geimpft, alle nicht schwer krank. Und doch ist die Isolationspflicht für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung noch einmal eine besondere Herausforderung. Genauso wie für die Mitarbeiter. Das Kollegium sei gerade besonders gefordert, sagt Mathias Korn-Kinkel, der Sprecher der Lebenshilfe. "Zusätzliche Belastungen ergeben sich durch das Tragen von Schutzausrüstung und Einhaltung der Hygienemaßnahmen."

Ausbruch in Lebenshilfe-Wohnhaus

Zum Glück verhielten sich die Bewohner umsichtig und entspannt. Aber natürlich sei die Situation durch Corona nicht einfacher geworden - weder für die Klienten noch für das Lebenshilfe-Team. "Die Kollegen und Kolleginnen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Infektionsschutz und familiärer Atmosphäre", sagt Mathias Korn-Kinkel.

Dazu gehört, dass die Mitarbeitenden seit mehr als zweieinhalb Jahren während der Dienstzeit FFP-2-Maske tragen und sich regelmäßig testen lassen - jetzt wieder drei Mal pro Woche. Dazu gehört auch, dass die Klienten zwar drei Mal pro Woche getestet werden, aber in ihrem Zuhause keine Maske tragen müssen und ansonsten wieder am ganz normalen sozialen Leben teilnehmen können. Mit allem, was dazugehört - auch dem Infektionsrisiko. "Die Freiheit der Klienten steht im Vordergrund." Deshalb könne es, wie bei jedem anderen Menschen auch, zu einer Ansteckung kommen, sagt Mathias Korn-Kinkel. Und: "Eine Nachvollziehbarkeit der Infektion ist schon lange nicht mehr mit Sicherheit gegeben."

Von Sabine Rauch