Limburg: So weit sind die Planungen fürs größte Wohnbaugebiet

Zwischen den Betonresten eines früheren Flughafengebäudes am südlichen Stadtrand öffnet sich der Blick auf einen Teil der Grünfläche in Blumenrod, die die Stadt Limburg für Familien bebauen lassen will.

Am südlichen Stadtrand sollen in den kommenden zehn Jahren bis zu 600 neue Wohnungen entstehen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen das aus ihrer Sicht viel zu große Projekt.

Anzeige

Limburg. Wenn in Limburg von den Wohnbaugebieten Blumenrod V und VI die Rede ist, geht es faktisch um einen neuen Stadtteil. Am südlichen Stadtrand mit Blick auf den Mensfelder Kopf sollen in den nächsten zehn Jahren bis zu 600 Wohnungen gebaut werden. Die große Mehrheit der Stadtverordneten unterstützt das größte Wohnbauprojekt der Stadt, eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen das Ausmaß. Noch am gestrigen Freitagabend sammelten die Gegner Unterschriften. Wie ist der Stand der Planungen?

„Der Offenlegungsbeschluss des Bebauungsplans soll in der zweiten Jahreshälfte von der Stadtverordnetenversammlung gefasst werden, mit dem Satzungsbeschluss ist dann ein gutes Jahr später zu rechnen, sofern das Verfahren relativ zügig verläuft“, teilt der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, auf Anfrage mit. „Mit dem Satzungsbeschluss erlangt der Bebauungsplan dann Rechtskraft und die einzelnen Fachplanungen können beginnen.“ Demnach könnten vom Jahr 2025 an die Bagger rollen.

Allerdings seien bei diesem Zeitplan Verzögerungen nicht auszuschließen, erklärt der Sprecher der Stadt. Nach der abgeschlossenen Untersuchung des Bodens sei in dem künftigen Wohngebiet sowohl von Kampfmitteln (nicht detonierte Bomben und Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg) als auch von archäologischen Vorkommen auszugehen. Wie es damit weiter geht, soll „umgehend besprochen“ werden.

Stadt hat viel Geld für den Kauf der Flächen ausgegeben

Die Frage, ob Limburg tatsächlich so viel zusätzlichen Wohnraum braucht, ist umstritten: Auf der einen Seiten stehen die Grünen und die Bürgerinitiative „Blumenrod V und VI - So nicht!”, auf der anderen Seite die Stadt selbst, die große Koalition von CDU und SPD mit Unterstützung der FDP, die zusammen auch argumentieren, die Stadt habe die Flächen einst für viel Geld gekauft mit dem Ziel, dort irgendwann Wohnraum für Familien schaffen zu können.

Anzeige

„Die Erweiterung der Bebauung von Blumenrod ist für die Stadt von enormer Bedeutung“, sagt der Sprecher der Stadt. „Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist überaus angespannt, wobei in der Stadt vor allem Wohnraum fehlt, der von jungen Familien genutzt werden kann. Das betrifft sowohl die Größe der Wohnungen wie auch aufzubringende Miete.“ Die Situation habe sich aufgrund des Ukraine-Kriegs (Flüchtlinge, Inflation, hohe Energiepreise) „noch einmal deutlich verschärft“. Natürlich seien auch in den zurückliegenden Jahren in Limburg neue Wohnungen gebaut worden. „Doch die neuen Wohnungen sind durch private Investoren errichtet worden, die mit ihren Angeboten (Miete oder Eigentum) auf eine Klientel zielen, die wirtschaftlich sicherlich über dem Durchschnitt anzusiedeln ist“, erklärt er.

Wie groß ist der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen?

Für die Bürgerinitiative, die sich nicht generell gegen die Schaffung zusätzlichen Wohnraums ausspricht, wohl aber gegen die Dimension in den Bauabschnitten V und VI, sind noch viele Fragen ungeklärt. Im Kern lautet der auch von den Grünen formulierte Vorwurf: Die Stadt habe gar keinen Überblick, wo Wohnraum leer steht, und sie wisse auch nicht, wie viel von dem prognostizierten Wohnraumbedarf durch jüngst gebaute Wohnungen abgedeckt worden ist.

Bis Ende vergangenen Jahres habe ein umfassendes Verträglichkeitsgutachten für das direkt angrenzende Vogelschutzgebiet erstellt werden sollen, mahnt die Bürgerinitiative an, aber noch sei dazu nichts veröffentlicht worden. Außerdem müsse noch ein neues Verkehrsgutachten vorgelegt werden. Über die endgültige Führung der Baustraßen seien die Anwohner ebenfalls noch nicht informiert.

Anzeige

Viele von denen, die sich heute gegen eine Erweiterung sperren, haben vor Jahren selbst in Blumenrod gebaut, ebenfalls auf landwirtschaftlich genutzten Böden.

DM
Dr. Marius Hahn (SPD) Bürgermeister von Limburg

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) appelliert derweil an die Bewohner Blumenrods, die sich mit dem Bauvorhaben schwertun. „Viele von denen, die sich heute gegen eine Erweiterung sperren, haben vor Jahren selbst in Blumenrod gebaut, ebenfalls auf landwirtschaftlich genutzten Böden“, sagt er. Und heute würden Häuser von einer oder zwei Personen bewohnt, die einmal für ganze Familien konzipiert worden seien.

Flächen werden versiegelt, „hohe Umweltstandards” gesetzt

Natürlich werde wertvolle landwirtschaftliche Fläche versiegelt, räumt der Bürgermeister ein, doch in keinem anderen Wohngebiet von Limburg würden „solch hohen Umweltstandards” umgesetzt wie in der vorgesehenen Erweiterung von Blumenrod. Dies betreffe unter anderem den Umgang mit Regenwasser, das Konzept, Autos zentral abzustellen, eine gute Busanbindung und den Anschluss an ein Blockheizkraftwerk.

Die Bürgerinitiative beharrt jedoch darauf, dass die „kritischen Punkte“ mit den Bürgern gemeinsam besprochen werden, „bevor der nächste Verfahrensschritt kommt“. Es solle ein „Moratorium“ auf den Weg gebracht werden, also ein Innehalten, für das bis zum gestrigen Freitag Unterschriften gesammelt wurden. Nach Angaben der Bürgerinitiative ist die Fraktion der Grünen bereit, in die nächste Stadtverordnetenversammlung einen solchen Antrag einzubringen.