Limburg: Schwierige Suche nach neuen Gastronomen für Bürgerhäuser

Nein, der Ortsvorsteher von Ahlbach, Heinz Nettesheim (CDU), ist nicht der neue Gastronom im Bürgerhaus. Aber dass nach jahrelangem Leerstand hier endlich wieder der Zapfhahn läuft und die Küche nebenan Essen ausgibt, ist nicht nur sein sehnlichster Wunsch.

In den sieben Stadtteilen von Limburg gibt es nur noch ein Bürgerhaus mit eigener Gastronomie. Warum fällt es der Stadt so schwer, neue Pächter zu finden?

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Limburg. Von den sieben Stadtteilen in Limburg verfügt nur noch Staffel über eine Gastronomie im Bürgerhaus, während in den Dorfgemeinschaftshäusern in Ahlbach, Dietkirchen, Offheim und Lindenholzhausen die Küche zum Teil schon seit mehreren Jahren kalt bleibt. Die Stadt hat aus verschiedenen Gründen bislang keine Nachfolger finden können. Die Ortsvorsteher wünschen sich aber nichts sehnlicher als das, weil es in den Orten entweder nur noch wenige oder gar keine Gaststätten mehr gibt.

„Der Pachtvertrag im Bürgerhaus Ahlbach wurde unsererseits aufgrund unzureichender Pächterqualität bereits im Jahr 2015 gekündigt“, teilt der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, mit. „Im Dorfgemeinschaftshaus Dietkirchen beendete unsere langjährige Pächterin den Vertrag im Jahr 2020 durch die aufkommende Corona-Pandemie in Verbindung mit ihrem Lebensalter. Auch der Pächter des Bürgerhauses in Lindenholzhausen beendete das Pachtverhältnis mit seinem Renteneintritt im Jahr 2021.“ Aktuell seien die hohen Energiekosten sowie eine zugespitzte Personallage wesentliche Gründe dafür, „dass die Pächtersuche sehr schwierig ist und vorerst auch so bleiben wird“, erklärt Laubach.

Nur in Offheim zeichnet sich eine gastronomische Nutzung ab

„Was in Dietkirchen fehlt, ist eine Gastronomie im Bürgerhaus, wo ich auch mal Besuch ausführen kann, um ein Schnitzel zu essen, wo sich Gruppierungen und Vereine treffen und Familienfeiern stattfinden könnten“, sagte erst kürzlich der Ortsvorsteher von Dietkirchen, Markus Wirth (CDU), in einem Interview mit dieser Zeitung mit Blick auf eine einzige kleine Kneipe im Ort. Er verband diese Aussage im Dezember mit Kritik an der Stadt, dass – anders als in Offheim – in Dietkirchen zu wenig passiert, um dort wieder eine Gastronomie im Dorfgemeinschaftshaus anzusiedeln.

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„Lediglich im Stadtteil Offheim zeichnet sich eine künftige gastronomische Nutzung ab“, räumt der Sprecher der Stadt ein. Nach seinen Angaben hat der bisherige Pächter im Bürgerhaus Offheim im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen die Gastronomie aufgegeben. Die Stadt plant nun eine Modernisierung der Gaststube inklusive der Küche. Denn, wie der Sprecher weiter erklärt, eine gastronomische Nutzung in den Bürgerhäusern Ahlbach, Dietkirchen und Offheim sei künftig nur möglich, wenn die jeweiligen Küchenbereiche saniert und modernisiert werden; das gelte auch für die jeweiligen Gasträume. Für diese Küchen gelte kein Bestandsschutz mehr, seitdem die Pächter aufgehört haben.

Die bisherigen öffentlichen Ausschreibungen für einen gastronomischen Betrieb im Bürgerhaus Lindenholzhausen im Frühjahr 2021 und erneut im Herbst 2022 führten zu keinen brauchbaren beziehungsweise zu keinen Bewerbungen, obwohl wir vor Ort unter anderem eine moderne Küche anbieten können.

JL
Johannes Laubach Sprecher der Stadt Limburg

Grundsätzlich sei die gesamte Entwicklung der Gastronomie schwierig, was durch die Pandemie noch verstärkt worden sei, sagt Laubach. In den Bürgerhäusern sei diese Entwicklung schon seit Jahren zu beobachten. „Das Bürgerhaus in Offheim war letztlich das einzige Bürgerhaus, in dem der dortige Pächter die Gastronomie hauptberuflich und als alleinigen Erwerbsbetrieb mit Familienangehörigen betrieben hat.“ In Offheim ergebe sich durch die Nutzung des Hallenbads sowie die kontinuierliche Belegung der Halle 2 als Tischtennishalle „ein hoher Anteil an potenziellen Kunden, die einen gastronomischen Betrieb vielleicht noch ermöglichen“.

Wie schwer es aus Sicht der Stadt ist, einen Pächter zu finden, zeigt sich in Lindenholzhausen. „Die bisherigen öffentlichen Ausschreibungen für einen gastronomischen Betrieb im Bürgerhaus Lindenholzhausen im Frühjahr 2021 und erneut im Herbst 2022 führten zu keinen brauchbaren beziehungsweise zu keinen Bewerbungen, obwohl wir vor Ort unter anderem eine moderne Küche anbieten können“, erklärt Laubach. „Die Pächtersuche wurde nach unserer Auffassung durch die über zweijährige Corona-Pandemie unmöglich und hat der ganzen Branche massiv zugesetzt.“

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Seniorennachmittage ohne Bewirtung nicht möglich

Das weiß auch die Ortsvorsteherin von Lindenholzhausen, Barbara Bäcker (CDU). Aber es gebe viele Vereine, die das Bürgerhaus regelmäßig nutzen, allen voran die Gesangsvereine, die dort nach ihren Proben gerne noch in der Gaststube verweilen würden; Seniorennachmittage abzuhalten, sei ohne eine Bewirtung an Ort und Stelle nicht möglich. „Eine Gastwirtschaft im Bürgerhaus ist sehr wichtig für unseren Ort“, sagt die Ortsvorsteherin, das sei auch die Auffassung des Ortsbeirats in Lindenholzhausen.

Der Ahlbacher Ortsvorsteher Heinz Nettesheim (CDU) wünscht sich ebenfalls für seinen Ort sehnlichst eine Wiederbelebung der Gastronomie im Bürgerhaus. Er zeigt die Räumlichkeiten und auch die veraltete Küche, in der noch immer Fettgeruch in der Luft liegt. Dass sich dort noch nichts getan hat, liegt vor allem daran, dass das Bürgerhaus in Ahlbach in Gänze saniert werden muss, inklusive Gaststube und Küche. Die Planungen dafür hat die Stadt auf das nächste Jahr verschoben, sehr zum Leidwesen des Ortsbeirats. „Eine Gastronomie im Bürgerhaus ist für Ahlbach als sozialer Treffpunkt sehr wichtig“, sagt Nettesheim. Es gebe nur noch eine Gaststätte im Ort.