Wie geht es dem Runkeler Wald?

Die Runkeler Stadtverordneten machen sich ein Bild vom Zustand des Waldes. Foto: Kerstin Kaminsky

Die Stadtverordneten haben sich bei einem Waldbegang ein Bild von Dürreschäden und dem Stand der Wiederaufforstung gemacht. Auch die Natur selbst weiß sich zu helfen.

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RUNKEL. Wie steht es um den Runkeler Wald? Wie wurden die Fördermittel verwendet? Wie entwickeln sich die Neuanpflanzungen? Zu diesen und anderen Fragen haben sich die Parlamentarier mit Revierförster Ralf Heukelbach und Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) zu einem Waldbegang getroffen. Forstamtleiter Jörg Ahner sowie Timo Duda und Marcel Müller vom Runkeler Forstbetrieb waren ebenfalls dabei.

Boden ist dicht von Jungpflanzen bedeckt

Der Runkeler Stadtwald umfasst etwa 1000 Hektar; mehr als ein Zehntel gilt als Schadfläche. 15 Hektar wurden bislang neu bepflanzt. Finanziert wurde das mit 100 000 Euro aus der Bundeswaldprämie.

Trotz guter Winterniederschläge ist der Grundwasserspiegel noch zu niedrig, beklagte Heukelbach. Doch immerhin sind die oberen Bodenschichten gut durchfeuchtet, sodass es den 24 000 neu gesetzten Bäumchen gut geht. Das Gros dieser Arbeit übernahmen Lohnarbeiter. Etwa 1500 Bäume wurden bei Bürgeraktionen gepflanzt. "Pro Jahr können wir fünf bis sechs Hektar aufforsten", erklärte der Förster. Nun gehe es darum, die Flächen zu pflegen und zu erhalten.

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Nach den Dürrejahren 2018 bis 2020 ist die Fichte aus dem hiesigen Wald nahezu verschwunden. Fachleute befürchten ein zeitversetztes Baumsterben bei den Buchen, weil die wichtigen Wasserspeicher in der Tiefe noch nicht wieder gefüllt sind. Als Ersatz bietet sich die Eiche an.

So war die erste Station des Waldbegangs eine 0,75 Hektar große Fläche, auf der einst Fichten standen. "Die wurden nur 40 Jahre alt, das ist eigentlich viel zu jung für die Verwertung", erklärte Timo Duda. Traurig sei zudem, dass der Holzpreis eine Zeit lang im Keller war. Seit dem Ukraine-Krieg gewinne der Rohstoff Holz allerdings wieder an Bedeutung.

Die Fläche wurde im März mit 7300 Traubeneichen neu bepflanzt und zum Schutz vor Rehen umzäunt. "Hier haben wir bislang 15 700 Euro investiert", so der Fachmann. Zählt man die Kosten der weiteren Pflege mit, werden es bis zum Ende des dritten Jahres 25 000 Euro sein. Ehe sich jedoch mit diesen Eichen Geld verdienen lässt, vergehen viele Jahrzehnte. Auf einem weiteren Waldstück, das sich die Stadtverordneten ansahen, sorgt die Natur selbst für den Nachwuchs. Die dort stehenden alten Eichen ließen zigtausend Samen fallen, und nun ist der Boden von Jungpflanzen dicht bedeckt. Es sei übrigens auffällig, dass Buche und Eiche erneut üppig blühen, bemerkte der Förster "Gab es früher nur alle sieben bis acht Jahre Vollmast, taucht sie derzeit fast ständig auf", wundert er sich. Eventuell sei das eine Stressreaktion.

"Kann man die hier wachsenden Bäumchen nicht für Freiflächen verwenden?", wurde Heukelbach gefragt. "Wir haben es versucht, aber die Pflanzen wurzeln bereits im zweiten Jahr so tief, dass man sie nicht mehr rauskriegt", sagte er. Auch mache es wenig Sinn, die Eicheln auf den Freiflächen auszusäen, denn beim Mähen ließe sich erwünschter und unerwünschter Bewuchs nicht unterscheiden.

Nadelbäume sind Lebensraum für viele Tiere

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Auf dem zwecks Naturverjüngung eingezäunten Areal hat die Natur den ersten Schritt gemacht, nun müsse der Mensch ran und durch eine vorsichtige Öffnung des Kronendaches das Licht steuern, erklärte Forstamtsleiter Ahner. Auch müssen die sich dort angesiedelten Buchen und Ahorne rausgezupft werden. "Dafür vergeben wir sehr gern Ferienjobs", fügte er an.

Dritte Station des Waldbegangs war eine Kulturfläche, auf der verschiedene Nadelbäume angepflanzt wurden - auch die Fichte, denn sie sorgt dafür, dass schnell ein Waldklima entsteht. "Weißtanne ist für Rehe noch schmackhafter als Eiche", weiß Marcel Müller. Beim Schutz der jungen Bäume vor Verbiss und dem sogenannten Fegen des Rehbocks versuche man vermehrt, auf Plastik zu verzichten. Ob sich die Weißtanne letztendlich bei uns wohlfühlt, bleibt abzuwarten. Denn es dauert bis zu 40 Jahre, ehe sie Zapfen trägt. Aber schließlich habe sich auch die große Küstentanne in Deutschland etabliert.

Bei der Douglasie hat die Migration ebenfalls geklappt. "Dieser Baum ist wirtschaftlich hochinteressant", erklärt Heukelbach. Sie wächst schneller als die Fichte, ist aber nicht so windanfällig und braucht weniger Wasser.

Obwohl Eiche und Buche die urtümlichen Bäume unserer Region sind, wolle man auch in Zukunft nicht ganz auf Nadelhölzer verzichten. Denn sie sind Lebensraum für viele Tiere und Insekten. Auch manche Vogelarten, wie beispielsweise der Fichtenkreuzschnabel ziehen Nadel- oder Mischwälder den Laubwäldern vor.