Café "Zeitsprung" will bei Fragen zu Demenz weiterhelfen

Es gibt noch viel vor der Eröffnung zu tun, aber Carola Graf (v.l.), Franziska Schütz-Diehl, Eva Maria Endruweit und Jennifer Geiss packen mit an. Foto: Sabine Gorenflo

Auf einen Kaffee zur Demenzberatung - dieses Angebot für Betroffene und Angehörige wollen Eva Maria Endruweit und ihre Mitstreiterinnen in der Weilburger Niedergasse 1 realisieren.

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. WEILBURG. Das ehemalige Café Mühle in der Weilburger Niedergasse 1 soll - sobald die Corona-Beschränkungen gelockert werden - unter neuem Namen und mit neuer Leitung wieder öffnen. Im Café "Zeitsprung" gibt es dann nicht nur Kaffee, Kuchen und Snacks: Eva Maria Endruweit, ihre Schwester Franziska Schütz-Diehl und Carola Graf bieten einen Anlaufpunkt zum Austausch über die Pflege von Demenzkranken. Zudem werden Seminare und Fortbildungen zu Pflegewissen und Gesundheitsberufen angeboten. Den Cafébetrieb übernimmt Jennifer Geiss. Mit an Bord ist auch Maskottchen Silenzio, das viel über Weilburg erzählen kann.

"Es soll ein Wohlfühlcafé zur schnellen Selbsthilfe, zu Austausch und Beratung bei Versorgungsproblemen, Pflege und Demenz entstehen", sagt die neue Betreiberin.

Endruweit ist gelernte Krankenschwester und studierte Management im Gesundheitswesen. Auch ihre Schwester ist Krankenschwester und Heilpraktikerin. "Beim Thema Demenz und dem Umgang mit der Krankheit gibt es viele Fragen, deshalb möchten wir eine Anlaufstelle anbieten, bei der die Hemmschwelle sehr gering ist", sagt Endruweit. Aus Erfahrung wisse sie, dass die Menschen nicht so gerne bei einer Behörde nachfragen. Beide wollen einen niedrigschwelligen Zugang für Angehörige und Betroffene schaffen, damit diese schnelle, zielgerichtete Hilfe erhalten. "Diskret und in gepflegter, gemütlicher Atmosphäre - ohne Termin und weite Wege helfen wir sofort weiter", erklärt Endruweit das Konzept.

Im Zusammenhang mit demografischen Veränderungen und stark ansteigender Demenzerkrankungen werde die häusliche Versorgung und Pflege zur Herausforderung für Betroffene und Angehörige im ländlichen Raum. Daher biete das Konzept einen unverfänglichen Erstzugang für Betroffene und Angehörige im Umgang mit Pflegeproblemen im Alltag, so Endruweit. "Das Café bietet einen unverfänglichen Rahmen und verbindet gemütliches Ambiente mit einem zielgerichteten, modernen Beratungs- und Schulungsangebot professioneller Pflege, anbieterneutral und an aktuellsten Standards ausgerichtet", erläutert Endruweit. Das Thema Demenz brauche Sensibilisierung und Enttabuisierung beispielsweise durch mehr öffentliche Präsenz.

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"Bürokratische Hürden und auch fehlendes Wissen im Umgang mit Pflege- und Versorgungsproblemen überfordern zunehmend die Gesellschaft", sagt Endruweit. Komplizierte Antragswege, Zuständigkeiten, lange Wartezeiten für Arzttermine und Überforderung im Umgang mit dem Beginn von Pflege in der häuslichen Versorgung würden immer mehr alltäglich, beobachten die beiden Expertinnen. Vor allem bei Erinnerungsschwächen herrschten große Ängste und Unsicherheiten bei Betroffenen und im persönlichen, aber auch professionellen Umfeld. "Was ist richtig? Was ist falsch? Was kann man tun? Werde ich entmündigt?" - alle diese Fragen kämen mit Denken an die Diagnose Demenz auf. Demenz mache Angst, Scham und stille Verzweiflung. "Jeder will in Würde und Selbstbestimmung alt werden, und Pflege wird immer mehr Teil unseres Alltags, ob selbst betroffen, bei Angehörigen oder Freunden, im beruflichen Alltag oder einfach im gesellschaftlichen Umfeld", meint die Gesundheitsmanagerin Endruweit. Hilfen würden häufig viel zu spät, teils aus Unkenntnis, Angst und Scham, bürokratischer und emotionaler Überforderung aufgesucht und angenommen. Hilfsangebote seien, je nach Region, nicht existent oder langfristig finanzierbar. So entstehe ein schlimmer Kreislauf der Überforderung bei Betroffenen und Familien in emotionaler, aber auch finanzieller Hinsicht.Der Name "Zeitsprung" sei gewählt, weil das Café für alle Generationen offen sein soll. Vorerst soll das Café montags bis freitags von 11 bis 17 Uhr geöffnet sein. Das Speisen- und Getränkeangebot spiegele durch regionalen Bezug die Kultur, Dialekte und das Brauchtum der Gegend wieder, kündigen die Betreiberinnen an.

Eva Maria Endruweit ist seit drei Jahren erfolgreich als eine von 500 "Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz" im Ehrenamt engagiert und ist offizieller Demenzpartner der Deutschen Alzheimergesellschaft. Sie gründete das Startup "CarefortheONE" für Schulungen, Beratung und kommunales Gesundheitsmanagement.

Von Sabine Gorenflo