Meinung

Kommentar zur Debatte um Stolpersteine: Beschämend

VR
VRM Redaktion

Scham - das einzig angemessene Gefühl zum Stand der öffentlichen Debattenkultur in Weilburg. Inhaltlich war die Debatte im Stadtparlament stark. Es gab gute Argumente auf...

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Scham - das einzig angemessene Gefühl zum Stand der öffentlichen Debattenkultur in Weilburg. Inhaltlich war die Debatte im Stadtparlament stark. Es gab gute Argumente auf beiden Seiten. Doch nun haben Lautsprecher und Scharfmacher die Diskussion gekapert.

Ausgerechnet bei der Frage, ob Stolpersteine an die Opfer der Nazi-Zeit erinnern sollen, kommt es zur Äußerung, Pflastersteine ins Parteibüro der SPD zu werfen. Das lässt einen kalt erzittern. Es ist jeder Fehler begangen worden, den man nur begehen kann: Sachargumente mit persönlichen Fehden, Anwürfen und Mutmaßungen vermischen. Alte Rechnungen begleichen und Institutionen alle möglichen Vorwürfe machen. Parteien, Parlament, Rathaus, Presse und Vereine - alle bekommen ihren Schmutz ab. Lautstarke Akteure übertönen nun jene, die zur Mäßigung und Zusammenarbeit aufrufen.

Wo stehen wir nun? Jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen und beharrt darauf, als einziger recht zu haben. Die Perspektive des anderen einnehmen? Für manche undenkbar. Angesehene Menschen der Stadt und Institutionen sind nachhaltig beschädigt. Das Parlament hat an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ach ja, um was ging es noch mal? Das Erinnern an die Opfer der Nazi-Diktatur. Man muss es betonten, weil man es leicht übersehen kann. Geredet wird viel mehr aus der Perspektive des eigenen Egos, der Befindlichkeiten und Feindschaften.

Von Mika Beuster