Ungewöhnliche Liebe begeistert Theaterfreunde in Weilburg

Harold (Raphael Stompe) liebt exzentrische Auftritte - sein Publikum (hier: Magdalena Meier) beeindruckt das kaum noch. Foto: Margit Bach

Die Theatergastspiele Fürth zeigten in der Weilburger Stadthalle "Harold und Maude".

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. "Das Wichtigste im Leben ist: Fürchte Dich nicht, menschlich zu sein." Oder: "Was die Menschen brauchen, sind nicht Mauern, sondern Brücken." Worte, die mitten ins Herz treffen und das Theaterstück "Harold und Maude" zu einem besonderen Genuss machten.

Am Donnerstag war das Ensemble der Theatergastspiele Fürth in der Weilburger Stadthalle "Alte Reitschule" zu Gast und begeisterte mit der vom Intendanten Thomas Rohmer interpretierten Neufassung des 1971 erschienenen gleichnamigen Films 450 Besucher.

Gerade zum Jahresende, in einer Zeit der Hektik und inneren Erschöpfung, wirkte die Leichtigkeit der als "zeitlose schwarze Komödie" angekündigten Liebesgeschichte zwischen dem 18-jährigen Harold und der 80-jährigen Maude wie Seelenbalsam. Die bezaubernde Kathrin Ackermann – die tatsächlich laut Geburtsdatum 80 Jahre alt sein soll – in der Rolle der Maude, und der liebenswerte Raphael Stompe als Harold schlichen sich schnell in die Herzen der Zuschauer.

Angefangen hatte das Stück, das vor sechs Wochen in Bochum Premiere feierte, mit einer Szene, die erst einmal schockierte: auf dem Sofa sitzt Misses Chasen, Harolds Mutter, während hinter ihr der Sohn mit einem Seil um den Hals wie erhängt wirkt. Angestellte Marie – von Magdalena Meier verkörpert, die auch die weiteren vier Frauenrollen im Stück spielte – ist erschrocken, stellt aber fest, dass der Sohn des Hauses gar nicht tot ist.

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Harolds Todessehnsucht kommt in etlichen weiteren Szenen zum Ausdruck: mit dem Abhacken einer Hand etwa, dem Sprengen von Bomben oder dem Tragen von Dynamitstäben im Mund. Alles ist unglücklicher Ausdruck der vermeintlichen Ausweglosigkeit seines Lebens. Bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen – dem Besuch von Beerdigungen – lernt er Maude kennen. Die alte Dame sprüht vor Lebensfreude und Einfallsreichtum: Am Besten solle man versuchen, auf allzu viel Moral zu verzichten, denn dann mache alles mehr Spaß.

Bevor Maude Harold zur Lebensfreude verhalf, hatte Dr. Matthew alias Sebastián R. Delta vergeblich versucht, den todessehnsüchtigen jungen Mann zu therapieren. Delta verkörperte weiterhin Inspektor Bernard und ein Walross. Der Inspektor wiederum ist hinter Maude her, weil die es mit dem Gesetz nicht immer so genau nimmt. Die Rollen von Pater Finnegan, dessen Auto sich Maude auch schon mal "ausgeliehen" hat, und eines Masseurs übernahm Fabian Rogall.