Aus dem Garten in Laubuseschbach: Das schmeckt im Spätsommer

Heidi und Reinhard Mather in ihrem Garten mit Hochbeet, Gewächshaus und Kartoffelacker.  Foto: Agathe Markiewicz

Salat, Kräuter, Tomaten, Kartoffeln, Pflaumen: Landfrau Heidi Mather öffnet für uns Garten und Küche. Und sie erklärt, warum sie auf Saisonalität und Regionalität Wert legt.

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WEILMÜNSTER-LAUBUSESCHBACH. Pflaumen, Äpfel, Kartoffeln, Tomaten, Salat: Im Spätsommer sind die Vorratskammern reich gefüllt. Doch was schmeckt jetzt besonders gut? "Vor allem schmeckt es gut, wenn es regional und saisonal ist", sagt die Ernährungsfachfrau Heidi Mather aus Laubuseschbach und öffnet für uns ihre beiden Gärten und ihre Küche.

Auf dem Küchentisch liegen in Schüsseln und auf Brettchen Blattsalate und Kräuter. Zu Blumen geschnitzte Radieschen schwimmen in einem großen Glas. Durch das Fenster, an dem der Tisch direkt steht, fällt der Blick in den Garten, wo drei Schafe sich das Gras schmecken lassen. Die Augen wandern weiter zu den sechs Bienenstöcken, die an der Hauswand ihren Platz gefunden haben.

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Ganz idyllisch ist das Elternhaus von Heidi Mather in Laubuseschbach gelegen, wo sie heute Spätsommergerichte kochen will. "Wir richten das Haus gerade als Alterswohnsitz her", erzählt die Vorsitzende des Ortsverbands Laubuseschbach beim Bezirkslandfrauenverein Weilburg. "Denn mein Mann und ich bewohnen hier in der Nähe ein riesiges Haus, das für uns beide zu groß ist."

Das Herzstück - die Küche - ist fertig und wird heute eingeweiht. Damit hat sich die Köchin einen Traum erfüllt, wie sie verrät: "Ich wollte schon immer eine rote Küche haben." Und der Raum selbst hat ebenfalls ein Herzstück - einen Holzofen, wie anno dazumal. "Er sieht aber nur aus wie ein alter Küchenherd", erzählt Reinhard Mather, der den Ofen ausgesucht hat. "Er hat alle Funktionen, die man zum Kochen, Braten und Backen benötigt." Und der Ofen punktet mit einer weiteren Eigenschaft: Sollte mal der Strom ausfallen, wäre das Paar autark.

Das Herzstück in der neuen Küche: Heidi und Reinhard Mather freuen sich über ihren Holzofen.  Foto: Agathe Markiewicz
Das Herzstück in der neuen Küche: Heidi und Reinhard Mather freuen sich über ihren Holzofen. (© Agathe Markiewicz)

Das passt zu der Einstellung des Ehepaars, dem es wichtig ist, nachhaltig und umweltbewusst zu leben. "Für uns ist es selbstverständlich, das zu verarbeiten, was der Garten hergibt", beschreibt Heidi Mather. "Wir sind bodenständig und sind es auch gewohnt, unsere eigenen Lebensmittel zu essen."

"Für uns ist es selbstverständlich, das zu verarbeiten, was der Garten hergibt. Wir sind bodenständig und sind es auch gewohnt, unsere eigenen Lebensmittel zu essen."

Heidi Mather

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Für die beiden versteht es sich von selbst, dass dabei fast ausschließlich saisonale und regionale Produkte auf den Tisch kommen. Diese holen sie entweder frisch aus dem Garten oder vom Markt. "Man unterstützt die Landwirte in der Region und wertschätzt die Lebensmittel, die hier erzeugt werden", begründet die Landfrau. "Ich habe das Gefühl, dass die Wertschätzung wegen der Übersättigung, also dass man zu jederzeit alles kaufen kann, was man will, verloren geht."

Dabei lägen die Vorteile von heimischen Produkten auf der Hand: Lange Anfahrtswege werden vermieden, eigene Ressourcen ausgeschöpft, Energie wird gespart und zudem behalten frische Lebensmittel aus der Region ihre Vitamine und Inhaltsstoffe, die importierte Erzeugnisse auf zum Teil langen Überseefahrten oft bereits verloren hätten.

Alles aus dem Garten: Salat, Kräuter, Eier.  Foto: Agathe Markiewicz
Alles aus dem Garten: Salat, Kräuter, Eier. (© Agathe Markiewicz)

Doch es gibt auch zwei Tabus, die bei Heidi und Reinhard Mather nicht auf den Tisch kommen: Ihre Schafe und ihre Hühner. Ihr Mann kenne alle seine Tiere beim Namen, er bringe es nicht übers Herz, eines zu töten, um es zu essen. "Sie sind zahm", begründet Reinhard Mather. "Und sie bekommen ihr Gnadenbrot hier bei uns."

Neben den drei Schafen im Garten weiden derzeit etwa weitere 35 Tiere in Rohnstadt. "Wir nennen sie ,unsere Gastarbeteiter'", erzählt Heide Mather lachend, "denn sie betreiben dort auf einigen Höfen Landschaftspflege."

Bevor die 59-Jährige mit dem Kochen loslegt, steht der Gang in ihren Bauerngarten an, der einige Meter weiter am Ortsrand am derzeitigen Wohnhaus des Paares liegt. Und ein Gast gesellt sich auch noch dazu: Hütehund Prinz, der Heidi und Reinhard Mather draußen nicht von der Seite weicht.

Es gibt zwei Tabus, die bei Heidi und Reinhard Mather nicht auf den Tisch kommen: Ihre Schafe und ihre Hühner.  Fotos: Agathe Markiewicz
Es gibt zwei Tabus, die bei Heidi und Reinhard Mather nicht auf den Tisch kommen: Ihre Schafe und ihre Hühner. (© Fotos: Agathe Markiewicz)

Am Hochbeet hat Heidi Mather die Salatblätter und Kräuter für die Vorspeise bereits gezupft. Ihr Mann pflückt derweil die Pflaumen für den Nachtisch vom Baum. Anschließend gräbt er noch die Kartoffeln für den Hauptgang aus. Ist das erledigt, begleitet er seine Frau ins Gewächshaus, wo sich Tomatenstrauch an Tomatenstrauch reiht. Die Pflanzen gedeihen in ausgedienten Badewannen. "Wir versuchen möglichst alles wiederzuverwenden", berichtet Heidi Mather. "Das schont die Umwelt."

Heute benötigt sie nur wenige Tomaten für die Deko. Auf dem Weg in die rote Küche steht noch ein Halt am Hühnerhaus an, wo sie für den Bauernschmaus ein paar frisch gelegte Eier aus dem Nest holt.

Bei Heidi Mather wachsen die Tomaten in alten Badewannen.  Fotos: Agathe Markiewicz
Bei Heidi Mather wachsen die Tomaten in alten Badewannen. (© Fotos: Agathe Markiewicz)

In der Küche bereitet die Köchin alles für das Drei-Gänge-Menü vor: Sie putzt die Salatblätter und Kräuter, schneidet aus den Tomaten kleine Blüten, mischt die Salatsoße in einem kleinen Einmachglas und verquirlt schon mal die Eier. Reinhard Mather entsteint währenddessen die Pflaumen. Seine Aufgabe ist es zudem, die Kartoffeln zu schälen, sobald sie gekocht und etwas abgekühlt sind.

"Das Kochen ist unsere Gemeinsamkeit", verrät Heidi Mather. "Das machen wir mit Hingabe und Leidenschaft, dabei ist mein Mann meine rechte Hand." Sie nehmen auch gern größere Herausforderungen an und kochen dann zum Beispiel für bis zu 80 Personen im Ort.

"Das Kochen ist unsere Gemeinsamkeit. Das machen wir mit Hingabe und Leidenschaft, dabei ist mein Mann meine rechte Hand."

Heidi Mather

Für die Landfrau ist das ein Klacks. Bevor sie Köchin in einem Kinderheim wurde, hatte sie in einer Krankenhaus-Küche gearbeitet und 560 Essen täglich gekocht. "Mittlerweile koche ich täglich nur noch 60 Essen", erzählt sie. "Aber den meisten Kindern schmecken Salat und Gemüse nicht, da muss man sich immer etwas einfallen lassen." Ihr Motto ist deshalb: Das Auge isst mit. Bei ihr ist der Teller immer bunt und ansprechend angerichtet.

Als Hauptspeise Bauernschmaus, als Nachtisch Pflaumen-Crumble - und in der Mitte eine alte Weisheit aus der Küche. Fotos: Agathe Markiewicz
Als Hauptspeise Bauernschmaus, als Nachtisch Pflaumen-Crumble - und in der Mitte eine alte Weisheit aus der Küche. (© Fotos: Agathe Markiewicz)

Auch wenn Heidi Mather das heutige Rezept zusammengeschrieben hat, fällt es ihr oft schwer, genaue Mengenangaben zu machen. Die Landfrau begründet: "Köche machen keine genauen Angaben, denn sie wiegen nicht ab, sie schmecken ab." Wichtig sei deshalb die Devise: "Augenmaß und Handgewicht verlasst mich nicht."

Und dann ist es endlich so weit, die drei Gänge kommen auf den Tisch: Die Blattsalate mit Senf und mit Honig vom eigenen Bienenstock schmecken erfrischend lecker, der Bauernschmaus ist so köstlich, dass noch ein kleiner Nachschlag auf dem Teller landet. Und das Beste kommt zum Schluss: der Pflaumen-Crumble. Alles ein Gedicht! Viel Spaß beim Nachkochen.