Wanderer gehen querfeldein

Die zweite Grenzwanderung in Weilmünster unter Leitung von Christian Horn (vorne) führt entlang der Gemarkungsgrenzen zu Ernsthausen und Lützendorf.  Foto: Henche

Die Grenze von Weilmünster zu den Nachbargemarkungen ist insgesamt 34 Kilometer lang. Bei ihrer zweiten Grenzwanderung haben 74 Teilnehmer jetzt den 4,8 Kilometer langen...

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Weilmünster. Die Grenze von Weilmünster zu den Nachbargemarkungen ist insgesamt 34 Kilometer lang. Bei ihrer zweiten Grenzwanderung haben 74 Teilnehmer jetzt den 4,8 Kilometer langen Grenzverlauf zu den Ortschaften Ernsthausen und Lützendorf erkundet.

Etwas kühleres, dafür aber trockenes Wetter bescherte den Organisatoren ideale Bedingungen für die rund vierstündige Tour durch Wald und Wiesen. Die groß;e Schar der Wanderer, unter ihnen viele Kinder, hatte sich auf dem Marktplatz in Weilmünster versammelt, um von dort mit dem Shuttlebus in die Nähe des Sonnenhofes Richtung Aulenhausen gebracht zu werden.

Ausgangspunkt der Wanderung war der Dreimärker Weilmünster/Aulenhausen/ Ernsthausen, an dem im vergangenen Jahr die erste Grenzwanderung anlässlich der 800-Jahr-Feier geendet hatte. Mit von der Partie war damals Gerd Mathes, Vorsitzender des Vereins zur Pflege historischer Grenzmale Hessen, der dieses Mal kurzfristig verhindert war. Doch Ortsvorsteher Christian Horn, der mit dem Ortsbeirat die Veranstaltung organisiert hatte, ist selbst Obmann für historische Grenzsteine. Er wusste die Teilnehmer mit Fakten und kleinen Anekdoten zu informieren und zu unterhalten.

Am Start warteten verschiedene groß;formatige Karten, die die historischen Grenzverläufe der Gemarkung zeigten. Entlang der vier Kilometer langen Grenze zu Lützendorf sind es insgesamt 101 Grenzsteine gewesen, die Grenze zu Ernsthausen hingegen ist mit 800 Metern und 15 Grenzsteinen deutlich kürzer.

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Um den genauen Grenzverlauf zu erkunden, mussten die Teilnehmer öfters auch die befestigten Wege verlassen und querfeldein gehen. Von der ursprünglichen Zahl an Grenzsteinen existieren heute nur noch wenige, die Horn extra für die Wanderer farblich markiert hatte. Für Heiterkeit sorgte ein doppelter Grenzstein auf der Grenze von Weilmünster und Lützendorf. Hier habe wohl keiner dem anderen Ort getraut und jeweils einen eigenen Grenzstein gesetzt, erklärte Horn und erntete Gelächter.

Als die Wanderer eine alte Handelsstraß;e überquerten, wartete eine leckere Überraschung auf sie. "Den Handelsweg von Lützendorf nach Schadeck nennt man auch Schnapsroute", stellte Horn mit einem Augenzwinkern fest und schenkte an alle einen Aufgesetzten aus dem Runkeler Stadtteil aus.

Mit von der Partie war bei der Grenzwanderung der neue Weilmünsterer Revierförster Dennis Schumillas, der den Wanderern aufschlussreiche Informationen rund um das Thema Waldwirtschaft lieferte.

Nach den Stürmen im Januar und der langen Trockenheit im Sommer ging er aber auch auf den aktuellen Zustand des Waldes ein. Nach einem steilen Abstieg erreichte die Wanderschar den Steinbruch in Weilmünster. Dort berichtete Rudi Czech, der Vorsitzende des Heimatvereins, über den Abbau von Diabas, Schiefer, Silber und Blei, der der Gemeinde Reichtum bescherte. Für Erstaunen sorgte seine Geschichte über das natürliche Amphitheater im Bereich Höllgraben, in dem 1930 an dieser Stelle vor Tausenden Zuschauern das Stück "Der Schinderhannes" aufgeführt wurde.

Im Steinbruch legen die Wanderer eine Rast ein und lauschen den Ausführungen von Rudi Czech

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Im Steinbruch legten die Wanderer dann auch eine Rast ein, um sich zu stärken. Die Helfer vom Elferrat des TuS 03 Weilmünster versorgten sie mit Fleischwurst, Brötchen und Getränken. Mit dem Shuttlebus ging es auf die andere Seite der Weil. Dort hatte die Gruppe bis zum Ziel am Parkplatz oberhalb der Tenne Richtung Möttau abschließ;end noch einen ordentlichen Anstieg zu bewältigen, wurde jedoch mit einem tollen Ausblick auf Weilmünster belohnt.