Meinung

Kommentar zum Streit im Weinbacher Parlament: Isoliert

Henning Schenckenberg
Im Weinbacher Parlament scheint es einsam um die parteilose Bürgermeisterin Britta Löhr zu werden. Redakteur Henning Schenckenberg kommentiert.

Mit mehr Fingerspitzengefühl in der Kommunikation hätte Bürgermeisterin Britta Löhr die aktuelle Situation verhindern können, meint unser Redakteur Henning Schenckenberg.

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Im Weinbacher Parlament scheint es einsam um die parteilose Bürgermeisterin Britta Löhr zu werden. Mit zwei Ausnahmen stimmten die Parlamentarier auf der jüngsten Sitzung fraktionsübergreifend dafür, dass die Aufsichtsbehörde ein Disziplinarverfahren gegen die Verwaltungschefin einleiten sollte. Der Grund: Sie habe den Inhalt einer Niederschrift geändert, ohne mit dem Gemeindevorstand oder dem Schriftführer Rücksprache zu halten.

Wird hier, wie die Bürgermeisterin argumentiert, aus einer Mücke ein Elefant gemacht? Inhaltlich auf jeden Fall – die Handlung der Bürgermeisterin betrifft das Wohl der Kommune und ihrer Bürgerinnen und Bürger kaum. Und doch muss sie sich zumindest ungeschicktes Verhalten vorwerfen lassen. Denn offenbar gab es – nach der Änderung der Niederschrift – Rückfragen aus dem Gemeindevorstand, ob sie es gewesen sei. Diese Frage hat Britta Löhr anscheinend verneint. In der Folge wurde ein IT-Experte konsultiert, der herausfand, dass die Umformulierungen doch auf ihren Computer vorgenommen worden sind.

Ist dieses „Herumschnüffeln“ verhältnismäßig? Eher nicht. Aber mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl in der Kommunikation hätte Britta Löhr dies und auch den Beschluss der Gemeindevertretung verhindern können. Dass der Gemeindevorstand und die Verwaltungschefin künftig konstruktiv zusammenarbeiten, ist spätestens seit der jüngsten Parlamentssitzung schwer vorstellbar. Und davon ist das Wohl der Bürgerinnen und Bürger dann leider doch betroffen.