Biedenkopf: Was tun, wenn das Auto aufgebrochen wurde?

Eines Morgens entdeckt unser Redakteur, dass Diebe in sein Auto eingebrochen haben. Er erklärt, warum es gut ist, sofort Bank und Polizei zu verständigen.

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BIEDENKOPF. Um 6.54 Uhr stehe zwei Jungen vor unserer Haustür und machen mit dem eisernen Türklopfer ein Höllenspektakel. Verwundert sperren wir die Tür auf. "Wir haben am Bahnhof ihr Portemonnaie gefunden", eröffnen sie uns und reichen meiner Frau ihre dunkelgrüne Briefbörse. "Und diese Karten hier." In ihren Händen halten die Kinder ein halbes Dutzend Stempel- und Kundenkarten von Bäcker, Döner-Bude und Drogerie.

Wir bedanken uns, sind aber verwundert. "Ist mir das Portemonnaie beim Einkaufen aus dem Fahrradkorb gefallen?", grübelt sie, "oder habe ich es beim Supermarkt irgendwo liegen lassen?" Dann fällt ihr Blick auf das Schränkchen in unserem Flur, wo die Briefbörse üblicherweise liegt. "Wo ist eigentlich mein Handy? Das hatte ich doch da hingelegt." In dem Moment dämmert uns: Da könnte sich jemand in der Nacht bedient haben. Ein Blick in die Autos vorm Haus schafft Gewissheit. In einem Auto steht das Handschuhfach offen, in dem anderen Auto sind die paar 1-Euro-Münzen verschwunden, die dort immer für die Einkaufswagen liegen.

Erster Anruf bei der Bank: Alle Konten sperren

Offenbar hat jemand die Gunst der Stunde genutzt und sich bedient. Wobei ich zugeben muss: Wir haben es den Tätern auch leicht gemacht. Die Autos stehen ohnehin oft offen - wer sollte schon einen 24 Jahre alten Volvo klauen, dessen Tüv im nächsten Monat abläuft? Und an jenem Tag war sogar die Haustür nicht abgeschlossen, weil unsere Kinder im Gartenhaus übernachtet haben und es leichter haben sollten, in der Nacht schnell ins Haus zu schlüpfen. Pech für uns, Glück für die Diebe.

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Was aber jetzt tun? Da aus dem Portemonnaie sämtliche Bankkarten fehlen, gilt der erste Anruf der Bank, um die Konten zu sperren. Dazu rät auch Timo Heck von der VR Bank Lahn-Dill. In solch einem Fall solle man schnellstmöglich beim Kundenservice seiner Bank anrufen und Konten sowie Online-Zugang sperren lassen, empfiehlt der Bereichsleiter Marketing.

Darüber hinaus gibt es laut Heck die Möglichkeit, die bundesweite Sperr-Hotline "116116" zu nutzen, die für alle Banken gilt. "Diese Hotline ist 24/7 erreichbar", erklärt Heck. Will sagen: sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Bereit halten solle man neben seinem Namen und seinem Geburtsdatum die Kontonummern, zu denen die Karten gehören. Um schnell reagieren zu können, rät Timo Heck, solle man sich die Nummer am besten aufschreiben und den Zettel irgendwo im Haus aufhängen oder im Handy abspeichern.

Kurz nach 7 Uhr rufen wir bei der Hotline an und leiten die Sperrung in die Wege. Am nächsten Tag werden wir feststellen, dass wir trotzdem zu spät dran waren.

Noch zwei weitere Tipps hat Heck parat: niemals die Pin-Nummern zusammen mit den Bank-Karten in seinem Portemonnaie lagern. Leider zeige die Erfahrung, so der Bereichsleiter Marketing, dass dies oftmals trotzdem gemacht werde. Sein zweiter Rat: die Tat so schnell wie möglich bei der Polizei anzeigen.

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An dieser Stelle zögern wir an diesem Tag erst einmal. Was, fragen wir uns, soll das bringen? Die Täter sind längst über alle Berge. Sichtbare Spuren sind weder an der Haustür noch an den Autotüren zu erkennen. Und vermutlich hat die Polizei besseres zu tun, als bei jedem Autoeinbruch mit einem Spurensicherungsteam anzurücken, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Bestenfalls vermuten wir, wird solch ein Anzeige wohl nur in die Statistik eingehen.

Glücklich entwickelt sich die Sache zunächst einmal zwei Stunden später weiter. Denn ein einfaches Handy und 50 Euro im Portemonnaie sind ja nur ein Teil des Verlusts. Fast schwerer wiegt da noch, dass Papiere wie Führerschein, Personalausweis, Gesundheitskarte etc. verschwunden sind. Das zu besorgen, ist ebenso zeitaufwendig wie mitunter auch kostspielig. Doch kurz nach 9 Uhr steht eine Nachbarin vor der Tür. In ihrem Garten hat sie den gesamten Inhalt des Portemonnaies, abgesehen von den Bankkarten, gefunden. Dankbar nimmt meine Frau den Karten- und Ausweisstapel entgegen. Zumindest diese Baustelle hat sich damit erledigt.

Am Nachmittag verständigen wir doch die Polizei. Einfach aus dem Gedanken heraus: Es ist wohl besser, wenn die Beamten wissen, was sich Kriminelles abspielt im Bezirk. Vielleicht waren wir ja auch nicht die Einzigen.

Auf jeden Fall Anzeige erstatten

Ein goldrichtiger Gedanke, wie sich zeigt. 20 Minuten später stehen zwei Beamte vor der Tür, besehen sich den Schaden, nehmen eine Anzeige und berichten, in der Nacht habe es noch weitere Autoeinbrüche dieser Art gegeben. Das Ganze hab ein Muster und sei schon andernorts im Hinterland so vorgekommen.

Yasmine Hirsch, Pressesprecherin der Marburger Polizei ruft ebenso dazu auf, in solchen Fällen und selbst bei auf den ersten Blick klein erscheinenden Delikten die Polizei zu verständigen. "Rufen Sie die Polizei an", sagt sie, "wir sind zuständig." Sie nennt mehrere Gründe. Der Erste: Immer wieder komme es vor, dass Täter sich neue Maschen ausdenken und damit tätig werden. Das könne die Polizei aber nur erkennen, wenn sie informiert wird. "Darum bitten wir zum Beispiel darum, dass uns alle Betrugsanrufe gemeldet werden."

Ein anderer Grund kommt hinzu: "Wir erleben es immer wieder, dass wir bei der Spurensuche Hinweise finden, die zu den Tätern führen", erklärte die Marburger Polizeipressesprecherin. Das könnten Fingerabdrücke sein, ein Haar, das irgendwo hängen geblieben ist, oder Blutspuren an einer eingeschlagenen Scheibe. Manchmal führe das direkt zu einem Tatverdächtigen, etwa wenn die DNA schon in der Polizeidatenbank ist, oder später, wenn sie wegen anderer Delikte dort hineinfindet. Die Polizei habe auch schon die kuriosesten Sachen erlebt: Dieben sei schon, als sie sich ins Auto gebeugt haben, die eigene EC-Karte oder ein Brief mit Briefkopf aus der Jacke gefallen. "Dann hat man einen Tatverdacht", sagt sie.

Aus diesem Grund ruft Yasmine Hirsch auch zu dem auf, was die Polizei "spurenschonendes Verhalten" nennt. Sprich: Betroffene sollen am Tatort bloß nichts verändern. "Die Beamten können dann mit geschultem Blick gucken, ob noch etwas zu sichern ist."

Die Pressesprecherin weist noch auf einen weiteren Aspekt hin. Es komme bei derartigen Taten immer wieder vor, dass jemand der Polizei meldet, einige Straßen weiter eine Person gesehen zu haben, die sich auffällig verhalten hat. Wenn die Polizei von solchen Taten und Beobachtungen wisse, könne die Dinge zusammenführen. Yasmine Hirsch: "Das geht aber alles nur, wenn wir alle Fälle kennen."

In unserem speziellen Fall geht's nicht nur um Diebstahl, sondern auch um Hausfriedensbruch, wie mir der Durchschlag der Anzeige bei der Polizei bescheinigt. Die kann ich am nächsten Tag gut gebrauchen. Denn wie ein Blick auf die Kontoauszüge zeigt, waren die Täter in der Nacht nicht untätig. Die Pin-Nummer hatten sie nicht. Aber auch ohne Code lässt sich mit einer Bankkarte an Geld oder Waren kommen: Um 5 Uhr in der Früh haben die Diebe die Karten benutzt, um sich an Zigarettenautomaten diverse Packungen zu ziehen. Glimmstängel im Wert von rund 100 Euro haben sie so ergattert.

Banken sind gegen Schäden versichert

An diesem Punkt erweisen sich dann die schnelle Sperrung bei der Bank und die Anzeige als hilfreich. Denn dann besteht Aussicht, das Geld erstattet zu bekommen. "Als Bank sind wir gegen solche Schäden versichert", erläutert Timo Heck, "gerade solche Kleinstbeträge werden von der Versicherung zurückerstattet."

In den nächsten Tagen erfahren wir über WhatsApp und Facebook, zum Teil auch namentlich, wo die Diebe in dieser Nacht zugange waren. Die Masche tritt dabei klar zutage: Autos, die nicht abgeschlossen sind, durchsuchen und Bargeld mitnehmen. An unserem Wohnort werden wohl, so ist zu vermuten, in nächster Zeit nachts keine Autos mehr offen stehen.