Code schützt vor Langfingern

Prägendes Ereignis: Oberkommissar Christian Koch (links) und Hauptkommissar Lars Kreimeyer beim Prägen des Codes. Er soll dafür sorgen, dass mögliche Fahrraddiebe abgeschreckt werden.  Foto: Mark Adel

Radfahren liegt im Trend, ist gesund und umweltfreundlich. Und weil immer mehr Bikes mit elektrischer Unterstützung unterwegs sind, schrecken auch die Hügel im Hinterland...

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BIEDENKOPF. Radfahren liegt im Trend, ist gesund und umweltfreundlich. Und weil immer mehr Bikes mit elektrischer Unterstützung unterwegs sind, schrecken auch die Hügel im Hinterland nicht mehr. Wenn das geliebte Zweirad aber geklaut wird, ist die Chance auf ein Wiedersehen klein und der Ärger groß.

Die hessische Polizei möchte das verhindern. Sie bietet in regelmäßigen Abständen die Möglichkeit an, Räder codieren zu lassen. Seit dem vergangenen Jahr ist das auch in der Biedenkopfer Station möglich.

Die Kombination aus Zahlen und Buchstaben soll Diebe abschrecken. Damit der Langfinger schnell erkennt, dass das Rad registriert ist, wird ein gut sichtbarer Aufkleber angebracht: "Finger weg!! Mein Rad ist codiert!" ist dort in Versalien zu lesen.

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Am Donnerstag hat Oberkommissar Christian Koch rund 70 Räder codiert. Mit einem speziellen Gerät wird der Code in Sekundenschnelle aufgefräst. Etwas länger dauert es, bis Kochs Kollegen den Eigentumsnachweis und den Ausweis des Besitzers überprüft und notiert haben.

Natürlich sollte man trotzdem noch auf seinen wertvollen Drahtesel achtgeben. Ihn also zum Beispiel mit einem stabilen Schloss anketten - auch im heimischen Fahrradkeller. Erfahrungsgemäß schützen aber auch solche Maßnahmen nicht immer vor den massiven Werkzeugen der Diebe. Der Code hingegen zeigt den Langfingern, dass das Rad "polizeibekannt" ist. Anhand der Nummer kann der Besitzer problemlos und schnell ausfindig gemacht werden.

Die Ziffern und Buchstaben stehen unter anderem für Landkreis, Kommune, Straße und Hausnummer sowie für die Initialen des Besitzers. Das System ist "hessisch", aber natürlich sei es auch bei Kollegen in anderen Bundesländern bekannt, sagt Hauptkommissar Lars Kreimeyer.

An der Biedenkopfer Station ist Christian Koch der Fachmann fürs Radcodieren. Mit Kollegen aus anderen Dienststellen hat er dafür eine Schulung absolviert. War das Prägen bei früheren Geräten noch recht aufwendig und zeitintensiv, geht es inzwischen fix.

Nachdem seine Kollegen den Code ermittelt haben, tippt ihn Christian Koch in einen kleinen Computer ein. Der steuert das Prägegerät an. Christian Koch muss nur eine geeignete Stelle am Rahmen suchen - und eine ruhige Hand haben.

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Mit den Bürgern ins Gespräch kommen

Er ist selbst passionierter Rennrad-Fahrer. "Deshalb hat mich das Thema interessiert und ich habe mich gemeldet, als jemand gesucht wurde", berichtet er. Zudem gefällt es ihm, einen "angenehmen" Kontakt mit den Bürgern zu haben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. "Wenn wir Unfälle aufnehmen oder Autofahrer kontrollieren, sind ja die Umstände eher nicht so schön. Natürlich gibt es auch dann schon mal eine Unterhaltung, aber das ist etwas anders", sagt der Oberkommissar.

Unter seinen Händen liegen an diesem Tag fast ausschließlich Elektroräder. Die sind oft teurer in der Anschaffung als herkömmliche Räder - und zudem werden sie besonders oft gekauft. Ein älterer Herr etwa bringt an diesem Tag sein nagelneues, strahlend weißes Rad.

Landkreisweit sind im vergangenen Jahr 230 Räder gestohlen worden. 2017 waren es 276. Im Stadtgebiet Biedenkopf waren es im vergangenen Jahr sieben Räder, die als gestohlen gemeldet wurden - also eher wenig. Ein Vorteil des Landlebens, sagt Christian Koch. Dennoch appellieren die Beamten, die Räder stets zu sichern (siehe Kasten). Als kleinen Zusatzservice beantworten sie Fragen, etwa von einem Radler, der ein stabiles Kettenschloss zeigt. "Ist das sicher?", fragt er. Die Beamten können ihn beruhigen: Ohne Bolzenschneider haben Diebe keine Chance.

Die nächste Codier-Aktion in der Biedenkopfer Polizeiaktion wird voraussichtlich im Spätsommer stattfinden.