Reise in die Welt der Operette

Ein beeindruckender Klangkörper: Die Philharmonie Lemberg spielte in Biedenkopf.  Foto: Frankenberg

So lässt sich das Jahr gut beginnen. Die Philharmonie Lemberg zündete ein wahres Feuerwerk der klassischen Musik.

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Biedenkopf. So lässt sich das Jahr gut beginnen. Die Philharmonie Lemberg zündete ein wahres Feuerwerk der klassischen Musik.

Das Orchester, das zu den angesehensten Klangkörpern der Ukraine gehört, überzeugte beim Neujahrskonzert im Biedenkopfer Bürgerhaus auf ganzer Linie. Elektrisierend, meisterhaft, natürlich und sehr vergnüglich, gestaltete sich die träumerische, musikalische Reise in die Welt der Operette.

Mit Jacques Offenbachs Ouvertüre zur Operette "Pariser Leben", dem Motto des Neujahrskonzertes, spannten die Musiker einen Bogen zur französischen Lebensart, eben ein "Leben wie Gott in Frankreich". Offenbach gelang es meisterhaft, dieses Leben, das man mit gutem Essen, perlendem Champagner und einer gewissen Unbeschwertheit verbindet, musikalisch umzusetzen.

Von der französischen Lebensart ließ;en sich auch die österreichischen Komponisten Leo Fall, Johann Strauss Sohn, Richard Heuberger und Carl Millöcker sowie Emile Waldteufel, Charles Gounod, Hector Berlioz und Georges Bizet inspirieren. Ihre Werke waren eine Hommage an die Stadt der Liebe.

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Mitreiß;ender Schwung, Begeisterungsfähigkeit, Musikalität und Professionalität, das alles und viel mehr, zeichnet die überwiegend jungen Musiker der Philharmonie Lemberg aus. Die dargebotenen Werke aus Oper und Operette, die von "Unter Donner und Blitz" über "España", dem "Ungarischen Marsch Nr.5" bis zum Vorspiel zur Oper "Carmen" und "Danse Boheme" reichten, wurden zu einem echten Hörvergnügen, wobei auch die Solisten besonders brillierten.

Melodische Schönheit, tänzerische Leichtigkeit und intensiver Gefühlsausdruck

Unter Leitung des hervorragenden Dirigenten Taras Krysa entwickelten die Musiker des Orchesters ein hohes Maß; an Identifikation und machten die Wiedergabe zu einem besonderen Genuss. In homogener Stimmgewichtung wurde den Zuhörern zarter Wohlklang, dosierte Steigerungen bis hin zu energischen Sequenzen mit eingestreuten Akzenten geboten. In den zahlreichen Parts wurde die Virtuosität einzelner Ensemble-Mitglieder offenbar.

Schwungvoll ließ;en die Streicher ihre Bögen über die Saiten gleiten, arbeiteten die melodische Schönheit, die tänzerische Leichtigkeit und den intensiven Gefühlsausdruck sauber heraus und verstanden es meisterlich, die Gegensätze in Einklang zu bringen.

Einen besonderen Höhepunkt stellten die Soli der Sängerin Sonja Maria Westermann dar, deren klangschöner und wandlungsfähiger Sopran seine Wirkung nicht verfehlte. Sie brillierte mit "Heut‘ könnt einer sein Glück bei mir machen" aus "Madame Pompadour" und Carl Millöckers "Ich schenk mein Herz" aus der Operette "Die Dubarry".

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Bei der "Juwelenarie" aus der Oper "Faust" von Charles Gounod gab die Sopranistin die Fülle der Töne technisch versiert wieder. An ihrer Seite Patrick Rohbeck, ein ausgezeichneter Sänger, aber auch Komiker und Moderator, der schnell zum Publikumsliebling wurde. Der Bariton, der beschwingt und charmant ganz wesentlich die Gute-Laune-Stimmung des Abends beflügelte, verstand es, mit amüsanten Anekdoten das Publikum zu unterhalten.

Bezaubernd war das Duett von Sonja Maria Westermann und Patrick Rohbeck bei "Mein Herr, es ist eine Beleidigung" aus der Operette "Der Opernball" von Richard Heuberger, der das Leben der "Halbwelt Paris" charmant skizzierte. Hier durften die beiden Solisten ihrer komischen Ader freien Lauf lassen, wobei sie den Zuschauerraum in ihr Duett einbezogen.

Ohne die obligatorischen Zugaben wurden die ukrainischen Musiker nicht ins neue Jahr entlassen. Getreu dem Wiener Vorbild intonierten sie "An der schönen blauen Donau" und den "Radetzkymarsch". Fazit eines Zuschauers: So lässt sich das Jahr gut beginnen!