Situation schaukelt sich hoch, bis Faust fliegt

Amtsgericht Biedenkopf stellt Verfahren gegen 56-Jährigen aus einem Breidenbacher Ortsteil wegen eines Schlags ins Gesicht ein.

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BREIDENBACH. Eingestellt hat das Amtsgericht Biedenkopf das Verfahren gegen einen 56-jährigen Mann aus Sinn, der zeitweise in einem Breidenbacher Ortsteil lebt. Dort soll er im Juli vergangenen Jahres einem 25-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Auslöser war eine verbale Auseinandersetzung der beiden Männer, zu der es wiederum gekommen war, nachdem der Angeklagte die Tochter des Mannes angeschrien hatte. Zwar bestritt der Angeklagte, gegenüber dem Mädchen ausfallend geworden zu sein und gab an, sie lediglich mit fester Stimme des Grundstücks verwiesen zu haben. Der Vater jedoch stellte den Vorfall so dar, dass seine Tochter in der Folge Angst gehabt habe, alleine zur Schule zu gehen, weil der Weg dorthin am Haus des Angeklagten vorbeiführt.

Angegriffener hat ein Kupferrohr dabei

Nachdem der Angeklagte zunächst vom Balkon aus mit dem Vater gesprochen hatte, der den Mann zur Rede stellen wollte, sei er irgendwann nach draußen gegangen, erzählten beide Männer übereinstimmend. In diesem Moment habe er sich aus seinem Auto ein Kupferrohr geholt, das er für Arbeiten dabei hatte, sagte der 25-Jährige aus. "Denn ich wusste ja nicht, mit was er rauskommen würde." Da der Angeklagte aber nicht bewaffnet gewesen sei, habe der das Rohr auch nicht eingesetzt. In diesen Schilderungen waren sich die beiden Männer und auch die Lebensgefährtin des Angeklagten sowie ein Nachbar weitgehend einig - wenn der Angeklagte auch behauptete, der Vater habe das Rohr gegen ihn erhoben und damit gedroht.

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Zu einem Schlag damit war es jedoch nie gekommen, selbst als der Angeklagte den Mann ins Gesicht schlug und ihn dabei verletzte, sodass er blutete. "In diesem Moment wollte ich mich verteidigen und zuschlagen", gab der Mann an, habe es aber instinktiv dann nicht gemacht.

Letztlich hätte er sein Gegenüber noch nicht einmal anzeigen wollen, sagte der Mann aus - denn die Verletzungen im Gesicht seien nicht so schwerwiegend gewesen. Die Anzeige sei aber durch die Polizei erfolgt, weil er medizinisch behandelt werden musste.

Den Ausschlag für die Entscheidung des Gerichts, das Verfahren einzustellen, gab schließlich ein medizinisch-psychologisches Gutachten, das der Angeklagte vorlegte. In der Verhandlung hatte er nämlich angegeben, durch den Vorfall so sehr "aus der Bahn geworfen" worden zu sein, dass er sich in psychologische Behandlung begeben habe. Sechs Wochen lang sei der Vorfall aufgearbeitet worden, was durch das Entlassungsschreiben der Klinik belegt wurde.

Richterin Maja Schlenzig sah es als erwiesen an, dass sich die Situation zwischen den beiden Männern hochgeschaukelt hat, woran beide nicht unschuldig seien. Wäre einer von ihnen einfach weggegangen, wäre es gar nicht so weit gekommen, gab sie beiden Männern zu bedenken.

Der Angeklagte muss lediglich eine Strafe in Höhe von 250 Euro an einen Verein zahlen, der Kinderwünsche erfüllt. Zudem muss er seine begonnene Therapie fortführen.