Fleißige Frauen schenken Trost

Alice Koziol näht Kleidchen und strickt Mützchen für die Sternenkinder und Frühchen.  Foto: Sascha Valentin

Vor einem Jahr hat sich der Verein "Handgemachtes für Sternenkinder und Frühchen" gegründet, dem auch die Buchenauerin Mirjam Bernhardt angehört. Jetzt haben sich die...

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DAUTPHETAL-BUCHENAU. Vor einem Jahr hat sich der Verein "Handgemachtes für Sternenkinder und Frühchen" gegründet, dem auch die Buchenauerin Mirjam Bernhardt angehört. Jetzt haben sich die Mitglieder, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, erstmals im Hinterland getroffen, um gemeinsam ihrer Aufgabe nachzugehen.

Die besteht vor allem darin, Trost zu spenden, seelischen Beistand zu leisten und Mut zu machen. Wie sein Name verrät, kümmern sich die Mitglieder des Vereins nämlich um Familien, deren Neugeborene zu früh auf die Welt kommen oder nach der Geburt sterben, so genannte Sternenkinder. Für sie und ihre Familien legen sich die überwiegend weiblichen Mitglieder auf kreative Weise ins Zeug: Sie basteln Herzen und Flügel mit Anhängern daran, nähen kleine Trostbärchen und ganze Anzüge für Frühchen oder gestalten Karten mit Mut machenden Sprüchen und Botschaften darauf.

All das geben sie an Hebammen, Krankenhäuser und Bestatter weiter, die betroffene Familien in ihrem Leid begleiten. "Heute zerlegen wir zum Beispiel 15 komplette Brautkleider, um daraus Kleidung für die Sternenkinder zu nähen", erklärt Bernhardt.

In den benötigten kleinen Größen gebe es nämlich kaum ansprechende Bekleidung zu kaufen, weiß die 43-Jährige. Ähnlich sieht es bei den Frühchen aus, die schlichtweg zu klein seien, als dass ihnen die handelsübliche Ware aus dem Geschäft passe. Hier sorgen die fleißigen Frauen des Vereins für Abhilfe, indem sie entsprechend kleine Kleider selbst nähen - so wie Alice Koziol.

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Die professionelle Schneiderin ist zwar nicht Mitglied im Verein, unterstützte aber dessen Aufruf zu dem gemeinsamen Handarbeitstag in Buchenau mit ihrer Erfahrung und ihrer Nähmaschine. Wie Koziol seien auch viele andere Frauen spontan dem Aufruf gefolgt, freut sich Bernhardt. Teilweise seien sie aus Bad Nauheim oder gar Bayern gekommen, um bei der Arbeit zu helfen. "Fast die Hälfte der Frauen, die heute hier sind, sind nicht Mitglied im Verein", erzählt sie. Sie hätten sich nach dem ersten Zeitungsartikel im Hinterländer Anzeiger über den Verein bei ihr gemeldet und ihre Hilfe angeboten.

"Hier geht es nicht um uns, sondern um die gute Sache", sagt zum Beispiel Heidrun Bamberger aus Friedensdorf. Sie nutzt den Tag, um Karten zu basteln, die Eltern an die Hand gegeben werden, die ihr Kind verloren haben. Die tröstenden Worte darauf können Trauer und Schmerz zwar nicht lindern, aber sie sollen ihnen Hoffnung und Mut schenken, das Leben auch trotz ihres Verlustes zu meistern.

Auch Martina Baier ist zum ersten Mal dabei, um die wertvolle Arbeit des Verein zu unterstützen. "Was hier geleistet wird, ist so wichtig", erklärt sie. Denn der Tod eines Kindes sei meist immer noch ein Tabuthema, was zur Folge habe, dass die betroffenen Eltern oft mit ihrem Schmerz alleine dastehen. Nicht umsonst ist die Nachfrage nach den Trostboxen, die der Verein zusammenstellt, so unheimlich groß, erklärt Vereinsvorsitzende Stefanie Dindaß, die an diesem Tag extra aus dem bayerischen Straubing ins Hinterland gekommen ist, um die fleißigen Frauen zu unterstützen.

Der Inhalt der Trostboxen besteht aus einem Bärchen, einem Paar Flügel und einer Trostkarte. Alles davon kann individuell gestaltet werden - etwa in einer Lieblingsfarbe, mit dem Namen des verstorbenen Kindes oder dessen Sterbedatum. Den Eltern sei es wichtig, etwas Greifbares in Händen zu halten, das sie an ihr Kind erinnert, erklärt Dindaß. Teilweise werden fünf bis sechs solcher Trostboxen an einem Tag geordert.

Um ihrer Aufgabe nachkommen zu können, sind die Frauen aber nicht nur handarbeitliche Unterstützung angewiesen. "Auch Spenden sind für uns wichtig", erklärt Mirjam Bernhardt. Das müsse nicht einmal Geld sein. Auch Bastelmaterial und Stoffe würden immer benötigt, um die kleinen Trostspender herstellen zu können. Ebenso Briefmarken, um das Gebastelte und Genähte zu verschicken. Außerdem führt der Verein unter seinem Namen auch eine Wunschliste bei Amazon, von der sich potenzielle Spender etwas aussuchen und den fleißigen Frauen kaufen können.

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Und selbst, wer nicht explizit spenden will, kann die Arbeit des Vereins dennoch unterstützen. Denn "Handgemachtes für Sternenkinder und Frühchen" nimmt auch am Amazon Smile-Programm teil. Dabei spendet der Internetversandhändler 0,5 Prozent des Einkaufswertes eines Käufers, wenn dieser sich zuvor auf www.smile.amazon.de für eine Organisation angemeldet hat.

Interessenten können sich auch an Mirjam Bernhardt wenden per Mail an mirjam.bernhardt@gmx.de oder telefonisch unter 0 64 66-91 21 80.