"An neuen Seheindruck gewöhnen"

Auch wenn es noch nicht gegen alle Augenerkrankungen eine Lösung gibt, kann Dr. Andrea Jungherr den Lesern viele Ratschläge geben. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Dr. Andrea Jungherr hat beim "Direkten Draht" Ratschläge bei Augenerkrankungen wie Grauer ud Grüner Star, Makuladegeneration oder trockenen Augen.

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WETZLAR. Am "direkten Draht zum Mediziner" beantwortete am Mittwoch Dr. Andrea Jungherr, Fachärztin für Augenheilkunde aus Dillenburg, Fragen unserer Leser zu den häufigsten Augenkrankheiten wie Grauer und Grüner Star, Makuladegeneration oder trockenen Augen.

Eine 79-jährige Wetzlarerin hat seit 20 Jahren eine Makuladegeneration und grünen Star und kommt damit gut zurecht. Bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wurde jetzt auch noch ein Aneurysma im rechten Auge festgestellt. "Ich bin drei Mal gegen Corona geimpft und jetzt wollte mir jemand erzählen, dass ich mich nicht impfen lassen darf. Da sicher noch mehr Impfungen auf uns zu kommen, möchte ich gerne wissen, ob das stimmt", so die Leserin. "Mir ist kein Zusammenhang der Erkrankungen mit den Ausschlusskriterien einer Corona-Impfung bekannt", weiß die Augenärztin.

Einer 63-Jährigen aus Merenberg wurde am 16. November bei einer Grauen Star-Operation eine Kunstlinse eingesetzt. Da sie unzufrieden mit dem Ergebnis war, weil sie im Augenwinkel ein klebriges Gefühl hatte und auch die Sehfähigkeit subjektiv schlechter wurde, hat sie die im Dezember geplante OP am anderen Auge abgesagt. "Ist das normal so und sollte ich besser das andere Auge doch auch machen lassen?" lautete die Frage. "Es kann daran liegen, dass das operierte Auge 'trocken' ist und die Augen noch nicht richtig miteinander arbeiten", so Dr. Jungherr. Wegen des zweiten Grundes werde die zweite OP meist zügig nach der ersten gemacht. "Man muss sich an den neuen Seheindruck gewöhnen, kann Pflegetropfen verwenden und nach dem Gewöhnungsprozess und mit einer gut angepassten Brille dürften Sie mit dem Ergebnis zufrieden sein", weiß die Ärztin.

Eine Anruferin (79) aus Erdbach ist an Multipler Sklerose erkrankt und seit einem halben Jahr hat sie vor dem rechten Auge einen "Balken", der sich nicht bewegt, manchmal zum Strich wird und auch mal einen Tag lang nicht vorhanden ist. Beide Augen sind am Grauen Star operiert und am linken wurde auch Grüner Star diagnostiziert. Eine Gesichtsfelduntersuchung blieb ohne Ergebnis, wie auch ein MRT wegen der MS. Hier wurde auch vergeblich nach Entzündungsherden gesucht, die den "Balken" verursachen könnten. "MS ist ja eine entzündliche Krankheit im Hirn, deshalb auch die schwankenden Beschwerden, deshalb würde ich das Thema bei der nächsten Kontrolle noch einmal ansprechen", rät die Ärztin.

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Eine 40-jährige Leserin aus Hermannstein hat ein Augenproblem: Das rechte Auge hat -2,5 Dioptrien - das Linke -4,5. Im September wurde bei ihr Grauer Star festgestellt, der zum Handeln zwingt. Die junge Frau möchte keine Brille tragen, weshalb sie schon immer Kontaktlinsen verwendet. Im Kern geht es darum, nach einer eventuellen Operation der getrübten Linse den Dioptrien-Unterschied nicht zu groß werden zu lassen, damit das Hirn die verschiedenen Bilder der Augen noch gut verarbeiten kann. Dr. Jungherr brachte Multifokal-Linsen als Option ins Spiel, von denen die Kollegen abgeraten hatten. "Ich kenne Patienten, die gute Erfahrungen gemacht haben, es gibt allerdings eine geringe Einbuße im Kontrastsehen und der Nachtsicht", so Jungherr. "Trotz vielfältiger Forschung wurde noch keine Lösung für alle Probleme gefunden", bedauert Jungherr.

Eine 91-jährige Frau aus Villmar hat vor vielen Jahren Spritzen ins Auge gegen ihre feuchte Makuladegeneration abgelehnt. Mittlerweile sieht sie nur noch Umrisse. "Wenn die Einschränkung der Sehschärfe schon so weit fortgeschritten ist, gibt es zumeist keine therapeutischen Möglichkeiten mehr", bedauert die Ärztin. "Man kann die Uhr nicht zurückdrehen." Mit aktuellem Befund und Sehschärfe müsse man sich die Sache einmal ansehen und entscheiden. "Viele Patienten haben Angst vor der Spritzentherapie, die allerdings gar nicht so belastend ist - es hört sich schlimmer an, als es ist."

Ein 85-jähriger Leser aus Allendorf hat auf dem linken Auge eine angeborene Hornhautverkrümmung und nur noch fünf Prozent Sehkraft. Das rechte Auge hat noch 30 Prozent und beide Augen wurden bei einer OP im März 2021 mit Kunstlinsen versehen. Die störenden Doppelbilder, die unser Leser sieht, waren allerdings schon im September 2020 vorhanden. Eine Makuladegeneration wurde ebenfalls diagnostiziert. "In den 1990-er Jahren hatte ich schon mal Doppelbilder, die nach einer Schilddrüsen-Operation verschwanden", erläutert der Senior, den Dr. Jungherr gerne zu ihren Kollegen nach Gießen schicken möchte, die sich verstärkt mit dem Schielen beschäftigen. "Manchmal drängelt sich ein unterschwelliges Schielen, dass über Jahre kompensiert wurde, im Alter in den Vordergrund."

Noch kein Heilmittel gegen Makulaerkrankungen

"Ich habe eine trockene Makuladegeneration und Grauen Star", erläutert eine Driedorferin (66)"Die Star-OP demnächst ist klar, doch was kann ich gegen die Makulaerkrankung tun, die mich noch nicht so sehr beeinträchtigt?", lautet die Frage. "Es gibt trotz intensiver Forschung noch kein ultimatives Heilmittel gegen diese häufige Erkrankung", erklärt die Ärztin, hat aber einige Empfehlungen, wie man den Verlauf günstig beeinflussen kann: "Zum einen sollte man nicht rauchen und den Blutdruck in Ordnung halten." Optimaler Schutz der Augen gegen Sonnenlicht ist ebenso wichtig. Gesunde Ernährung ist die Vierte im Bunde. Viel Trinken und ausreichend Bewegung können ein Übriges tun.