Jens Womelsdorf legt Amtseid ab

Der neue Landrat Jens Womelsdorf (SPD, r.) legt den Amtseid vor dem Kreistagsvorsitzenden Detlef Ruffert und dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow ab.  Foto: Hartmut Bünger

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat einen neuen Landrat: Jens Womelsdorf. In seiner Antrittsrede legte er den Schwerpunkt auf den Klimaschutz im Kreis.

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MARBURG-BIEDENKOPF. Jens Womelsdorf ist am Freitagmorgen als neuer Landrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf offiziell in sein Amt eingeführt worden.

Zunächst überreichte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) ihm die Ernennungsurkunde, dann legte Womelsdorf in der Stadtallendorfer Stadthalle den Diensteid ab. Am 29. Mai hatte der Sozialdemokrat die Stichwahl gegen Marian Zachow (CDU) mit 52,19 Prozent der Wählerstimmen gewonnen.

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Erster Teil der Rede gilt dem Klimaschutz

Ins Zentrum seiner Antrittsrede im Kreistag stellte der neue Landrat die Klimakrise. "Wir müssen die Frage einer sicheren Energieversorgung auch bei uns im Landkreis beantworten", betonte Womelsdorf. Das sei es, was ihn politisch anreibt: dass auch die regionalen Entscheidungen und lokalen Projekte Einfluss nehmen können auf große Fragen wie die Klimakrise.

Als ein Ziel formulierte er, das Aktionsprogramm des Kreises zum Klimaschutz konsequent umzusetzen und um weitere, sozial verträgliche Aspekte zu ergänzen. Deshalb werde er den Klimaschutz zur Chefsache machen und zeitnah ein drittes Klimaschutz-Aktionsprogramm vorbereiten. Womeldorf: "Wir werden und wir müssen unsere Arbeit konsequent an den Anforderungen des Klimaschutzes ausrichten."

Das Handeln müsse dabei zu messbaren Ergebnissen führen. Dazu gehört in seinen Augen, dass der Haushalt aufzeigt, welche Auswirkungen die Ausgaben und Aktivitäten der Kreisverwaltung auf das Klima haben. Stärker nutzen will er die Kompetenz der Bürger. Eine Idee: ein Bürgerrat, der sich speziell um das Thema Klimaschutz kümmert.

Zu Denken gegeben hat dem neuen Landrat nach eigenen Worten die niedrige Wahlbeteiligung. Bei der Stichwahl lag sie bei gerade einmal 25,18 Prozent. "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir in Zukunft den Mix aus repräsentativen und direkt-demokratischen Elementen so gestalten, dass wir insgesamt unser demokratisches System stärken", sagte Womelsdorf.

Der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert gratuliert dem neuen Landrat Jens Womelsdorf (beide SPD). Foto: Hartmut Bünger
Der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert gratuliert dem neuen Landrat Jens Womelsdorf (beide SPD). (© Hartmut Bünger)
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Unmittelbar mit den Themen Klima und Energie verbunden sei das Thema Mobilität, also die Art, wie sich die Menschen durch den Landkreis bewegen. "Wir müssen die Verbindungen mit Bussen, Bahnen und Fahrrädern zwischen den Städten sowie Gemeinden und Marburg weiter verbessern. Und ebenso auch für Autos", unterstrich der neue Landrat. Und er wurde konkret: Der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehr solle bis 2030 auf acht Prozent steigen, 35 Prozent der Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur sollten, wie in der Koalition festgelegt, in den Radverkehr fließen.

Noch weitere Themen sprach der gebürtige Battenberger an: So sieht er die energetische Sanierung von Schulen und Wohnraum sowie den Ausbau von Photovoltaik als Beitrag, um die Energieversorgung zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten. Breitbandausbau und die Sicherstellung der medizinischen Versorgung sind für ihn vorrangige Themen für den ländlichen Raum. Das Ehrenamt würde er gerne mit einem Fonds für innovative Konzepte der Vereinsarbeit fördern. Und auch die Kreisverwaltung als Arbeitgeber sprach er an: "Ich möchte erreichen, dass der Landkreis aktiver als bisher um die besten Köpfe kämpft."

Sich selbst bezeichnete Jens Womelsdorf als "überzeugten Teamplayer mit ausgeprägter Fähigkeit zum Kompromiss". Als direkt gewählter Landrat und Chef der Verwaltung werde er jedoch seine Führungsrolle "nicht nur annehmen, sondern auch aktiv ausüben".

Viele Geschenke und gute Wünsche

Vertreter der im Kreistag vertreten Fraktionen gratulierten Jens Womelsdorf. Werner Hesse lobte seine Fähigkeit zum Kompromiss - das sei wohl die wichtigste Voraussetzung, um das Amt gut auszufüllen. Von der CDU erhielt der neue Landrat einen schwarz-roten Helm. Der stehe dafür, so erläuterte Werner Waßmuth, sich Zeit für sich selbst und für die Familie zu nehmen. Aber auch für Sparsamkeit und Stabilität. Für die habe in den vergangenen Jahren die Koalition von CDU und SPD gesorgt, betonte er, und die brauche man angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen auch in der Zukunft. Die Grüne Stephanie Theiss freute sich, dass Womelsdorf dem Klimaschutz so viel Raum beigemessen hatte, die Linke Anna Hofmann über die sozial-ökologische Wende, die sie aus seiner Rede herausgehört hatte.

Persönlich wurde Karl-Hermann Bolldorf (AfD): In der ersten gemeinsamen Sitzung habe er Womelsdorf als liebenswert, sympathisch und kompetent erlebt. Der richtige Mann am richtigen Platz." Bolldorf war es auch, der Marian Zachow ausdrücklich für seine Arbeit in der Interimszeit dankte.